Zwei Tage vor dem Equal Pay Day hat Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) ein Beratungsprojekt für mehr Gleichstellung in Unternehmen präsentiert. Ihr eigentliches Anliegen liegt aber woanders: Die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz hätte schon im Juni umgesetzt sein müssen. Österreich ist säumig, und in der Koalition gibt es dafür noch keine Mehrheit.
Drittgrößte Lohnschere der EU
Österreich habe den drittgrößten Gender Pay Gap in der EU, kritisierte Schumann am Dienstag bei einer Pressekonferenz, wie oe24 berichtet. Gemeint ist der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen von Frauen und Männern. Der Equal Pay Day markiert jenen Tag, ab dem Frauen statistisch gesehen bis Jahresende gratis arbeiten, weil sie im Schnitt weniger verdienen. Heuer fällt er auf den 5. November.
Zehn Millionen für Beratung
Das Projekt “100 Prozent – Gleichstellung zahlt sich aus” soll Unternehmen helfen, Ungleichheiten im eigenen Betrieb zu erkennen und zu beseitigen, vor allem bei der Bezahlung. Es läuft von 2023 bis 2028 und kostet zehn Millionen Euro, zwei Drittel kommen aus dem Europäischen Sozialfonds, ein Drittel aus dem Sozialministerium. Bisher wurden laut Projektleiterin Anita Rainer 219 Unternehmen mit rund 76.700 Beschäftigten beraten, Ziel sind mehr als 300, vor allem in der IT und in Green Jobs. Auf die Frage, wie sichergestellt werde, dass nicht nur ohnehin interessierte Firmen mitmachen, antwortete Rainer, dass es in fast jedem Unternehmen Ungleichheit gebe.
Gehalt nach Funktion statt nach Person
Wie das in der Praxis aussieht, schilderten zwei teilnehmende Betriebe. Das Ingenieurbüro Larix erarbeitete ein transparentes Gehaltsschema und bot Coachings für Mitarbeiterinnen an. In der Kaffeerösterei 220Grad stellten die Inhaberinnen durch die Beratung eine Lohnschere im eigenen Betrieb fest. Seither hänge der Lohn nicht mehr von der Person, sondern von Funktion und Aufgaben ab, eine Lohnschere gebe es nicht mehr.
Lohntransparenz: Österreich säumig
Größere Wirkung erhofft sich Schumann von der EU-Lohntransparenzrichtlinie. Sie verpflichtet Unternehmen unter anderem, Gehaltsspannen offenzulegen, und gibt Beschäftigten das Recht zu erfahren, wie viel Kollegen in vergleichbaren Positionen im Schnitt verdienen. Umgesetzt hätte sie bis Juni 2026 sein müssen. Einen Entwurf schickte Schumann im Juni in die Koordinierung der Regierung. Mit den Sozialpartnern konnte sie sich laut oe24 auch nach mehr als 30 Verhandlungsrunden nicht einigen, vor allem die Wirtschaftskammer protestierte. Nun gelte es, die Koalitionspartner ÖVP und NEOS zu überzeugen, sagte Schumann. Mit ihnen sei sie in “permanentem Austausch”.
Warnung vor Strafen aus Brüssel
Schumann warnte erneut vor möglichen Strafen aus einem Vertragsverletzungsverfahren der EU. Ein solches gibt es bisher allerdings noch nicht. Die Kommission leitet solche Verfahren in der Regel erst einige Monate nach Ablauf einer Umsetzungsfrist ein. Kritiker der Richtlinie, allen voran die Wirtschaft, warnen vor zusätzlicher Bürokratie für Betriebe. Wann und in welcher Form die Regeln in Österreich kommen, ist offen.
Credits: BKA/Regina Aigner
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