Im Dauerstreit um das Google-Rechenzentrum in Kronstorf meldet sich nun der wirtschaftsliberale Thinktank Agenda Austria zu Wort – und stellt sich mit eigenen Zahlen klar gegen die Kritik von Umweltorganisationen.
Der Vorwurf, dem widersprochen wird
Erst vor wenigen Tagen hatten die Umweltorganisationen GLOBAL 2000 und ÖKOBÜRO einen vorläufigen Baustopp für neue Rechenzentren gefordert. In einer gemeinsamen rechtlichen Analyse kritisierten die Organisationen, dass Rechenzentren als eigener Vorhabenstyp im österreichischen Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz schlicht nicht existieren – wie es Ökobüro-Geschäftsführer Gregor Schamschula im Ö1-Mittagsjournal formulierte: „Das ist, als ob man mit einem Kutschengesetz die Robotertaxis einfangen will.“ GLOBAL 2000 fordert deshalb ein Moratorium für neue Datencenter, bis rechtliche und politische Fragen geklärt sind. Klima- und Energiesprecherin Hannah Keller brachte die Forderung auf den Punkt: „Die Politik muss jetzt die Stopptaste drücken.“
Agenda Austria kontert mit „Zahlen gegen die Hysterie“
Genau darauf reagierte nun Agenda Austria mit einem Facebook-Posting, das deutlich Position gegen die Kritiker bezieht. „Und da wundert sich noch wer, dass Österreich kaum noch wächst“, heißt es zum Einstieg, gefolgt von dem, was der Thinktank selbst als „ein paar Zahlen gegen die Hysterie“ bezeichnet.
Die Wasserfrage: Ein Vergleich mit der voestalpine
Beim Thema Wasserverbrauch verweist Agenda Austria darauf, dass Google maximal 99 Liter Wasser pro Sekunde in die Enns ableiten dürfe – der Fluss selbst führe hingegen „mehr als 200.000 Liter pro Sekunde“. Der jährliche Wasserverbrauch des Rechenzentrums liege bei höchstens 2,1 Millionen Kubikmetern. Zum Vergleich zieht der Thinktank die voestalpine heran: „Die voestalpine braucht so viel in einem Monat.“ Auch die Sorge um ein mögliches Fischsterben durch erhitztes Flusswasser weist Agenda Austria zurück: Ein „vermeintliches Massensterben der Fische durch eine erhitzte Enns“ werde demnach nicht eintreten. Sollte sich die lokale Flussfauna dennoch verändern, profitiere sie gemeinsam mit dem Oberösterreichischen Fischereiverband von einem eigens von Google finanzierten Fonds zur Verbesserung der Gewässerökologie.
Beim Stromverbrauch räumt selbst Agenda Austria Probleme ein
Anders fällt die Argumentation beim Energiebedarf aus: Hier gesteht der Thinktank offen ein, dass „der Stromverbrauch tatsächlich hoch“ sei. Im ersten Ausbauschritt soll das Rechenzentrum jährlich 1,31 Terawattstunden benötigen, bei einem möglichen Vollausbau könnten es laut Netz Oberösterreich bis zu 4,4 Terawattstunden werden – zum Vergleich: Ganz Oberösterreich verbrauchte 2024 laut Energiebericht insgesamt 14 Terawattstunden. Trotzdem betont Agenda Austria, die Regulierungsbehörde E-Control rechne deswegen nicht mit Versorgungsproblemen.
Steuerargument als wirtschaftlicher Pluspunkt
Auch wirtschaftlich sieht der Thinktank klare Vorteile: Google werde „sehr wohl in Österreich Steuern zahlen“, zusätzlich zur Kommunalsteuer würden aufgrund des hohen Stromverbrauchs voraussichtlich „stattliche Netzgebühren“ fällig. Da das Rechenzentrum vom österreichischen Tochterunternehmen Volo Zwei GmbH errichtet wird, fällt laut Agenda Austria zudem Körperschaftsteuer an.
„Fatales Signal“ für den Standort
Zum Abschluss ihres Postings kritisiert Agenda Austria die Forderungen nach einem Baustopp deutlich: Das Projekt sei „seit fast 20 Jahren in Planung. Jetzt plötzlich dagegen aufzumarschieren und Gesetzesänderungen zu fordern, sendet ein fatales Signal für den Wirtschaftsstandort – Unternehmen brauchen Verlässlichkeit, um große Projekte zu finanzieren.“
Die Gegenseite bleibt bei ihrer Forderung
Die konkreten Verbesserungsvorschläge der Umweltseite bleiben davon unberührt: Wie der ORF berichtet, schlägt Ökobüro-Geschäftsführer Schamschula konkret vor, Rechenzentren ab einer Anschlussleistung von 50 Megawatt – vergleichbar mit dem Stromanschluss der Stadt Linz – verpflichtend einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen. Bereits ab 20 Megawatt solle dies gelten, wenn zusätzlich Kühlwasser aus Gewässern oder Grundwasser entnommen oder weniger als die Hälfte der Abwärme extern genutzt wird. Auch SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr will das Thema in die laufenden Verhandlungen zur Novelle des UVP-Gesetzes einbringen, während Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) eine pauschale UVP-Pflicht für Rechenzentren bereits abgelehnt hat.
Credits: Fotokerschi/Markus Hauser
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