Fünf Stunden Krisensitzung, ein Kompromiss mit drei Köpfen und ein Parteichef, der vorerst bleibt: Die Lösung der SPÖ vom Sonntagabend sorgt in den sozialen Medien für Spott. In der Partei beginnt jetzt die formale Umsetzung.
„Das muss enden“
Um 21.19 Uhr trat Andreas Babler am Sonntag gemeinsam mit Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim vor die Presse. „Das muss enden“, sagte er – gemeint war allerdings nicht sein eigener Abgang, sondern die Debatten über den Parteivorsitz. Danach stellte er den Fahrplan vor: Finanzminister Markus Marterbauer soll 2027 Vizekanzler werden, sofern es seine Gesundheit zulässt. Babler bleibt vorerst Parteivorsitzender, unterstützt von Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner und Klubobmann Philip Kucher, die laut Seltenheim später übernehmen sollen. Minister will Babler bleiben: „Das ist auch der Wunsch von Marterbauer.“
Spott auf X und Co.
In den sozialen Medien stößt das Modell vielfach auf Unverständnis. Wie oe24 berichtet, ist in Postings etwa von „Was für ein Hohn“ und „eine typisch österreichische Lösung“ zu lesen, viele Nutzer sehen die SPÖ „am Ende“ und rechnen mit einem weiteren Absturz in den Umfragen. Repräsentativ sind solche Reaktionen nicht, sie zeigen aber, wie der Kompromiss nach außen wirkt. Die Ausgangslage ist ohnehin schwierig: In der jüngsten Lazarsfeld-Umfrage liegt die SPÖ bei 15 Prozent.
Am Donnerstag tagt der Vorstand
Formal ist noch nichts beschlossen. Wie die APA berichtet, lädt die Partei am Montag zu einer Vorstandssitzung ein, die am Donnerstag stattfinden soll. Dort soll die neue Führung aus zunächst drei Personen mit konkreten Schritten eingeleitet werden. Auf dem Papier ändert sich vorerst wenig: Babler bleibt Vorsitzender, und auch Seltenheim behält sein Amt. Eine Änderung in der Parteizentrale sei am Sonntag kein Thema gewesen, hieß es zur APA.
Außerordentlicher Parteitag im Frühling
Für die Partei bedeutet der Kompromiss auch Kosten. Regulär wäre der nächste Parteitag erst 2029 fällig. Angekündigt wurde nun aber, die künftige Spitze bei einem außerordentlichen Parteitag im Frühling 2027 zu wählen, einberufen vom Parteivorstand. Wer dort antritt, ist offen. Medienmanager Gerhard Zeiler hatte sich beworben, Seltenheim sprach nach der Sitzung allerdings davon, dass dieses „Kapitel beendet“ sei.
Credits: Parlamentsdirektion/Thomas Topf
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