Mit wenigen Klicks nackt gemacht, ohne je gefragt worden zu sein: Eine neue Studie zeigt, wie stark Politikerinnen in der EU von sexualisierten KI-Fälschungen betroffen sind. Unter den Opfern ist auch die grüne EU-Abgeordnete Lena Schilling. Ab Dezember sollen solche Anwendungen EU-weit verboten sein.
138 Frauen, neun Männer
Die Studie stammt von der Organisation Agora Digitale Transformation. Laut der Aussendung der Grünen im EU-Parlament wurden 147 Abgeordnete auf einschlägigen Deepfake-Webseiten identifiziert, 138 davon Frauen. Wie das Portal ad-hoc-news berichtet, stammen die Betroffenen aus 22 EU-Mitgliedstaaten. Die Untersuchung beschränkt sich also nicht auf das Europäische Parlament. Laut Schilling sind Frauen in der Politik 33-mal häufiger betroffen als Männer.
„Man hat uns gegen unseren Willen ausgezogen“
Schilling machte ihre eigene Betroffenheit öffentlich. „Ich bin eine von 138 betroffenen weiblichen Abgeordneten“, sagte sie laut der Aussendung ihrer Fraktion. „Man hat uns gegen unseren Willen ausgezogen. KI verstärkt Gewalt gegen Frauen, und deshalb braucht es politische Entscheidungen, die uns schützen. Das kann nicht die neue Normalität werden.“ Die Situation mache sie wütend, „für mich, aber auch für jede junge Frau, die sich fragt, ob sie überhaupt in die Politik gehen will“.
Verbot ab 2. Dezember
Ab 2. Dezember gilt in der EU ein Verbot sogenannter Nudifier, also von KI-Anwendungen, mit denen sich ohne Zustimmung der Betroffenen sexualisierte Bilder von Menschen erstellen lassen. Die Grünen fordern, dass dieses Verbot konsequent durchgesetzt wird. Fraktionschefin Terry Reintke nennt die Ergebnisse der Studie „erschütternd und ein weiteres Alarmzeichen, dass wir dringend wirksame Schutzmaßnahmen vor digitaler Gewalt brauchen“. Die Mitgliedstaaten müssten das Verbot umsetzen, Tech-Unternehmen müssten Nacktbilder und Videos „sehr viel einfacher und schneller“ von ihren Plattformen nehmen. Und: „Die Verantwortung für ein Ende digitaler Gewalt kann nicht bei den Betroffenen liegen, es braucht ausreichend ausgestattete Behörden.“
Ein Problem weit über die Politik hinaus
Politikerinnen sind nur ein besonders sichtbarer Teil des Problems. Anwendungen, die aus normalen Fotos per KI Nacktbilder erzeugen, sind seit einigen Jahren frei im Netz verfügbar und werden auch gegen Privatpersonen eingesetzt, bis hin zu Schülerinnen. In Österreich plant Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) im Zuge der Reform des Sexualstrafrechts, auch Deepfakes rechtlich neu zu bewerten; eine Arbeitsgruppe dazu soll bis Jahresende Ergebnisse vorlegen.
Hinweis: Wer von digitaler Gewalt betroffen ist, findet in Österreich Hilfe unter anderem bei der Frauenhelpline gegen Gewalt unter 0800 222 555 (kostenlos, rund um die Uhr) sowie bei der Beratungsstelle #GegenHassimNetz der ZARA.
Credits: Parlamentsdirektion/ Ulrike Wieser
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