Ein Ergebnis gibt es, aber es ist ein Kompromiss mit vielen Fragezeichen. Andreas Babler bleibt bis zum Jahreswechsel SPÖ-Chef und Vizekanzler, bekommt aber eine geschäftsführende Doppelspitze zur Seite gestellt. Wie es zu dieser Lösung kam, zeigt ein Protokoll von „Heute“: Die Sitzung im Wiener Hotel Steigenberger soll zur Nervenschlacht geworden sein.
Acht gegen einen
Nach „Heute“-Informationen sprachen sich acht der neun Landesparteichefs für ein sofortiges Ende Bablers aus. Einziger Gegenstimme sei Oberösterreichs SPÖ-Chef Martin Winkler gewesen. Babler selbst habe sich gesträubt und bis zu einem Parteitag im Frühjahr bleiben wollen. Offiziell bestätigt wurden diese Details nicht, sie beruhen auf Informationen aus dem Umfeld der Sitzung. Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil verließ das Treffen laut „Heute“ bereits vor Bablers abschließendem Statement.
Der Kompromiss
Nach mehr als vier Stunden stand die Lösung: Babler bleibt bis Jahresende Parteichef und Vizekanzler. Klubobmann Philip Kucher und Frauenchefin Eva-Maria Holzleitner werden ihm laut „Heute“ als geschäftsführende Obleute zur Seite gestellt. Dieses Duo soll Anfang 2027 ganz übernehmen und einen Parteitag organisieren. Finanzminister Markus Marterbauer soll 2027 Vizekanzler werden, der genaue Zeitpunkt hängt laut „Heute“ von seiner Genesung ab. Ob er auch Parteichef werden soll, war am Sonntagabend offen. Minister will Babler bleiben, laut eigener Darstellung auf Wunsch Marterbauers.
Babler: „Freiwilliger Schritt“
Babler betonte, den Schritt freiwillig zu setzen: „Ich habe mir bei der Übernahme des Parteivorsitzes geschworen anders zu sein – nicht persönliches Interesse in den Vordergrund, sondern das Wohl der Bewegung vor alles andere zu stellen.“ Einig seien sich alle beim Ziel einer „neuen Einigkeit der SPÖ, die geschlossen und gemeinsam auftritt“. Das verlorene Vertrauen bei Mitgliedern und Bevölkerung müsse wiederaufgebaut werden.
Seltenheim: „Kapitel beendet“ für Zeiler
Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim sprach in der „ZiB2“ von einem „sehr, sehr guten“ Tag: „Es gibt eine geregelte Übergabe, die wir lange nicht hatten. Damit bringen wir Ordnung in die Partei.“ Am Donnerstag soll der Vorschlag im Bundesparteivorstand fixiert werden. Eine klare Absage erteilte Seltenheim Medienmanager Gerhard Zeiler, der sich um den Vorsitz beworben hatte: „Niemand ist der Meinung, dass er die Partei übernehmen soll. Ich denke, dass das Kapitel damit beendet ist.“ Ob Zeiler das genauso sieht, ist offen.
Reaktionen
Die FPÖ sieht durch den Kompromiss nichts gelöst. „Eine Partei, die derart mit ihren eigenen Eitelkeiten und Grabenkämpfen beschäftigt ist, hat in einer Bundesregierung momentan absolut nichts verloren“, erklärte Generalsekretär Michael Schnedlitz und fordert erneut Neuwahlen. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) mahnte dagegen, parteiinterne Diskussionen dürften die Regierungsarbeit „nicht beeinträchtigen“.
Credits: Parlamentsdirektion/Thomas Topf
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