In Villach möchte Christian Pober Bewegung in die politischen Verhältnisse bringen. Eine ambitionierte Aufgabe: Wer eine absolute Mehrheit aufbrechen will, muss zuerst einmal dafür sorgen, dass die Amtsinhaber ihre Sessel nicht für einen Bestandteil der Stadtverfassung halten.
Vielleicht braucht Villach deshalb einen Elefanten im Porzellanladen – ein Enfant terrible, der im Rathaus ordentlich aufmischt. Denn wer die rote Absolute für unantastbar hält, verwechselt Demokratie mit Denkmalschutz.
Vom Klassenzimmer in den politischen Ring
Als ehemaliger Lehrer und Erzieher bringt Pober beste Voraussetzungen fürs Rathaus mit: Er kennt Ausreden, kann mit Trotzphasen umgehen und weiß, dass die Lautesten nicht unbedingt am besten verstanden haben, worum es geht. Nur eines dürfte neu sein: Im Gemeinderat verteilen alle ihre Einser selbst – und bei den Fünfern war’s der Koalitionspartner.
Nun soll aus dem Pädagogen ein politisches Schwergewicht werden. Im Ring wartet Langzeit-Bürgermeister Günther Albel. Wobei politische Gewichtsklassen bekanntlich erst am Wahlabend festgestellt werden. Davor erklären sich vorsichtshalber alle selbst zum Favoriten.
Ob ÖVP-Bezirksgeschäftsführer Otto Leipold seinen Spitzenkandidaten in Wahlkampfform bringt, bleibt offen. Die Trainingsvorgabe ist klar: an Türen klopfen, an Sesseln sägen.
10.000 Stunden – jetzt wird zurückgerechnet
Mit dem angekündigten Programm „Innenstadt Villach 2030“ legt die ÖVP die Messlatte jedenfalls hoch: 10.000 zusätzliche Innenstadtstunden pro Tag sollen es werden. Mehr Menschen sollen kommen, einkaufen, arbeiten und bleiben.
Das klingt nach Aufbruch. Und ein bisschen nach einer Mathematikschularbeit.
Zählen zehn Menschen, die eine Stunde im Café sitzen, als zehn Innenstadtstunden? Werden Gemeinderatssitzungen angerechnet? Und falls jemand eine halbe Stunde nach einem Parkplatz sucht: Ist das bereits Wirtschaftsförderung?
Die Idee dahinter ist vernünftig: Eine Innenstadt braucht Menschen, Geschäfte und Gründe, wiederzukommen. Für die Bürger wird allerdings entscheidend sein, ob am Ende mehr Leben zwischen den Häusern herrscht – oder bloß mehr Stunden in einer Präsentation stehen.
Drei Herausforderer, eine rote Rechenaufgabe
Könnten ÖVP, FPÖ und Liste ERDE gemeinsam die SPÖ-Absolute brechen? Denkbar wäre es. Ein gemeinsamer Gegner ergibt allerdings noch kein gemeinsames Programm. Spätestens wenn es darum geht, wer wo parken darf, könnte aus der großen Veränderung eine sehr österreichische Arbeitsgruppe werden.
Für Pober liegt die eigentliche Prüfung deshalb zwischen Ankündigung und Umsetzung. Albel herauszufordern ist die erste Runde. Die Villacher davon zu überzeugen, dass danach tatsächlich etwas besser wird, ist der Hauptkampf.
10.000 zusätzliche Innenstadtstunden? Ambitioniert. Für den Anfang würde es reichen, wenn im Rathaus einmal fünf Minuten lang mehr weitergeht als die Kaffeemaschine.
Neueste Kommentare