Villach ist seit Jahrzehnten rot – und 2021 war es so deutlich wie lange nicht. Vor der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl 2027 bringen sich die Herausforderer in Stellung. ÖVP-Stadtrat Christian Pober setzt auf Wohnen und Infrastruktur, FPÖ-Kandidat Erwin Baumann will Bürgermeister Günther Albel in eine Stichwahl zwingen. Für die SPÖ geht es um ihre absolute Mehrheit.
Die Ausgangslage
Die Latte liegt hoch. Bei der Gemeinderatswahl im Februar 2021 erreichte die SPÖ laut dem amtlichen Endergebnis der Stadt Villach 51,35 Prozent, das bedeutete laut 5min.at 25 der 45 Mandate. Die FPÖ kam auf 15,11 Prozent und sieben Sitze, die ÖVP auf 13,46 Prozent und sechs Mandate. Knapp dahinter landete die Liste “Verantwortung Erde” mit 11,46 Prozent, sie nahm der ÖVP damals einen Sitz in der Stadtregierung ab, wie oe24 berichtete. Die Grünen erreichten 5,04 Prozent. Bei der gesonderten Bürgermeisterwahl gewann Albel laut Stadt Villach mit 60,25 Prozent klar, Baumann kam auf 15,18 Prozent, die damalige ÖVP-Kandidatin Katharina Spanring auf 12,82 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag allerdings nur bei rund 54 Prozent.
Pober setzt auf Wohnen und Kontrolle
ÖVP-Stadtparteiobmann Christian Pober will vor allem mit konkreten Forderungen punkten. Anlässlich einer angekündigten Investition des Halbleiterkonzerns Infineon verlangt er laut ÖVP eine vorausschauende Planung für Wohnraum, Kinderbetreuung und Verkehr. Bei geplanten Wohnungen fordert er nachvollziehbare Angaben zu Bezugsterminen, Förderanteilen und tatsächlichen Wohnkosten. Ein jährlicher Bericht zu Standort und Lebensqualität soll zudem dokumentieren, wie sich Wohnkosten, Betreuungsangebote, Verkehr und Leerstand in der Innenstadt entwickeln. Pober sitzt laut ÖVP seit 2017 in der Stadtregierung und ist laut Stadt Villach unter anderem für Gewerbe, Veranstaltungen, Tourismus, Märkte und Fachhochschulen zuständig. Im Juni wurde er mit 95,5 Prozent als Stadtparteiobmann bestätigt, wie 5min.at berichtete.
Die FPÖ zielt auf die Stichwahl
Die FPÖ schickt erneut Erwin Baumann ins Rennen, laut der Partei bestätigte sie ihn einstimmig als Spitzen- und Bürgermeisterkandidaten. Sein erklärtes Ziel: Albel unter 50 Prozent zu drücken und eine Stichwahl zu erzwingen. Bei 60 Prozent für den Amtsinhaber 2021 ist das ein ehrgeiziges Vorhaben. Über das Bürgermeisteramt entscheiden die Wähler in Kärnten in einer eigenen Direktwahl, unabhängig von den Mehrheiten im Gemeinderat. Selbst wenn die SPÖ ihre absolute Mehrheit verliert, wäre eine Zusammenarbeit der anderen Parteien keineswegs automatisch – sie müsste erst politisch vereinbart werden.
Die Wahlkarten-Causa
Ein Kapitel aus Albels Amtszeit dürfte im Wahlkampf erneut zur Sprache kommen. Bei der Bundespräsidenten-Stichwahl 2016 wurden in Villach Briefwahlstimmen unter rechtswidrigen Bedingungen und zu früh ausgezählt. Albel war als Bürgermeister Leiter der Bezirkswahlbehörde, berichtete 5min.at. Im Juli 2018 verurteilte ihn das Landesgericht Klagenfurt wegen falscher Beurkundung im Amt zu einer Geldstrafe von 14.000 Euro, wie der ORF berichtete. Albel nahm das Urteil an und lehnte Rücktrittsforderungen ab, wie die “Salzburger Nachrichten” berichteten. 2021 einigte er sich laut ORF in einem Zivilverfahren zudem auf eine Schadenersatzzahlung von 36.000 Euro an die Republik. Die Aufhebung der Stichwahl durch den Verfassungsgerichtshof ging allerdings auf Rechtswidrigkeiten in mehreren Bezirken zurück, eine Manipulation des Ergebnisses stellte das Höchstgericht in seinem Erkenntnis nicht fest.
Gemeinsames Budget, getrennter Wahlkampf
Für die Herausforderer gibt es eine Schwierigkeit: Den Budgetvoranschlag 2026 haben SPÖ, FPÖ, ÖVP und Grüne gemeinsam beschlossen, wie 5min.at unter Berufung auf die Stadt berichtete. Wer sich im Wahlkampf von der Stadtpolitik abgrenzen will, muss das deshalb an konkreten Entscheidungen und eigenen Vorschlägen festmachen. Eine Stellungnahme der SPÖ Villach zu den Forderungen der Herausforderer liegt bisher nicht vor. Entscheiden werden die Villacher 2027.
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