Einen Tag vor dem entscheidenden Treffen der SPÖ-Spitzen geht Gerhard Zeiler einen Schritt weiter. Der Medienmanager, der bisher vor allem über Zeitungsinterviews und TV-Auftritte für sich warb, hat eine eigene Kampagnenwebsite gestartet und soll nun auch auf soziale Medien setzen. Das deutet auf ein Szenario hin, das Teile der Partei eigentlich vermeiden wollen: eine Abstimmung unter den Mitgliedern.
Von Interviews zu Facebook
Bisher war der 71-Jährige auf Facebook und anderen Plattformen nicht präsent. Seine Bewerbung lief über klassische Kanäle: Interviews in Zeitungen, Auftritte in „ZiB2“ und oe24.TV, ein Gastkommentar im „profil“. Laut oe24 ist er nun auch in sozialen Netzwerken zu finden. Der Hintergrund liegt nahe: Wer sich auf eine Mitgliederbefragung vorbereitet, muss die Basis direkt erreichen, nicht nur die Funktionäre.
Die Website: Ottakring statt Konzernzentrale
Auf seiner neuen Seite gerhardzeiler.info stellt sich Zeiler unter dem Leitsatz „Vernunft stärken. Extreme verhindern.“ vor, als jemand, der „seit mehr als 50 Jahren Mitglied der SPÖ“ ist. Die Seite setzt auf Herkunft statt auf Karriere: Schwarz-Weiß-Fotos des Großvaters aus dem Jahr 1955, ein Bild aus dem Bundeskanzleramt, der Hinweis auf eine Wohnung in Ottakring „ohne eigenes Badezimmer“. Dazu Kreiskys Formel „Leistung, Aufstieg, Sicherheit“. Von seinen Jahren an der Spitze internationaler Medienkonzerne ist auf der Startseite dagegen kaum etwas zu lesen.
Der offene Brief im Wortlaut
Zentral ist der offene Brief an die „Genossinnen und Genossen“, der auf der Seite vollständig veröffentlicht ist. „Die SPÖ ist auf dem Weg, bundespolitisch irrelevant zu werden“, schreibt Zeiler, „Umfragen sehen uns bei 15 % mit Tendenz nach unten und in realer Gefahr, sogar von den Grünen überholt zu werden.“ Er verweist auf die Landtagswahlen in Oberösterreich, Tirol, Kärnten, Salzburg und Niederösterreich, bei denen die SPÖ in den nächsten zwei Jahren ohne Rückenwind aus dem Bund „zwischen Schwarz und Blau zerrieben“ zu werden drohe. Babler nennt er nicht beim Namen. Deutlicher wird er dafür bei der FPÖ: Ohne eine starke Sozialdemokratie drohe Österreich, was „das Vorbild von Herbert Kickl – Viktor Orbán – in 16 Jahren aus Ungarn gemacht hat: ein ärmeres, ungerechtes und korruptes Land“.
Parteitag oder Mitglieder – beides recht
Zum Verfahren legt sich Zeiler im Brief bewusst nicht fest: „Bitte unterstützt meinen Weg der Erneuerung unserer Partei, egal ob dieser Weg über einen Parteitag oder eine Abstimmung der Mitglieder geht.“ Genau hier liegt die Brisanz. Treten laut Statut mehrere Kandidaten an, müssten die Mitglieder entscheiden. Laut Berichten wollen die Länder und die Gewerkschaft dagegen einen geordneten Übergang mit Finanzminister Markus Marterbauer als Wunschkandidat. Mit seiner Kampagne signalisiert Zeiler, dass er sich auf diesen Plan nicht einfach einlassen will.
Credits: Warner Bros. Discovery, Inc. or its subsidiaries and affiliates / mit KI-erweitert
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