Monatelang sorgte der österreichische Biennale-Beitrag für hitzige Debatten – nun hat Kunst- und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung Klarheit geschaffen. Sein zentraler Befund: Von Urin, in dem Performerinnen angeblich schwimmen, kann keine Rede sein.
Der Auslöser der Debatte
Ausgangspunkt der Kontroverse war der österreichische Beitrag zur 61. Kunstbiennale in Venedig, gestaltet von der international renommierten Choreografin und Performance-Künstlerin Florentina Holzinger gemeinsam mit Kuratorin Nora-Swantje Almes. Ihr Werk „Seaworld Venice“ setzt Wasser und andere Flüssigkeiten als zentrales künstlerisches Element ein – wie die deutsche Tageszeitung taz beschreibt, hat Holzinger dafür den österreichischen Pavillon regelrecht geflutet und daraus eine Mischung aus Themenpark, sakralem Wallfahrtsort und körperkunstbasiertem Kunstparcours geschaffen, der sich mit Umweltverschmutzung und dem menschlichen Umgang mit Ressourcen auseinandersetzt.
FPÖ macht das Thema zum parlamentarischen Fall
Bereits im Mai hatte FPÖ-Kultursprecher Wendelin Mölzer scharfe Kritik an dem Projekt geübt. In einer Aussendung bezeichnete er den „explizite[n] Einsatz von Urin im Rahmen der Inszenierung“ als Grenzüberschreitung, die „für viele Menschen eine klare Grenze des Zumutbaren überschreitet“. Konkret ging es dabei um sogenannte „Urin-Tanks“, die laut Konzept mit dem gespendeten Urin von Besuchern gefüllt werden sollten. Mölzer kündigte in der Folge eine parlamentarische Anfrage an Babler an, um vollständige Transparenz über die eingesetzten öffentlichen Mittel zu erhalten.
Was Babler nun konkret klarstellt
In seiner jetzt vorliegenden Anfragebeantwortung widerspricht Babler der zentralen Behauptung ausdrücklich: „Darstellungen, wonach Performer:innen in Urin schwimmen würden, entsprechen nicht den Tatsachen.“ Tatsächlich werde auf „gereinigtes und gefiltertes Wasser“ zurückgegriffen, wie es auch in anderen Kontexten der Ressourcenschonung bereits eingesetzt werde.
Die tatsächlichen Kosten des Projekts
Für den gesamten Biennale-Beitrag steht laut Bablers Anfragebeantwortung ein Gesamtbudget von maximal 600.000 Euro zur Verfügung. Darin enthalten sind unter anderem das Honorar der Kuratorin in Höhe von 30.000 Euro sowie das vom Bund beauftragte Organisationsbüro mit 129.000 Euro. Wie das Ministerium klarstellt, deckt diese Förderung sämtliche Organisationsarbeiten, Anschaffungen und Gehälter der Darstellerinnen und Darsteller über die gesamte sechsmonatige Dauer der Biennale ab. Die tatsächlichen Gesamtkosten des Projekts liegen laut Anfragebeantwortung jedoch „mitunter beim Zwei- bis Dreifachen“ des vom Bund bereitgestellten Betrags – die Differenz muss durch zusätzliche Mittel wie Sponsoren, Stiftungen oder private Unterstützer gedeckt werden.
Ein transparentes Auswahlverfahren – und Kogler als eigentlicher Verantwortlicher
Bemerkenswert ist ein Detail, das in der öffentlichen Debatte bislang wenig Beachtung fand: Sowohl die Ausschreibung als auch die Entscheidung für Holzingers Beitrag fielen noch unter Bablers Amtsvorgänger Werner Kogler (Grüne). Der Österreich-Beitrag wird laut Anfragebeantwortung bereits seit 2021 öffentlich ausgeschrieben, eingereichte Projekte durchlaufen ein dreistufiges Auswahlverfahren und werden einer Fachjury aus nationalen und internationalen Expertinnen und Experten vorgelegt. Für die aktuelle Ausgabe gingen insgesamt 54 Einreichungen ein, aus denen sich die Jury schließlich für „Seaworld Venice“ entschied – laut Ministerium wegen dessen „innovativer Kraft und internationaler Relevanz“, nicht aufgrund einer politischen Entscheidung.
Großer Publikumsandrang trotz Kontroverse
Von der Kritik unbeeindruckt zeigt sich offenbar das internationale Publikum: Laut Bablers Anfragebeantwortung verzeichnet der Pavillon aktuell bis zu 2.800 Besucherinnen und Besucher täglich, bei Wartezeiten von bis zu drei Stunden. Zusätzlich verweist der Minister auf eine „international äußerst positive Resonanz“ in renommierten Medien wie der New York Times, dem Guardian sowie dem Kunstmagazin Monopol.
Credits: Parlamentsdirektion/Thomas Topf
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