Der US-Onlinehandelsriese baut sein Logistiknetz in Österreich weiter aus. In Enns wird bereits gebaut, Schalchen ist in Vorbereitung – und Reichersberg hat Nein gesagt.
Enns: 70 Millionen Euro, Frühjahr 2027
Im Gewerbegebiet Ennshafen in Enns, Bezirk Linz-Land, errichtet Amazon derzeit um rund 70 Millionen Euro ein neues Verteilzentrum für den Großraum Linz, wie ORF Oberösterreich und nachrichten.at berichten. Der Spatenstich fand vor rund zwei Monaten statt. Die Inbetriebnahme ist laut Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) für Frühjahr 2027 geplant – mehr als 100 Arbeitsplätze sollen entstehen. Das Zentrum ist ein sogenanntes „Letzte-Meile“-Verteilzentrum: Von dort werden Pakete für die Zustellung vorbereitet und über lokale Lieferpartner an Kunden in der Region ausgeliefert. Enns-Bürgermeister Christian Deleja-Hotko (SPÖ) betonte laut ORF OÖ neben den Jobs auch Infrastrukturprojekte, die Amazon finanziere: einen Radweg entlang der Mainstraße und eine neue Bushaltestelle für die Stadtgemeinde.
Schalchen: In Vorbereitung – nach Ennser Vorbild
Für Schalchen im Bezirk Braunau am Inn ist laut Achleitner ein weiteres Projekt in Vorbereitung, wie nachrichten.at unter Berufung auf seine Anfragebeantwortung an die Grünen berichtet. Geplant ist auch dort ein Verteilzentrum für die letzte Meile – nach demselben Modell wie in Enns. Das Projekt befinde sich noch in einer frühen Planungs- und Vorbereitungsphase.
Reichersberg: Nein des Gemeinderats beendet Amazon-Pläne
Anders verlief die Sache im Bezirk Ried im Innkreis. Im Innviertel wollte Amazon laut nachrichten.at ein hochautomatisiertes „Amazon Robotics Sortable Center“ in Reichersberg errichten – ein Großprojekt mit einem Investitionsvolumen von 500 Millionen Euro. Der Gemeinderat von Reichersberg lehnte Verhandlungen darüber jedoch nach einer außerordentlichen Sitzung ab. Das Projekt ist damit vom Tisch. Wirtschaftslandesrat Achleitner verteidigte die Ansiedlungspolitik dennoch: „Die Frage, ob wir Betriebe ansiedeln, stellt sich nicht“, sagte er laut nachrichten.at – jede Entscheidung darüber liege aber letztlich bei den Gemeinden.
Weißer Fleck wird kleiner
Bisher war Oberösterreich als Logistikstandort ein blinder Fleck im Amazon-Österreich-Netz, wie nachrichten.at bereits im April berichtete. Die fünf bisherigen österreichischen Standorte verteilen sich auf Ost- und Südösterreich – Wien, Niederösterreich, Graz und Klagenfurt. Mit dem Enns-Zentrum schließt Amazon nun eine geografische Lücke im heimischen Logistiknetz.
Einordnung der Redaktion
Amazons Expansion nach Oberösterreich ist wirtschaftspolitisch ein klares Signal: Der weltgrößte Onlinehändler sieht im industriestarken Zentralraum Österreichs ein wachsendes Zustellvolumen, das einen eigenen Standort rechtfertigt. 70 Millionen Euro Investition und 100 Jobs in Enns sind für eine mittelgroße Stadt keine Kleinigkeit. Dass Reichersberg Nein gesagt hat, zeigt aber auch, dass nicht jede Gemeinde bereit ist, Großprojekte um jeden Preis anzunehmen – der lokale Widerstand gegen ein hochautomatisiertes Sortierzentrum mit entsprechendem Verkehrsaufkommen ist ein legitimes demokratisches Signal.
Credits: Wikipedia
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