Fast 90 Euro für ein Formular, das man auch kostenlos abgeben kann: Die Stadt Wien warnt vor einem privaten Online-Dienst, der Kirchenaustritte vermittelt. Allein an zwei Tagen Anfang Oktober sollen mehr als 100 Austrittswillige das Angebot genutzt haben. Dabei kostet der Austritt auf dem Amtsweg wenig bis gar nichts.
Bote statt Behörde
Hinter dem Angebot steht laut oe24 ein Unternehmen mit Sitz in Newark in den USA. Auf einer eigenen Website bietet es an, Austrittserklärungen aus Religionsgemeinschaften an die zuständige Behörde weiterzuleiten, in Wien an das Bezirksamt. Dafür verlangt es 89,90 Euro. Weitere amtliche Gebühren kommen hinzu, etwa 23,10 Euro für eine Bestätigung. Insgesamt kann der Austritt so mehr als 100 Euro kosten.
Der Hinweis im Impressum
Dass es auch billiger geht, erfahren Nutzer laut oe24 nur im Kleingedruckten. Im Impressum heißt es: “Wir sind keine Behörde und keine Religionsgemeinschaft. Wir übermitteln als Bote die von Ihnen unterschriebene Austrittserklärung an die zuständige Behörde. Den Austritt können Sie auch selbst bei der Bezirksverwaltungsbehörde erklären.” Rechtlich ist das Angebot damit nicht verboten. Die Stadt Wien warnt dennoch davor. Eine Anfrage von oe24 an das Unternehmen blieb zunächst unbeantwortet.
So geht es kostenlos
Wer aus der Kirche austreten will, kann das selbst erledigen. Mit der ID Austria ist der Austritt online völlig gratis. Wer persönlich zum Bezirksamt geht, zahlt laut oe24 2,10 Euro für die amtliche Niederschrift. Nur wer zusätzlich Abschriften von Dokumenten braucht, zahlt Bundesgebühren zwischen 11 und 22 Euro. Zuständig ist in Österreich die Bezirksverwaltungsbehörde des Wohnorts, in Wien das jeweilige Bezirksamt.
Fast 387.000 Austritte in fünf Jahren
Das Geschäftsmodell trifft auf einen großen Markt. Die katholische Kirche in Österreich verlor von 2021 bis 2025 laut oe24 386.821 Mitglieder durch Austritte, allein in Wien waren es 74.689. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. In Wien traten heuer bereits 8.294 Menschen aus, im gesamten Vorjahr waren es 9.992. Allein im Oktober waren es 1.009. Mit dem Austritt entfällt auch der Kirchenbeitrag, der für viele ein Grund für den Schritt ist.
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