Erstmals seit acht Jahren ist wieder ein ägyptischer Außenminister zu Gesprächen nach Österreich gereist. Bei seinem Arbeitsbesuch in Wien unterzeichneten Beate Meinl-Reisinger (NEOS) und ihr Amtskollege Badr Abdelatty gleich zwei Abkommen – und einigten sich auf eine tiefere Zusammenarbeit gegen Schlepperkriminalität.
Ein Treffen mit Tradition
Für Meinl-Reisinger war es bereits das vierte Zusammentreffen mit Abdelatty innerhalb eines Jahres – zuletzt hatten sich die beiden Außenminister im November in Kairo getroffen. „Ägypten ist für Österreich ein zentraler Partner in Wirtschaft, Kultur, Migration sowie in internationalen Krisen“, betonte die Außenministerin bei der gemeinsamen Pressekonferenz in Wien. Wie EgyptToday berichtet, war der Termin zugleich die erste Runde politischer Konsultationen im Rahmen eines entsprechenden Mechanismus, den beide Länder bereits im Juni 2025 in Kairo vereinbart hatten.
Neue Direktflüge zwischen Österreich und Ägypten
Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Unterzeichnung eines neuen Luftverkehrsabkommens, das künftig zusätzliche Direktflugverbindungen zwischen beiden Ländern ermöglichen soll. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Mehr als 150.000 Österreicherinnen und Österreicher verbringen laut Meinl-Reisinger jährlich ihren Urlaub in Ägypten, gerade in der Ferienzeit sei die bessere Anbindung daher von großer Bedeutung. Zusätzlich unterzeichneten das Kunsthistorische Museum und der ägyptische Supreme Council of Antiquities eine Absichtserklärung für gemeinsame Ausstellungen und wissenschaftliche Kooperationen.
„Hier gewinnen alle“: Die Migrationspartnerschaft
Zentraler Programmpunkt war die Zusammenarbeit im Kampf gegen illegale Migration und Schlepperkriminalität. Beide Länder wollen ihre Kooperation auf Basis des bestehenden Migrations- und Mobilitätsabkommens weiter ausbauen. Wie Meinl-Reisinger betonte, gehe es dabei vereinfacht gesagt darum, dass sich Menschen gar nicht erst auf gefährliche Bootsrouten übers Mittelmeer begeben. Die Zahlen zeigten bereits Wirkung: Im vergangenen Jahr habe es erstmals mehr Abschiebungen als Neuankünfte gegeben. Abdelatty selbst brachte die Kooperation auf eine prägnante Formel: „Hier gewinnen alle: Wir bekämpfen die illegale Migration und schließen gleichzeitig die Lücke auf dem österreichischen und europäischen Arbeitsmarkt.“ Wie EgyptToday berichtet, schlug der ägyptische Außenminister zudem vor, ein eigenes Abkommen für die Organisation legaler, saisonaler Arbeitsmigration auszuarbeiten – als mögliches Vorbildmodell für andere Länder.
Wachsende Wirtschaftsbeziehungen
Auch wirtschaftlich zieht die Partnerschaft an: Österreichische Exporte nach Ägypten erreichten 2025 laut Meinl-Reisinger mit 308 Millionen Euro einen neuen Höchststand, womit das Land nach Österreichs Exportstatistik die zweitwichtigste Destination in Afrika darstellt. Mehr als 500 österreichische Unternehmen sind mittlerweile regelmäßig in Ägypten aktiv. Abdelatty wiederum warb bei dem Treffen um stärkere Investitionsanreize für österreichische Firmen, etwa in der Wirtschaftssonderzone rund um den Suezkanal sowie im Bereich grüner Wasserstoff und erneuerbarer Energien.
Gaza, Iran und die Rolle Ägyptens als Vermittler
Breiten Raum nahm bei der Pressekonferenz auch die Lage im Nahen Osten ein. Meinl-Reisinger bezeichnete die anhaltende Blockade humanitärer Hilfslieferungen nach Gaza als „inakzeptabel“ und forderte, sowohl die Hamas müsse zur Waffenabgabe bereit sein als auch Israel zum Rückzug. Abdelatty verwies auf die aus seiner Sicht „katastrophale humanitäre Lage“ im Gazastreifen und kritisierte, dass die Zahl der einfahrenden Hilfslastwagen weiterhin unter dem im US-Friedensplan vereinbarten Niveau liege. Beide Minister bekräftigten zudem die Bedeutung einer Deeskalation im Iran-Krieg – insbesondere mit Blick auf die Straße von Hormuz, deren Blockade laut Abdelatty kein Staat rechtfertigen dürfe.
Auch Rosenkranz empfängt den ägyptischen Gast
Neben dem Außenamt suchte Abdelatty in Wien auch das Gespräch mit der Parlamentsspitze: Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) empfing den ägyptischen Außenminister zu einem gesonderten Austausch, wie aus der Parlamentskorrespondenz hervorgeht. Dabei ging es unter anderem um Ausbildungskooperationen sowie um die Rolle Ägyptens bei der Grenzsicherung zum Mittelmeer. Abdelatty berichtete laut Parlamentskorrespondenz, sein Land beherberge derzeit rund zehn Millionen Flüchtlinge, die dort ähnlich wie ägyptische Staatsbürger versorgt und ausgebildet würden.
Credits: BKA, Andy Wenzel
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