Inmitten der staatlichen Trauerfeierlichkeiten für den getöteten iranischen Religionsführer Chamenei haben die USA in der Nacht auf Mittwoch massive Angriffe auf den Iran gestartet – und gleichzeitig die Ölsanktionen wieder in Kraft gesetzt. Iran und seine Verbündeten schlagen zurück.
Der Auslöser: Drei Tanker in der Straße von Hormuz
Den Anstoß zur neuen Eskalation gaben iranische Angriffe auf drei Öltanker in der Straße von Hormuz, wie oe24, L’essentiel und CBS News übereinstimmend berichten. Besonders schwere Schäden meldete der katarische Flüssiggas-Tanker „Al-Rekayyat“, der nach Angaben der Besatzung von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen wurde. Katar machte den Iran für den Angriff verantwortlich und sprach von einer Gefahr für die internationale Schifffahrt und die weltweite Energieversorgung. Der Iran hatte in den Tagen zuvor erklärt, nur eine von Teheran vorgegebene Route durch die Meerenge sei sicher.
80 Ziele, vier Mal stärker als zuletzt
Das US-Zentralkommando Centcom teilte mit, über 80 Ziele im Iran bombardiert zu haben – darunter Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormuz. Laut einem US-Regierungsbeamten, den Axios zitiert und L’essentiel übernimmt, waren die Angriffe vier bis fünf Mal stärker als jene vor rund eineinhalb Wochen. Explosionen wurden aus der Hafenstadt Sirik, der Insel Qeschm sowie dem Bereich der Großstadt Bandar Abbas gemeldet. Der Angriff sei mittlerweile beendet, so Centcom laut oe24. Trump habe den Plan während seiner Teilnahme am NATO-Gipfel in Ankara genehmigt, berichtete der Journalist Barak Ravid auf X unter Berufung auf US-Regierungskreise.
Bahrain und Kuwait unter Beschuss
Die Gegenangriffe des Iran richteten sich laut L’essentiel und ZDFheute gegen US-Verbündete in der Region. In Bahrain heulten laut oe24 die Alarmsirenen – das Innenministerium rief die Bevölkerung auf X auf, ruhig zu bleiben und sichere Orte aufzusuchen. Die kuwaitische Armee bestätigte, ihre Luftabwehr sei gegen „feindliche“ Raketen- und Drohnenangriffe im Einsatz gewesen. Die Revolutionsgarden des Iran meldeten ihrerseits Angriffe auf US-Militärziele in beiden Ländern.
Ölsanktionen reaktiviert – Preise steigen
Parallel zu den Militärschlägen setzte das US-Finanzministerium die zuvor gelockerten Ölsanktionen gegen den Iran wieder in Kraft, wie oe24 und CBS News berichten. Eine vor gut zwei Wochen erteilte Ausnahmegenehmigung für iranisches Öl wurde zurückgenommen. Neue Geschäfte mit Rohöl, Petrochemie- und Erdölprodukten iranischen Ursprungs sind damit wieder untersagt. In der Folge zogen laut oe24 die Ölpreise wieder an.
Chameneis Beerdigung als Eskalationskontext
Die Angriffe fallen in eine politisch höchst sensible Phase: Die wochenlangen Trauerfeierlichkeiten für Irans getöteten Religionsführer Ayatollah Ali Chamenei – der Ende Februar 2026 bei US-israelischen Angriffen ums Leben kam – sind in vollem Gange, wie L’essentiel und ZDFheute berichten. Am Mittwoch sind Zeremonien im Irak geplant, die Beisetzung in Maschhad soll am Donnerstag erfolgen. Die Revolutionsgarden hatten kurz zuvor vor Angriffen während der Trauerfeiern gewarnt und mit einer „entschlossenen“ Antwort gedroht. Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi bezeichnete das US-Vorgehen auf X als „schwerwiegenden Verstoß“ gegen das Rahmenabkommen.
Experte: Beide wollen keinen neuen Krieg
Thomas Juneau, Professor an der Universität Ottawa, sieht trotz der Eskalation keine unmittelbare Gefahr eines neuen großen Krieges: Beide Seiten dürften bald wieder deeskalieren – „möglicherweise nach ein paar gegenseitigen Vergeltungsaktionen“, wie oe24 unter Berufung auf seine X-Analyse berichtet. Die Auflagen der Waffenruhe seien vage, beide Seiten interpretierten sie unterschiedlich. Je länger die Gewaltausbrüche jedoch andauerten, desto schwieriger werde eine Deeskalation.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Die neue Eskalation zeigt, wie fragil das Ende Mai vereinbarte Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ist. Beide Seiten haben es unterzeichnet – und beide Seiten haben es seitdem mehrfach unterschiedlich interpretiert. Dass die USA ihre Vergeltungsschläge ausgerechnet während Chameneis Trauerwoche führen – in der Millionen aufgewühlter Iraner nach Rache rufen – ist strategisch riskant. Dass Trump gleichzeitig beim NATO-Gipfel in Ankara sitzt und die Verbündeten zur Geduld mit dem Iran-Kurs auffordert, macht die diplomatische Lage noch komplizierter. Der nächste Test: Ob die für Donnerstag geplante Beisetzung Chameneis ohne weitere Eskalation über die Bühne geht.
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