Vier Milliarden Dollar für ein neues Werk in Georgia, verkündet auf einer Wahlkampfbühne von Donald Trump: Audis US-Pläne sorgen weiter für Debatten. Nun hat sich NEOS-Europaabgeordneter Helmut Brandstätter eingeschaltet – und erntet auf der Plattform X viel Widerspruch. Seine Kritiker werfen ihm vor, als Liberaler einem Unternehmen vorschreiben zu wollen, wo es investiert.
“Im Wahlkampf missbrauchen lässt”
Brandstätter reagierte am 25. Oktober auf einen Beitrag des Publizisten Ulf Poschardt, der die Ankündigung als Blamage für die deutsche Politik, zugleich aber als Coup für Audi bezeichnet hatte. “Was genau ist großartig daran, wenn ein deutscher CEO Geld in den USA investiert und sich dabei im Wahlkampf missbrauchen lässt. Von einem Präsidenten, der Europa schaden will!”, schrieb Brandstätter laut exxpress. Damit kritisiert er zwei Dinge zugleich: die Investition außerhalb Europas und den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei Trumps Wahlkampfveranstaltung zehn Tage vor den US-Kongresswahlen.
Gegenwind im Netz
Unter dem Posting überwiegt der Widerspruch. Laut einer eigenen Auswertung von exxpress unter rund 240 angezeigten Antworten gibt ihm nur etwa jede zehnte recht. Der Haupteinwand vieler Nutzer: Ausgerechnet ein Vertreter einer liberalen Partei empöre sich darüber, wo ein Unternehmen investiert, ohne Europas eigene Standortprobleme anzusprechen. Ein Unternehmen gehe dorthin, wo es willkommen sei, lautet ein häufiges Argument. Repräsentativ ist eine solche Auszählung allerdings nicht.
Mit seiner Kritik nicht allein
Beim Wahlkampfauftritt steht Brandstätter keineswegs allein. Die Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, hatte Döllners Auftritt als “höchst peinlich, politisch inakzeptabel” bezeichnet. Audis eigener Verhaltenskodex untersagt laut Reuters in den letzten drei Monaten vor Wahlen öffentlich wirksame Termine mit Parteien oder Politikern, die zur Wahl stehen. Auch der VW-Betriebsrat übte scharfe Kritik.
Warum Audi in die USA geht
Die wirtschaftlichen Gründe für das Werk liegen allerdings auf der Hand. Das US-Geschäft sei “heute nicht profitabel”, erklärte Döllner laut exxpress. Bisher importiert Audi alle Autos, die es in den USA verkauft, und wurde von Trumps Zöllen besonders hart getroffen. Im vergangenen Jahr kosteten sie das Unternehmen laut CNBC rund 1,2 Milliarden Euro. Wer in den USA produziert, umgeht diese Abgaben.
Die Standortfrage
Selbst Kritiker des Auftritts stellen deshalb die Frage nach Europa. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) kritisierte Döllners Auftritt, sagte laut exxpress aber auch: “Gleichzeitig müssen wir uns in Deutschland fragen, warum Milliardeninvestitionen in den USA attraktiver sind als bei uns.” Automobilexperte Stefan Bratzel verwies gegenüber ZDFheute auf günstigere Produktionsbedingungen in den US-Südstaaten und warnte: “Wenn sich die Rahmenbedingungen in Deutschland nicht verbessern, müssen wir mit weiterer Abwanderung rechnen.” Eine Reaktion Brandstätters auf die Kritik lag zunächst nicht vor.
Parlamentsdirektion/Thomas Topf
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