Russland droht NATO mit Atomwaffen – wegen Kaliningrad

Russland droht NATO mit Atomwaffen – wegen Kaliningrad

Ein inoffizielles diplomatisches Papier aus Moskau sorgt im westlichen Bündnis für Alarm: Russland hat der NATO mit dem Einsatz seines gesamten Arsenals gedroht, ausdrücklich auch mit Atomwaffen, falls das Bündnis versuchen sollte, die Ostsee-Exklave Kaliningrad vom Rest Russlands abzuschneiden. Der Kreml bestätigt die Warnung.

Was im Papier steht

Laut der Nachrichtenagentur Reuters, die das Dokument einsehen konnte, wirft Moskau der NATO einen „gefährlichen und rücksichtslosen Kurs“ vor, der ein hohes Risiko eines direkten bewaffneten Konflikts berge. Sollten NATO-Staaten versuchen, die Region Kaliningrad zu isolieren, sei Russland bereit, „das gesamte ihm zur Verfügung stehende Arsenal an Kräften und Mitteln, einschließlich Atomwaffen“ einzusetzen, um sein Territorium zu verteidigen. Wie die „Kronen Zeitung“ berichtet, schließt das Papier auch russische Angriffe auf Entscheidungszentren in NATO-Staaten schon zu Beginn eines Konflikts ein.

Kreml: Erinnerung an „Hitzköpfe in Europa“

Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow bestätigte am Mittwoch, dass Russland der NATO eine solche Warnung übermittelt hat. Man wolle damit „Hitzköpfe in Europa“ an die grundsätzliche Haltung Russlands erinnern. Parallel veröffentlichten russische Botschaften in mindestens drei europäischen Ländern ähnliche Erklärungen. Darin heißt es, Moskau habe Informationen, wonach die NATO eine Luft- und Seeblockade Kaliningrads vorbereite. Die Botschaft in Irland formulierte es so: „Es sollte keinen Irrtum geben – Russland wäre bereit, sein gesamtes Arsenal, einschließlich Atomwaffen, einzusetzen.“

NATO: „Unverantwortliche nukleare Rhetorik“

NATO-Sprecherin Allison Hart bestätigte den Erhalt des Schreibens. Das Bündnis habe geantwortet und klargestellt, dass seine Aktivitäten keine Gefahr für russisches Gebiet darstellten. Zugleich verurteile man „die Androhung von Gewalt, einschließlich jeglicher unverantwortlicher nuklearer Rhetorik“, und fordere Russland auf, seinen unprovozierten Krieg in der Ukraine zu beenden. Ein hochrangiger europäischer Vertreter aus dem Verteidigungsbereich nannte den Vorgang laut Reuters ernst: Es sei das erste Mal seit dem Kalten Krieg, dass Russland eine derartige Drohung ausspreche. Ein NATO-Diplomat sprach von einem Einschüchterungsversuch, der das Bündnis nicht von der Unterstützung der Ukraine abbringen werde.

Warum Kaliningrad so heikel ist

Die stark militarisierte Exklave liegt zwischen Polen und Litauen und hat keine Landverbindung zum übrigen Russland. Moskau hat dort unter anderem atomwaffenfähige Iskander-Raketen stationiert. Ganz neu sind russische Warnungen zu Kaliningrad nicht: Bereits im Juli 2025 hatte Kreml-Berater Nikolai Patruschew gegenüber der Agentur Sputnik erklärt, jeder militärische Übergriff würde mit allen Mitteln beantwortet, „wie es die Militärdoktrin und die Grundsätze der nuklearen Abschreckung vorsehen“. Anlass war damals eine Aussage von US-General Christopher Donahue, die NATO habe Pläne, Kaliningrad im Konfliktfall zu neutralisieren.

Eine Region unter Spannung

Die Drohung fällt in eine Phase wachsender Nervosität rund um die Ostsee. Mitte September schossen NATO-Jets über Litauen eine aus Belarus kommende Drohne ab. Litauen hat zudem ein Verfahren gestartet, um das in seiner Verfassung verankerte Verbot der Stationierung von Atomwaffen und ausländischen Militärbasen zu ändern. Europäische Staaten werfen Moskau seit Langem einen hybriden Krieg mit Sabotage und Brandstiftung vor. Russland weist das zurück und erklärt, keinen Angriff auf ein NATO-Land zu planen.

Credits: Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123219163

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