Die gute Nachricht zuerst: Der Staat gibt im Verhältnis zu seinen Einnahmen weniger aus als vor einem Jahr, das Defizit ist gesunken. Die schlechte: Der Schuldenberg wächst trotzdem kräftig und liegt schon jetzt über dem, was der Finanzminister für das ganze Jahr erwartet hatte.
20,5 Milliarden mehr in sechs Monaten
Wie Statistik Austria am Mittwoch mitteilte, beliefen sich die Schulden des Gesamtstaates – Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung – Ende Juni auf 438,9 Milliarden Euro. Das sind laut APA 20,5 Milliarden Euro mehr als Ende 2025. Gemessen an der Wirtschaftsleistung stieg die Schuldenquote auf 83,6 Prozent. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) war im Mai für das Gesamtjahr 2026 noch von 82,9 Prozent ausgegangen, wie die „Oberösterreichischen Nachrichten“ berichten.
Das Defizit schrumpft
Gleichzeitig hat sich die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben verkleinert. Die Einnahmen der öffentlichen Hand stiegen im ersten Halbjahr um 4,2 Prozent auf 129,7 Milliarden Euro, die Ausgaben nur um 1,9 Prozent auf 140,9 Milliarden. Das Defizit lag damit bei rund 11,1 Milliarden Euro, nach 13,7 Milliarden im ersten Halbjahr 2025. „Mit 4,3 Prozent des BIP bleibt das Defizit jedoch weiter hoch“, sagt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria, laut OÖN. Die Maastricht-Grenze liegt bei drei Prozent.
Der Bund als größtes Loch
Das Minus verteilt sich ungleich. Der Bund hatte ein Defizit von 12,2 Milliarden Euro, die Gemeinden von 1,4 Milliarden. Die Länder erzielten dagegen einen Überschuss von 0,9 Milliarden Euro, die Sozialversicherung von 1,5 Milliarden.
Warum die Schulden stärker steigen als das Defizit
Dass der Schuldenstand deutlich stärker zulegte als das Defizit, erklärt Statistik Austria vor allem damit, dass der Bund neben der Deckung des Defizits vorsorglich einen größeren Liquiditätsbestand aufgebaut hat als im ersten Halbjahr 2025. Er hat also mehr Geld aufgenommen, als er unmittelbar gebraucht hat.
Weniger Lohnsteuer, weniger Pensionsausgaben
Den Großteil der Einnahmen, 85,7 Prozent, machten Steuern und Sozialbeiträge aus. Die Sozialbeiträge wuchsen kräftig um 5,3 Prozent, die Steuereinnahmen wegen schwächerer Lohnsteuern nur um 3,2 Prozent. Auf der Ausgabenseite stiegen Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst um 1,3 Prozent, die monetären Sozialleistungen um 2,7 Prozent – beides deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Dazu hätten vor allem niedrigere Ausgaben für Pensionen beigetragen, so die Statistikbehörde. Bei den Subventionen ist laut OÖN noch keine Reduktion zu sehen, sie blieben mit 3,9 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau.
Credits: BKA_Christopher Dunker
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