Wien ist bereits Sitz der Atomenergiebehörde und zahlreicher weiterer UNO-Organisationen. Geht es nach Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), soll eine weitere dazukommen: ein internationales Zentrum für die Zusammenarbeit bei Künstlicher Intelligenz. Den Vorschlag hat Österreich am Mittwoch bei einem internationalen Treffen eingebracht. Wie das Zentrum konkret aussehen soll, ist allerdings noch offen.
Vorschlag bei einem virtuellen Gipfel
Eingebracht hat den Vorschlag Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP), wie oe24 unter Berufung auf eine Aussendung berichtet. Anlass war das “High-Level Virtual Meeting on the Control of Frontier AI Models”, ein virtuelles Treffen auf Initiative der Regierungschefs von Finnland und Norwegen. Dort ging es um die Frage, wie die leistungsfähigsten KI-Modelle kontrolliert werden können. Dieselben beiden Regierungschefs hatten erst am Vortag mit Kremlchef Wladimir Putin telefoniert.
“Ängste nehmen, Sicherheit geben”
Stocker begründet die Initiative mit den Sorgen vieler Menschen. Ein KI-Zentrum unter dem Dach der Vereinten Nationen könne eine zentrale Rolle dabei spielen, Ängste vor Künstlicher Intelligenz zu nehmen und Sicherheit zu geben. Als UNO-Amtssitz sei Wien dafür der ideale Standort. “Wir wollen einen Ort schaffen, an dem Menschen aus der ganzen Welt gemeinsam daran arbeiten, das Potenzial von KI auszuloten, ihre Risiken zu verstehen und ihre Zukunft mitzugestalten”, sagte der Kanzler laut der Aussendung. Pröll ergänzte: “Die Weichen für die globale KI-Governance werden jetzt gestellt, und Österreich will diesen Prozess aktiv mitgestalten.” Kein Staat könne die Herausforderungen allein bewältigen.
Meinl-Reisinger warnt vor Kampfrobotern
Auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) meldete sich zu Wort. Künstliche Intelligenz werde das Zusammenleben, aber auch die Sicherheitspolitik grundlegend verändern. Sie biete “enorme Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung, den wissenschaftlichen Fortschritt und eine effizientere Verwaltung”. Zugleich dürfe man nicht zulassen, dass KI zu einem Instrument automatisierter Kriegsführung werde und “Maschinen statt Menschen über Leben und Tod entscheiden”. Österreich setzt sich auf UNO-Ebene seit Jahren für eine Regulierung autonomer Waffensysteme ein.
Viele offene Fragen
Wie das Zentrum aussehen soll, wer es finanziert und welche Aufgaben es konkret übernimmt, geht aus den bisherigen Angaben nicht hervor. Auch die Konkurrenz schläft nicht: Genf, ein weiterer UNO-Standort, ist bereits Sitz der Internationalen Fernmeldeunion, die mit ihrem Gipfel “AI for Good” seit Jahren eine zentrale Rolle in der internationalen KI-Debatte spielt. Ob die Vereinten Nationen für ein eigenes Zentrum in Wien zu gewinnen sind, wird sich erst in Verhandlungen zeigen.
Pröll plant “KI-Rede”
Für Pröll ist der Vorstoß Teil einer größeren Offensive. Der Staatssekretär wurde vor Kurzem beauftragt, eine neue KI-Strategie für Österreich zu entwickeln. Für den 19. November plant er eine “KI-Rede” in der Nationalbibliothek unter dem Titel “Kipppunkt”. Zuletzt hatte er mit einem Vorschlag für Verbotszonen für Datenbrillen für Aufsehen gesorgt.
Credits: BKA, Florian Schötter
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