Eine einzige Explosion im Orbit, und Tausende Satelliten könnten auf einen Schlag ausfallen: Navigation, Kommunikation, Wetterdaten, Zahlungsverkehr. Vor diesem Szenario warnt der Militärgeheimdienst des Pentagon in einem neuen Bericht. Russland entwickle einen Satelliten, der eine Atomwaffe tragen kann. Stationiert ist sie nach Einschätzung der US-Behörde allerdings noch nicht.
“Tausende Satelliten”
Der Bericht der Defense Intelligence Agency (DIA) wurde am Montag veröffentlicht und ist laut dem Portal Minute Mirror der dritte einer Reihe über Bedrohungen im Weltraum. “Russland entwickelt einen Satelliten, der für den Transport einer Nuklearwaffe konzipiert ist, ungeachtet seiner Verpflichtung zur Einhaltung des Weltraumvertrags von 1967”, heißt es darin laut oe24. Eine solche Fähigkeit könne den raschen und plötzlichen Verlust oder die Beeinträchtigung von Tausenden Satelliten verursachen, die Staaten und Unternehmen weltweit betreiben. Der Weltraumvertrag, den auch Russland unterzeichnet hat, verbietet es, Atomwaffen oder andere Massenvernichtungswaffen in eine Erdumlaufbahn zu bringen.
Entwickelt, aber nicht stationiert
Bei aller Dramatik: Die DIA beschreibt eine Entwicklung, keinen Einsatz. Die Behörde habe nicht bestätigt, dass Russland eine Atomwaffe in den Orbit gebracht hat, berichtet das Fachportal The Defense News. Wie Moskau die Waffe einsetzen würde, ist laut Bericht ebenfalls unklar. Denkbar sei sowohl ein dauerhaft im All kreisender Satellit als auch ein Start von der Erde aus. Seit 2024 bringen US-Behörden ein solches Programm mit dem 2022 gestarteten Satelliten Kosmos 2553 in Verbindung, der als Testplattform für nicht-nukleare Komponenten gilt. Moskau hatte die Vorwürfe damals zurückgewiesen, Präsident Wladimir Putin erklärte, Russland sei gegen die Stationierung von Atomwaffen im Weltraum.
Strahlung, die jahrelang bleibt
Die Folgen einer solchen Explosion wären weitreichend. Sie würde einen elektromagnetischen Impuls auslösen, der Satelliten in großem Umkreis beschädigt. “Über die unmittelbaren Auswirkungen hinaus würde eine nukleare Detonation im Weltraum auch anhaltende Strahlungsgürtel hinterlassen, die über Jahre hinweg fortbestehen”, heißt es im Bericht. Diese könnten auch Satelliten zerstören, die zunächst nur vorübergehend gestört waren. Die USA hatten die Wirkung 1962 mit dem Test “Starfish Prime” selbst erfahren, damals fielen mehrere Satelliten aus. Wie abhängig moderne Volkswirtschaften vom All sind, zeigt ein Beispiel aus Großbritannien: Dort hängen laut oe24 rund 18 Prozent der Wirtschaftsleistung von satellitengestützten Diensten ab.
Nicht nur Atomwaffen
Der Bericht beschreibt eine ganze Palette von Bedrohungen, vom Stören von Signalen über Cyberangriffe bis zur Zerstörung von Satelliten. Russland entwickle laut DIA auch eine Waffe, die von einem umgebauten MiG-31-Kampfjet abgeschossen wird und Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen ohne Vorwarnung zerstören soll, berichtet die “Voce di New York”. Auch China baue seine Fähigkeiten aus, etwa mit Lasern und Satelliten mit Greifarmen. Für eine chinesische Atomwaffe im All gebe es laut DIA aber keine Hinweise. Britische Militärs berichteten laut oe24 zudem von russischen Satelliten, die sich westlichen Satelliten bedrohlich näherten, und von wiederholten Störungen von GPS-Signalen über Europa.
Die Welt rüstet im All auf
Die Warnung fällt in eine Phase wachsender Spannungen. Die USA haben laut oe24 bereits eigene Abwehrsysteme im Orbit stationiert, China kritisierte das als Beginn eines neuen Wettrüstens. Großbritannien stellte eine eigene Einheit auf, die feindliche Spionagesatelliten mit Störsendern vom Boden aus vorübergehend blenden kann. Für den Weltraum gilt damit, was auf der Erde längst Realität ist: Die Sicherheitsarchitektur wird neu verhandelt.
Credits: Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123219163
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