Seit 1. Juni zahlen Beamte, Eisenbahner und Bergarbeiter beim Arztbesuch doppelt so viel wie bisher – und die meisten erfuhren es aus den Medien. Der Aufschrei ist parteienübergreifend.
Was sich geändert hat – und wie es bekannt wurde
Wie oe24 berichtete, hat die Hauptversammlung der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) beschlossen, den Selbstbehalt für Behandlungen – etwa beim Arzt – von zehn auf 20 Prozent zu verdoppeln. In Kraft getreten ist die Regelung mit 1. Juni 2026. Kommuniziert wurde sie nicht aktiv: Laut oe24 war die Änderung lediglich am vergangenen Freitag wenig prominent auf der BVAEB-Website gemeldet worden – ohne direktes Anschreiben an die Versicherten. Viele erfuhren von der Änderung erst durch Medienberichte.
Wann und wer entschied – mit pikanter Nebenstory
Wie oe24 unter Berufung auf das Rechtsinformationssystem des Bundes berichtete, beschloss die Hauptversammlung die Änderung am 19. Mai 2026. Laut dem im RIS veröffentlichten Dokument trägt der Genehmigungsbescheid von Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) das Datum 17. Mai 2026 – also noch vor dem formellen Hauptversammlungsbeschluss. Der genaue Hintergrund dieser Datierungsabfolge ist aus dem veröffentlichten Dokument allein nicht vollständig erklärbar; eine Anfrage an das Sozialministerium dazu lag bis Redaktionsschluss ohne Antwort vor.
Mitunterzeichnet wurde der Beschluss auch von GÖD-Beamtengewerkschafts-Chef Eckehard Quin, der gleichzeitig Obmann im Verwaltungsrat der BVAEB ist. FPÖ-Mandatar Werner Herber kritisierte laut Ö1-Mittagsjournal diese Doppelfunktion, die „großes Potenzial“ für Interessenskonflikte berge.
Pensionistenverband: „Überfallsartige Verdoppelung“
Wie oe24 unter Berufung auf eine Aussendung des SPÖ-nahen Pensionistenverbands berichtete, sprach PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer von einer „überfallsartigen Verdoppelung“ und einem „völlig inakzeptablen“ Vorgehen: „Wer jahrzehntelang Beiträge geleistet hat, verdient Transparenz und Respekt – und keine Überraschungen bei den Gesundheitskosten.“ Gerstorfer verwies darauf, dass die Generation 55+ durch ihren höheren medizinischen Versorgungsbedarf besonders belastet werde. Sie forderte die Verantwortlichen auf, „die Maßnahme zu überdenken und stattdessen sozial ausgewogene Lösungen zu erarbeiten.“
ÖVP-Seniorenbund: „Unzumutbar und empörend“
Wie oe24 berichtete, schloss sich ÖVP-Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec der Kritik an: Die Verdoppelung sei „unzumutbar“, die Vorgangsweise „empörend.“ Auch sie betonte, dass ältere Versicherte mit höherem Medizinbedarf besonders hart getroffen werden: „Angesichts der generellen Teuerung ist das eine enorme und unzumutbare weitere finanzielle Belastung.“
FPÖ und Grüne: Scharfe Kritik aus der Opposition
Wie oe24 berichtete, sprach FPÖ-Mandatar Herber im Ö1-Mittagsjournal von einer „doppelten Abzocke“ – nach einer „sehr geringschätzigen Lohnerhöhung“ für 2027 und 2028 komme nun diese weitere Belastung. Grünen-Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner übte ebenfalls scharfe Kritik: „Ausgerechnet in einer Phase, in der über eine große Gesundheitsreform diskutiert wird, werden Versicherte überraschend und ohne öffentliche Debatte zusätzlich zur Kasse gebeten – und die Ministerin genehmigt das auch noch. Das ist genau die falsche Richtung.“
Die BVAEB begründet den Schritt damit, trotz der angespannten Budgetsituation das Leistungsniveau auch in Zukunft sicherstellen zu können. Für Versicherte mit geringem Einkommen soll weiterhin die Möglichkeit zur Befreiung vom Behandlungsbeitrag bestehen.
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