VW-Sparhammer: Modellpalette wird um die Hälfte gekürzt

VW-Sparhammer: Modellpalette wird um die Hälfte gekürzt

Volkswagen-Chef Oliver Blume hat seinen lang erwarteten Sanierungsplan vorgelegt – und der hat es in sich: Bis zu die Hälfte aller Fahrzeugmodelle soll wegfallen, die Ausstattungsvielfalt sogar um drei Viertel schrumpfen. Konkrete Zahlen zu Werksschließungen und Stellenabbau blieb der Konzern hingegen schuldig.

Der Aufsichtsrat billigt den „Zukunftsplan“

Am Donnerstagabend präsentierte Blume dem Aufsichtsrat des Wolfsburger Autobauers sein Konzept für die kommenden Jahre. Wie der Tagesspiegel berichtet, kündigte der Konzernchef nach der Sitzung an: „Wir machen den Volkswagen-Konzern schneller, robuster und wettbewerbsfähiger: durch weniger Komplexität, fokussierte Technologien, eine noch stärkere Ausrichtung von Produkten, Entwicklung und Produktion in den regionalen Märkten, den Abbau von Überkapazitäten, ein gestrafftes Beteiligungsportfolio und deutlich schlankere Strukturen.“ Laut dem Wirtschaftsportal Goldesel.de billigte der Aufsichtsrat den Spar- und Renditeplan grundsätzlich, vertagte die konkreten Entscheidungen zu Werksschließungen und Stellenabbau aber auf später.

Weniger Autos, weniger Varianten

Konkret wurde der Konzern vor allem bei der Modellpalette: Diese soll laut Finanzvorstand Arno Antlitz um bis zu 50 Prozent reduziert werden, die Zahl der Ausstattungsoptionen sogar um bis zu 75 Prozent. „Diese Handlungsbedarfe werden in dem vorgelegten Zukunftsplan adressiert“, erklärte Antlitz laut t-online. „Dabei kommt es entscheidend auf die rasche und konsequente Umsetzung an.“ Auch bei der Produktionsmenge schraubt Volkswagen deutlich zurück: Statt der zwölf Millionen Fahrzeuge vor der Corona-Pandemie sollen künftig nur noch neun Millionen Autos pro Jahr vom Band laufen.

Schweigen zu Werken und Jobs – trotz brisanter Medienberichte

Zu konkreten Werksschließungen und Personalabbau äußerte sich der Konzern nach der Sitzung bewusst nicht – diese Details sollen erst nach der Sommerpause im Aufsichtsrat verhandelt werden. Genau das sorgt für Unruhe: Laut dem Wirtschaftsmagazin „Auto Motor und Sport“ unter Berufung auf das Manager Magazin könnten bis zu 100.000 Stellen wegfallen, rund 15 Prozent der weltweiten Belegschaft. Zur Debatte stehen demnach mittelfristige Schließungen von vier deutschen Werken – Hannover, Zwickau, Emden und das Audi-Werk in Neckarsulm. Diese Standorte beschäftigen derzeit zusammen rund 40.000 Mitarbeiter. Eine Schließung wäre laut den Berichten frühestens nach Auslaufen der aktuellen Modelle möglich, also nicht vor 2030.

Belegschaft geht auf die Barrikaden

Die Ankündigungen sorgten bereits im Vorfeld der Sitzung für heftigen Protest. Wie das ZDF berichtet, versammelten sich an mehr als einem Dutzend Standorten Beschäftigte zu Kundgebungen – allein in Wolfsburg kamen rund 500 Menschen direkt vor dem Vorstandshochhaus zusammen, in dem der Aufsichtsrat tagte. Betriebsratschefin Daniela Cavallo zeigte sich nach der Sitzung verärgert und forderte von Blume noch am Freitag klare Aussagen zur Zukunft der Standorte. IG-Metall-Chefin Christiane Benner warnte gemeinsam mit weiteren Betriebsratsvertretern in einer Stellungnahme: Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und die Standorte seien „unverantwortliche Drohungen“ – sollten solche Pläne vorangetrieben werden, wolle man sie „mit aller Macht verhindern“.

Warum der Konzern überhaupt sparen muss

Hintergrund des rigorosen Sparkurses sind laut mehreren Wirtschaftsmedien handfeste strukturelle Probleme: Volkswagen leidet unter einem schwächelnden China-Geschäft sowie drohenden US-Zöllen, die den Konzern jährlich schätzungsweise rund fünf Milliarden Euro kosten könnten. Bereits Ende 2024 hatte der Konzern mit dem Betriebsrat einen Abbau von 50.000 Stellen vereinbart – Blumes neuer Plan würde diese Zahl nun deutlich übertreffen. Bis wann und in welchem Ausmaß tatsächlich Werke schließen und Stellen wegfallen, soll erst in den kommenden Monaten entschieden werden.

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x