Putins Versprechen bröckelt: 30.000 Tote pro Monat, sinkende Umfragewerte, Benzinimporte aus Kasachstan

Putins Versprechen bröckelt: 30.000 Tote pro Monat, sinkende Umfragewerte, Benzinimporte aus Kasachstan

Angriffe auf Kiew, Verluste an der Front und eine Treibstoffkrise im eigenen Land: Russlands Präsident Vladimir Putin steht vor der Duma-Wahl im September unter Druck wie selten zuvor.

13 Tote in Kiew – Russland spricht von Vergeltung

In der Nacht auf Donnerstag hat Russland erneut schwere Angriffe auf die Ukraine geflogen. Allein in Kiew kamen nach ukrainischen Angaben 13 Menschen ums Leben, 86 weitere wurden verletzt, wie heute.at berichtet. Moskau bezeichnete die Attacke als Vergeltung für ukrainische Angriffe auf russische Infrastruktur. Seit Wochen trifft die Ukraine nach eigenen Angaben immer wieder Ziele auf russischem Staatsgebiet – Raffinerien, Treibstofflager sowie Militär- und Logistikstandorte.

30.000 Tote pro Monat – Nachschub fehlt

An der Front wächst der Druck auf Russlands Streitkräfte. Laut einer Studie der US-Denkfabrik CSIS verliert Russland derzeit zwischen 30.000 und 34.000 Soldaten pro Monat, kann aber nur rund 27.000 neue Rekruten gewinnen, wie heute.at berichtet. Ein russischer Kriegsblogger kommentierte die Entwicklung mit den Worten: „Putin = Niederlage Russlands.“ Zusätzlich kursiert laut heute.at ein Video des ehemaligen russischen Soldaten Alexander Lunin, der Zustände in der Armee kritisiert und vor einer möglichen Wende des Militärs gegen den Kreml warnt.

Zustimmung auf Tiefstand – Selenskyj veröffentlicht Kreml-Daten

Auch bei den Umfragewerten soll es für Putin schlechter aussehen. Selenskyj veröffentlichte laut heute.at Grafiken, die nach seinen Angaben auf internen Kreml-Unterlagen beruhen und einen Rückgang der Zustimmung für Putin und die Regierungspartei Einiges Russland zeigen sollen. Eine kremlnahe Umfrage des Fonds für Öffentliche Meinung (NOM) deutet in dieselbe Richtung: Demnach vertrauen derzeit 69 Prozent der Befragten Putin – gegenüber 82 Prozent vor einem Jahr – der niedrigste Wert seit Kriegsbeginn, wie heute.at berichtet.

„Komfortzone ist weg“ – aber kein Sturz in Sicht

Russland-Experte Alexey Yusupov sieht zwar wachsenden Druck, aber keine akute Gefahr für Putins Macht. „Putins Position ist derzeit nicht gefährdet – aber seine Komfortzone ist weg“, sagte er gegenüber Bild, wie heute.at zitiert. Putin habe lange behauptet, Russland könne beides haben: Krieg und ein normales ziviles Leben. „Jetzt muss seine Energie-Supermacht Benzin aus Kasachstan importieren und den Verkauf an heimischen Tankstellen einschränken.“

Russland-Experte Adrian Geiges hält einen Sturz Putins ebenfalls für unwahrscheinlich. Putin habe „ein System der Angst geschaffen, das auf seine Person zugeschnitten ist“, sagte er zu Bild. „Der einzige Weg, Putin zu stürzen, wäre, ihn selbst zu töten.“ Und selbst dann würde „das Riesenreich ohne einen charismatischen Nachfolger im Chaos zerfallen.“

Duma-Wahl als Test – Verschiebung wäre „Signal der Ohnmacht“

Für Yusupov könnte die Duma-Wahl im September dennoch zum wichtigen Test für den Kreml werden. Entscheidend sei dabei weniger das Wahlergebnis als die Frage, ob die Abstimmung überhaupt stattfindet. Eine Verschiebung oder Absage wäre für Putin „ein echtes Signal der Ohnmacht“, so Yusupov laut heute.at.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Die Kombination aus militärischen Verlusten, Treibstoffkrise und sinkenden Umfragewerten zeigt: Das Narrativ, dass Russland den Krieg unbeschadet führen kann, während das Leben zuhause normal weitergeht, hält einer Überprüfung immer weniger stand. Ob das reicht, um Putins Position ernsthaft zu gefährden, ist eine andere Frage. Selenskyjs Veröffentlichung angeblicher Kreml-Umfragen ist als PR-Manöver einzuordnen – es gibt keine unabhängige Bestätigung dieser Zahlen. Die NOM-Umfrage hingegen ist kremlnah und tendiert erfahrungsgemäß dazu, Putins Werte hochzuhalten. Dass selbst diese Quelle einen historischen Tiefstand ausweist, ist daher tatsächlich bemerkenswert.

Credits: Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123219163

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