Impfen in Apotheken: Ärztekammer wirft Schumann “Themenverfehlung” vor

Impfen in Apotheken: Ärztekammer wirft Schumann “Themenverfehlung” vor

Zeckenimpfung beim Apotheker statt beim Hausarzt: Ab Frühjahr 2027 soll das möglich sein. Die Regierung hat das Impfen in Apotheken am Mittwoch in Begutachtung geschickt. Die Ärztekammer reagierte prompt und scharf. Sie spricht von einer “Themenverfehlung” und wirft Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) vor, am eigentlichen Problem vorbeizuregieren.

Was die Regierung plant

Speziell ausgebildete Apotheker sollen künftig gegen FSME, Hepatitis B sowie gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten impfen dürfen, auch in Kombination mit Polio, wie “Heute” berichtet. Geimpft werden dürfen nur Personen ab 14 Jahren, Schwangere sowie Menschen mit Verdacht auf eine akute Erkrankung oder einem erhöhten Impfrisiko sind ausgenommen. Die Apotheker müssen eine spezielle Ausbildung samt Prüfung absolvieren und diese spätestens alle vier Jahre auffrischen. Geimpft wird in einem abgetrennten Bereich, die Impfungen werden im elektronischen Impfpass erfasst. “Unser Ziel ist, den Impfschutz näher zu den Menschen zu bringen”, sagte Schumann. Die ersten Impfungen sollen rechtzeitig zur Zeckensaison 2027 möglich sein.

“Wirtschaftliche Überlegungen der Apotheken”

Für die Ärztekammer ist das der falsche Weg. “Impfen in Apotheken ist Themenverfehlung, Frau Ministerin”, erklärte Präsident Johannes Steinhart. “Es ist ganz offensichtlich, dass hier wirtschaftliche Überlegungen der Apotheken im Vordergrund stehen.” Zudem stellt er die Sicherheit infrage: “Wer leistet die medizinische Hilfe in den Apotheken im Ernstfall?” Auch die Untersuchung vor einer Impfung müsse gewährleistet bleiben.

Das eigentliche Problem: fehlender Impfstoff

Den Kern ihrer Kritik sieht die Kammer woanders. Die Influenza-Impfstoffe seien heuer verspätet in den Ordinationen angekommen. “In den Ordinationen herrscht Frust sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten”, sagte Vizepräsident Edgar Wutscher. “Impfmöglichkeiten gibt es genug, aber wir erhalten nicht zeitnah die Impfstoffe.” Statt neuer Impfstellen fordert die Kammer bessere Lieferungen und ein Erinnerungssystem für Auffrischungsimpfungen, etwa per SMS oder über den elektronischen Impfpass. Bei Masern müsse Österreich wieder die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Impfquote von 95 Prozent erreichen.

Die FSME-Frage

Steinhart zweifelt außerdem am Nutzen. “Es ist zu kurz gedacht, dass durch Impfen in Apotheken die Impfraten gesteigert werden, zumal beispielsweise die FSME-Impfung eine der beliebtesten Impfungen in Österreich ist.” Die Regierung argumentiert dagegen mit dem einfacheren Zugang. Bisher müssen viele Menschen den Impfstoff in der Apotheke kaufen und danach einen Termin beim Arzt ausmachen. NEOS-Staatssekretär Sepp Schellhorn verwies darauf, dass rund jede siebente Eingabe bei der Servicestelle für Entbürokratisierung das Gesundheitswesen betreffe, darunter der wiederkehrende Vorschlag, in Apotheken zu impfen.

Ein alter Streit

Neu ist der Konflikt nicht. Die Ärztekammer hat sich bereits mehrfach gegen das Impfen in Apotheken ausgesprochen, Apotheker fordern es seit Jahren. In vielen anderen europäischen Ländern ist es längst üblich. Bis zum Ende der Begutachtung können alle Seiten ihre Stellungnahmen einbringen. Ob die Regierung den Entwurf danach noch ändert, ist offen.

Credits: Parlamentsdirektion/​David Bohmann

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