Wallner reiht sich ein: Immer mehr ÖVP-Landeschefs gehen auf Distanz zu Ruck

Wallner reiht sich ein: Immer mehr ÖVP-Landeschefs gehen auf Distanz zu Ruck

Nach tagelangem Schweigen aus dem Wiener Wirtschaftsbund meldet sich nun auch Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) kritisch zu Wort. Der Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz spricht von einem „chaotischen“ Bild – vermeidet aber eine direkte Rücktrittsforderung.

Schweigen im eigenen Bundesland

Nach einer Sitzung des Wiener ÖVP-Wirtschaftsbundes am Mittwoch, mutmaßlich im niederösterreichischen Schloss Hernstein, blieb es zur Causa des eigenen Präsidenten Walter Ruck auffällig still. Umso lauter meldeten sich in der Zwischenzeit Stimmen aus anderen Landesparteien zu Wort.

Wallners deutliche, aber gezielt vorsichtige Kritik

In Interviews mit den „Vorarlberger Nachrichten“, der „Kleinen Zeitung“, den „Oberösterreichischen Nachrichten“ und den „Salzburger Nachrichten“ erklärte Wallner, „alles miteinander“ wirke „sehr chaotisch“. Es ergebe sich „kein gutes Bild“, der Volkspartei helfe die Causa „überhaupt nicht“. Auf die direkte Frage, ob Ruck noch tragbar sei, hielt sich Wallner allerdings bewusst zurück: „Das wäre ein intensiver Zuruf aus dem Westen in den Osten. Den würde ich mir nicht erlauben.“ Auch eine explizite Rücktrittsforderung wollte er nicht aussprechen: „Ich sehe es nicht als meine Aufgabe, ihn aus Vorarlberg zum Rücktritt aufzufordern. In so einer Situation muss jeder selbst wissen, was zu tun ist.“ Zu den Auswirkungen auf die Bundespartei wurde er aber deutlicher: „Spätestens wenn man sieht, dass Feuer am Dach ist, kann man sich erwarten, dass der Betroffene selbst die richtige Reaktion setzt, zum Wohle von Partei und Wirtschaftskammer.“

Rucks Strategie: Aussitzen statt Aufklären

Ruck selbst bleibt derweil bei seiner bisherigen Linie und schweigt weiterhin zu den kolportierten Aussagen. Wie mehrere Medien unter Berufung auf sein Umfeld berichten, will er nun offenbar einige Wochen „auf Tauchstation“ gehen, um anschließend intern die Wogen zu glätten – vorausgesetzt, diese Strategie geht angesichts der wachsenden Kritik überhaupt auf. Als einzige verlässliche Stütze innerhalb der Volkspartei gilt weiterhin sein eigener Wiener Wirtschaftsbund. Von den übrigen Landes-Wirtschaftskammern und -Wirtschaftsbünden gab es bislang zumindest keine offene Kritik am jeweiligen Wiener Pendant.

Irritation über Rückendeckung aus der SPÖ

Auffällig bleibt in der causa auch die Rolle von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), der Ruck als einziger namhafter Spitzenpolitiker bislang offen den Rücken stärkt – im Gegensatz etwa zu mehreren ÖVP-Landeshauptleuten. Beide gelten als gut vernetzt. „Diese Deckung aus der SPÖ ist sehr irritierend“, ist in ÖVP-Kreisen zu hören. Nicht die gesamte SPÖ zieht dabei an einem Strang: Frauenministerin und SPÖ-Frauenchefin Eva-Maria Holzleitner positionierte sich in einem Statement an die APA deutlich anders als der Bürgermeister: „Das Konzept von ‚exklusiven Herrenrunden‘ zeugt von einem verstaubten Politikverständnis, das im Jahr 2026 nichts mehr zu suchen hat.“ Gleichstellung sei Pflicht, gerade Personen des öffentlichen Lebens treffe dabei eine besondere Verantwortung.

Erste Austritte und eine mögliche Nachfolgeplanung

Berichten zufolge soll es im Wirtschaftsbund bereits erste Austritte geben, weil der Unmut über Ruck und dessen Amtsverständnis unter den Mitgliedern zunehme. Zudem soll sich dem Vernehmen nach eine kleine Gruppe aktueller und ehemaliger Wiener Wirtschaftsbundfunktionäre bereits mit der Organisation einer möglichen Nachfolge befassen.

Ein Kollateralschaden für die eigenen Kritiker

Bemerkenswert ist eine politikwissenschaftliche Einschätzung, die zuletzt ebenfalls die Runde machte: Demnach würden in der Affäre nicht nur Ruck selbst, sondern auch jene Personen beschädigt, die öffentlich seinen Rücktritt fordern, ohne dass dieser bislang erfolgt ist – darunter Bundeskanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker sowie WKÖ-Präsidentin Martha Schultz, die zugleich Bundeschefin des einflussreichen ÖVP-Wirtschaftsbundes ist.

Credits: Christian Skalnik, WKW

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