Während Andreas Babler um seine Zukunft kämpft und Gerhard Zeiler nach dem Parteivorsitz greift, kommt Hans Peter Doskozil am Sonntag nach Wien. Über seine Strategie kursieren zwei Szenarien: eine Rückkehr ins Rennen um die Bundes-SPÖ oder ein Koalitionswechsel im Burgenland. Beide führen zur FPÖ – bestätigt ist keines.
Hans Peter Doskozil sitzt wieder am Tisch der roten Macht. Sein Büro bestätigte gegenüber der „Krone“ die Teilnahme an den Beratungen am Sonntag. Gegen 14 Uhr (exxtra24 berichtete exklusiv) wollen sich die Landesparteichefs abstimmen, um 16 Uhr folgt die Aussprache mit Andreas Babler. Seine inhaltlichen Absichten lässt der Burgenländer vorerst offen.
Will Doskozil lediglich mitentscheiden, wer die Bundespartei künftig führt? Oder könnte er im Machtkampf zwischen Babler und Zeiler selbst zum lachenden Dritten werden?
Zwei Szenarien – eine blaue Verbindung
Nach Informationen aus der burgenländischen Opposition und Wiener SPÖ-Kreisen werden zwei Varianten diskutiert. Hintergrund sind Angaben aus diesen Kreisen, wonach Doskozil mehrfach Gesprächstermine mit FPÖ-Chef Herbert Kickl wahrgenommen haben soll. Eine unabhängige Bestätigung dieser Treffen und ihrer Inhalte liegt bislang nicht vor.
Szenario eins: Doskozil interessiert sich erneut für den Bundesvorsitz und erwägt eine spätere Zusammenarbeit mit der FPÖ. Während Babler und Zeiler um Unterstützung ringen, könnte er sich als weitere Option positionieren.
Eine Öffnung gegenüber Kickl wäre allerdings ein grundlegender Richtungswechsel. Aus mutmaßlichen Gesprächen lässt sich eine solche Absicht nicht ableiten. Öffentlich erklärte Doskozil zuletzt, eine blau-schwarze Bundesregierung verhindern zu wollen. Gleichzeitig bekräftigte er seine Ablehnung Zeilers und kritisierte dessen politischen Ansatz. Eine eigene Kandidatur oder rot-blaue Bundesstrategie kündigte er nicht an.
Szenario zwei: ein fliegender Koalitionswechsel im Burgenland – von den Grünen zur FPÖ. Rot-Blau wäre dort kein Neuland: Von 2015 bis 2020 regierten beide Parteien gemeinsam, Doskozil gehörte der Regierung als Landesrat und später als Landeshauptmann an.
Eine öffentlich belegte Entscheidung für einen Partnerwechsel gibt es jedoch nicht. Im Februar bezeichnete Doskozil die Grünen als richtigen Koalitionspartner, im Sommer präsentierte Rot-Grün eine positive Bilanz. Das steht der These eines bereits vorbereiteten Wechsels entgegen.
Was vereinbaren Doskozil und Ludwig?
Mit Spannung wird deshalb das Zusammentreffen Doskozils mit Wiens Bürgermeister Michael Ludwig erwartet. Finden die beiden einflussreichen Landesparteichefs eine gemeinsame Linie? Bleibt Doskozil bei seinem Nein zu Zeiler? Oder eröffnet er selbst eine weitere Option?
Seine Teilnahme macht jedenfalls deutlich: Über die Zukunft der SPÖ entscheiden nicht allein Babler und Zeiler. Auch der Burgenländer will offenbar ein gewichtiges Wort mitreden.
Fellner: Ein Brückenbauer für die Parteispitze?
Einen Impuls hat unterdessen Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner gesetzt. Er initiierte die Zusammenkunft aller Landesparteichefs und brachte damit Bewegung in die festgefahrene Führungsdebatte.
Während andere ihre Positionen öffentlich abstecken, versucht Fellner, die roten Landesfürsten an einen Tisch zu bringen. Gespräche ermöglichen, Interessen zusammenführen, Brücken bauen: Solche Fähigkeiten braucht die zerstrittene SPÖ dringend.
Vielleicht sollte sich Daniel Fellner deshalb selbst mit dem Bundesvorsitz beschäftigen. Politisches Feingefühl lässt seine Initiative jedenfalls erkennen. Und das könnte für die Führung dieser Partei ebenso entscheidend sein wie Machtinstinkt.
Credits: Arne Müseler / www.arne-mueseler.com, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=132227569
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