SPÖ: Babler bleibt und gewinnt Machtkampf gegen schwache Länderchefs

SPÖ: Babler bleibt und gewinnt Machtkampf gegen schwache Länderchefs

Andreas Babler bekommt zwei Aufpasser, soll das Vizekanzleramt abgeben und will trotzdem Minister bleiben. Nach mehr als vier Stunden Beratung steht ein kurioser Kompromiss: Die SPÖ verteilt Zuständigkeiten und vertagt zentrale Entscheidungen. Für Gerhard Zeiler könnte sich damit eine Chance eröffnen.

Dann also weißer Rauch. Doch das Ergebnis vom Sonntagabend wirkt wie eine mühsam ausgehandelte Zwischenlösung. Die neun Landesparteichefs haben Bablers unmittelbare Ablöse nicht durchgesetzt. Er bleibt vorerst im Amt, während andere die Parteigeschäfte übernehmen sollen.

Babler hat seinen sofortigen Abgang verhindert. Die Landeschefs müssen erklären, weshalb dieser Kompromiss die SPÖ aus ihrer Krise führen soll.

Zwei Aufpasser für den Parteichef

Nach der angekündigten Übergangslösung bleibt Babler bis zum Jahreswechsel Parteivorsitzender und Vizekanzler. Bereits ab Montag sollen Klubchef Philip Kucher und Ministerin Eva-Maria Holzleitner als geschäftsführende Obleute die Parteigeschäfte übernehmen. Anfang 2027 soll das Duo die Führung vollständig übernehmen und den Parteitag organisieren.

Politisch betrachtet bekommt Babler damit zwei Aufpasser: Er behält vorerst den Titel, während andere den Betrieb führen. Wenn Kucher und Holzleitner die Partei ohnehin steuern müssen, weshalb braucht es ihn dann noch als Vorsitzenden? Und wer entscheidet bei Meinungsverschiedenheiten?

Marterbauer soll Vizekanzler werden – Parteiführung offen

Finanzminister Markus Marterbauer soll laut Babler 2027 das Vizekanzleramt übernehmen. Der genaue Termin hängt von seinem Genesungsfortschritt ab. Ob Marterbauer auch Parteichef werden soll, war am Sonntagabend offen.

Dass seine Gesundheit Vorrang hat, versteht sich von selbst. Klare Zuständigkeiten in der Partei müssen trotzdem jene schaffen, die diesen Kompromiss beschlossen haben. Der Wechsel im Vizekanzleramt beantwortet schließlich noch nicht die Frage nach der langfristigen SPÖ-Führung.

Babler klammert sich an den Ministerposten

Sein Ministeramt und ein hohes Gehalt will Babler behalten. Das entspreche Marterbauers Wunsch, erklärte er. Der angekündigte Rückzug wirkt damit ausgesprochen halbherzig: Verantwortung abgeben, aber weiterhin am Regierungstisch sitzen.

Auch die hohe Bezahlung macht das Festhalten am Amt zum Thema. Dass das Gehalt Bablers persönliche Motivation ist, lässt sich allerdings nicht belegen. Entscheidend bleibt: Welche politische Aufgabe rechtfertigt seinen Verbleib nach der Übergabe?

Babler selbst deutet sein Durchhalten als Stärke: „Ich weiß, dass ich auch viel Respekt gezollt bekomme: Auch wenn der Wind stark weht, zu stehen.“ Standfestigkeit allein beantwortet jedoch nicht, wie die Partei Vertrauen zurückgewinnen soll.

Ein Kompromiss, der das Chaos verlängern könnte

Babler verlangt eine „handlungsfähige“ SPÖ ohne „Selbstbeschäftigung“. Die ständigen Vorsitzdebatten müssten enden: „Das muss enden.“ Gleichzeitig lobte er die Regierungsarbeit, etwa bei der Inflationsbekämpfung.

Doch die neue Konstruktion liefert Stoff für weitere Konflikte: ein formeller Vorsitzender, zwei geschäftsführende Obleute, ein späterer Vizekanzlerwechsel und eine offene langfristige Nachfolge.

Das Ergebnis vermittelt den Eindruck, dass Bablers Festhalten an seinen Funktionen den Spielraum seiner Kritiker erheblich eingeschränkt hat. Diese tragen nun eine Lösung mit, deren Erfolg sie erst beweisen müssen.

Das feige Element liegt im Ausweichen: Wer einen Führungswechsel für notwendig hält, muss ihn durchsetzen oder erklären, weshalb er den bisherigen Vorsitzenden weiter unterstützt. Die Landeschefs tragen die Verantwortung für diese Zwischenlösung.

Droht der Absturz Richtung zehn Prozent?

Wer auf einen glaubwürdigen Neustart gehofft hatte, bekommt offene Personalfragen und komplizierte Zuständigkeiten. Das könnte weiteren Rückhalt kosten.

Bleibt die SPÖ mit sich selbst beschäftigt, könnte auch ein Abrutschen in Richtung zehn Prozent bei künftigen Umfragen zum Szenario werden. Das ist keine durch aktuelle Umfragedaten belegte Prognose, sondern eine zugespitzte Einschätzung des politischen Risikos.

Die Menschen erwarten Antworten auf ihre Probleme. Eine vertagte Führungskrise schafft dafür wenig Vertrauen.

Zeilers Chance: Programm, Mannschaft und Reformen

Für Gerhard Zeiler könnten die nächsten drei bis vier Monate eine Chance bieten: ein überzeugendes Programm vorlegen, ein Team aufstellen und konkret zeigen, wie er die SPÖ aus der Krise führen würde.

Dazu müsste er beantworten, wofür die Sozialdemokratie künftig steht, welche Reformen nötig sind und wie eine zerstrittene Partei wieder handlungsfähig wird. Seine Managementerfahrung könnte bei klaren Zuständigkeiten, verbindlichen Zielen und neuen Strukturen helfen.

Die SPÖ braucht eine Führung, die Krisen bewältigen, Entscheidungen treffen und Veränderungen rasch umsetzen kann. Eine Partei lässt sich allerdings nicht wie ein Unternehmen führen. Zeiler müsste ebenso politisches Gespür beweisen und das Vertrauen der Mitglieder gewinnen.

Während die Parteispitze ihren Übergang organisiert, könnte er eine konkrete Alternative entwickeln – mit Programm, Mannschaft und einem klaren Plan für die ersten hundert Tage.

Babler hat seinen sofortigen Abgang verhindert. Die Landeschefs haben die endgültige Entscheidung vertagt. Zeiler könnte diese Zeit nutzen, um zu zeigen, dass er mehr anzubieten hat als eine weitere Personaldebatte.

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