KOMMENTAR: Gegen das Patriarchat – außer es hat Migrationshintergrund

KOMMENTAR: Gegen das Patriarchat – außer es hat Migrationshintergrund

Die Linke hat einen klaren Feind: das Patriarchat. Sie bekämpft es im Aufsichtsrat, im Pfarrhof, am Stammtisch und in jeder Werbung, in der eine Frau zu lange am Herd steht. Unermüdlich, zuverlässig, laut. Nur an einer Stelle wird es still. Dort nämlich, wo das Patriarchat einen Migrationshintergrund hat.

Ein Aufruf als Anlass

Jüngstes Beispiel ist ein Text, der gerade in Berlin für Wirbel sorgt. Elif Eralp, Wahlsiegerin der Linken, hat 2020 einen Aufruf unterschrieben, der Migranten als Verbündete gewinnen will, „mit denen wir gemeinsam das kapitalistische System stürzen“. So zitieren ihn die „Ruhrbarone“. Ob der Aufruf an anderer Stelle Frauenrechte anspricht, ist nicht bekannt. Aber er steht für ein Muster, das man kennt: Migranten werden als politische Kraft umworben. Welche Vorstellungen über Frauen, Töchter und Ehre manche von ihnen mitbringen, ist dabei selten ein Thema.

Ein kurzer Blick in die Gesetze

Man muss dafür kein Rechtspopulist sein, nur nachlesen. In Afghanistan dürfen Mädchen unter den Taliban nach der sechsten Klasse nicht mehr in die Schule. In Syrien regelt das Personenstandsrecht, dass Frauen bei Ehe, Scheidung und Erbe weniger Rechte haben als Männer, Polygamie ist legal. Und die Türkei hat sich 2021 aus der Istanbul-Konvention verabschiedet, also aus jenem Abkommen, das Frauen vor Gewalt schützen soll. Das ist keine Stimmungsmache. Das ist geltendes Recht.

Der feministische Kompass mit Einbauschaden

Und jetzt der Trick, den Teile der Linken seit Jahren beherrschen: Sie haben einen Kompass, der zuverlässig nach Unterdrückung zeigt – solange der Unterdrücker Heinz heißt. Heißt er anders, dreht die Nadel. Wie das klingt, konnte man in Österreich vor dem Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 hören. Laut ORF argumentierte eine Vertreterin des Wiener Migrantinnenbildungsvereins Peregrina, das Verbot konstruiere ein Gegensatzpaar von rückständigen, in patriarchalen Denkmustern gefangenen Muslimen und einem auf Gleichberechtigung eingestellten „Restösterreich“. Ein bemerkenswerter Gedanke: Das Problem ist also nicht, dass Zehnjährige ein Kopftuch tragen. Das Problem ist, dass man es benennt. Der Bischof, der keine Priesterinnen will, ist ein Fall für die Talkshow. Der Vater, der seiner Tochter das Kopftuch vorschreibt, ist ein Fall für die Kultursensibilität.

Auch im Parlament

Als der Nationalrat das Verbot im Dezember 2025 beschloss, stimmten ÖVP, SPÖ, NEOS und FPÖ dafür. Nur die Grünen stimmten dagegen. Fairerweise: Sie betonten, das Anliegen zu teilen, und hielten das Gesetz für verfassungswidrig – ein Argument, das nicht aus der Luft gegriffen ist, schließlich hatte der Verfassungsgerichtshof 2020 schon einmal ein Kopftuchverbot gekippt. Aber es bleibt ein Bild hängen: Die Partei, die sich bei jeder Gelegenheit als Stimme der Frauen versteht, stand beim Schutz muslimischer Mädchen als einzige auf der Nein-Seite.

Bezahlt wird anderswo

Die Rechnung für diese Rücksicht zahlen nicht die Unterzeichner von Aufrufen und nicht die Verfasser von Stellungnahmen. Die zahlen Mädchen in Favoriten und Neukölln, die sich gegen ihre Familien stellen müssen und dabei feststellen, dass ausgerechnet jene, die am lautesten „Frauenrechte“ rufen, gerade wegschauen. Frauenrechtlerinnen wie Necla Kelek und Seyran Ateş, beide mit türkischen Wurzeln, sagen das seit Jahren. Ateş steht unter Polizeischutz – bedroht wird sie vor allem aus islamistischen Kreisen.

Fairerweise

Natürlich sind nicht „die Migranten“ patriarchal. Viele sind gekommen, weil sie genau diese Verhältnisse nicht mehr ausgehalten haben. Eralps eigene Eltern flohen vor einem Militärregime. Und gerade das macht die Sache so absurd: Es gäbe in diesen Communitys unzählige natürliche Verbündete für einen ehrlichen Feminismus. Man müsste sie nur ernst nehmen – statt pauschal ganze Gruppen zu Verbündeten zu erklären und die Konflikte in ihnen auszublenden.

Was bleibt

Ein Feminismus, der beim Täter zuerst nach dem Pass fragt, ist keiner. Er ist Gesinnungspflege mit Frauenquote. Wer das Patriarchat nur dort bekämpft, wo es ins eigene Weltbild passt, bekämpft nicht das Patriarchat. Er bekämpft den politischen Gegner. Und die Frauen, um die es gehen sollte, stehen dabei – wieder einmal – allein da.

Credits: Pascal Kuba Koston / Die Linke Berlin

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