Van der Bellen hält Gedenkrede zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag

Van der Bellen hält Gedenkrede zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag

Eine besondere Ehre und eine heikle Aufgabe zugleich: Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird am 15. November im Deutschen Bundestag die Gedenkrede zum Volkstrauertag halten. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame, oft schwierige Geschichte Deutschlands und Österreichs – und der Umgang beider Länder mit ihrer Verantwortung.

Eine Gedenkstunde mit Tradition

Der Volkstrauertag ist in Deutschland der Gedenktag für die Toten von Krieg und Gewaltherrschaft. Die zentrale Gedenkstunde im Bundestag organisiert traditionell der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, wie oe24 berichtet. Dessen Präsident Wolfgang Schneiderhan, früherer Generalinspekteur der Bundeswehr, wird die Gäste begrüßen. Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Schirmherr des Volksbundes, spricht das Totengedenken. Das ZDF überträgt die Veranstaltung ab 13.30 Uhr live.

Von der Verdrängung zur Verantwortung

Warum gerade Van der Bellen? Der Volksbund begründet die Einladung mit der gemeinsamen Geschichte beider Länder. Sowohl Deutschland als auch Österreich hätten den Weg “von der Verdrängung hin zur Übernahme historischer Verantwortung” beschritten. In Österreich dauerte das lange: Erst 1991 bekannte sich mit Franz Vranitzky ein Bundeskanzler im Nationalrat ausdrücklich zur Mitverantwortung von Österreichern an den Verbrechen des Nationalsozialismus. Van der Bellen stehe für “eine Kultur des aufrichtigen Erinnerns” und die Übernahme gemeinsamer Verantwortung für ein friedliches Europa, so der Volksbund.

250.000 österreichische Gefallene

Wie eng die Geschichte beider Länder verflochten ist, zeigt sich auch bei den Kriegsgräbern. Rund 250.000 österreichische Angehörige der Wehrmacht sind laut Volksbund in Europa gestorben. Viele von ihnen, die nach dem sogenannten “Anschluss” Österreichs 1938 die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen mussten, liegen heute auf deutschen Kriegsgräberstätten. Der Volksbund pflegt diese Gräber und betreut sie bis heute.

Eine Familie auf der Flucht

Auch Van der Bellens eigene Geschichte spielt für den Volksbund eine Rolle. Sie sei von europäischer Flucht- und Migrationserfahrung geprägt. Seine Mutter stammte aus Estland, sein Vater aus Russland und hatte niederländische Vorfahren. Nach mehreren Fluchten fand die Familie in Österreich eine neue Heimat, Van der Bellen kam 1944 in Wien zur Welt. Erst vor wenigen Tagen hatte er am Nationalfeiertag erzählt, dass er selbst erst mit 15 Jahren die österreichische Staatsbürgerschaft bekam.

Junge Stimmen

Neben den Reden sollen bei der Gedenkstunde laut Volksbund auch vier junge Erwachsene aus Deutschland und Österreich zu Wort kommen. Sie berichten über ihre Erfahrungen in internationalen Projekten des Volksbundes, etwa bei der Pflege von Kriegsgräbern oder in Begegnungsprogrammen.

Credits: Peter Lechner/HBF

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