Hans Niessl sieht angesichts von 15 Prozent dringenden Handlungsbedarf und bezeichnet Gerhard Zeiler als Musterbeispiel für sozialen Aufstieg durch Leistung. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim versucht hingegen, den Herausforderer kleinzureden. Dabei übersieht er, warum überhaupt laufend neue Namen für den Parteivorsitz auftauchen: weil Andreas Babler und seine Mannschaft die Partei immer weiter nach unten führen.
Niessl fordert personelle und inhaltliche Konsequenzen
Die Personaldebatte innerhalb der SPÖ ist endgültig eröffnet. Gerhard Zeiler hat öffentlich erklärt, dass er bereit ist, Andreas Babler als Parteivorsitzenden abzulösen. Der international erfolgreiche Medienmanager spricht von einer klaren Richtungsentscheidung: Entweder die SPÖ bleibt auf ihrem derzeitigen Kurs – oder sie kehrt zu einer klassischen, wirtschaftsfreundlichen Sozialdemokratie zurück.
Unterstützung erhält Zeiler unter anderem vom früheren burgenländischen Landeshauptmann Hans Niessl. Dieser stellte angesichts der katastrophalen Umfragewerte unmissverständlich fest, dass Handlungsbedarf bestehe. Es wäre fahrlässig, bei 15 Prozent einfach zur Tagesordnung überzugehen. Die Partei müsse sich sowohl personell als auch inhaltlich neu aufstellen.
Niessl bezeichnet Zeiler als Musterbeispiel dafür, welchen Aufstieg ein Mensch durch eigene Leistung schaffen könne. Der SPÖ sei genau dieser Leistungsgedanke abhandengekommen. Wirtschaft, Arbeitsplätze, Aufstiegsmöglichkeiten und die Interessen der Mittelschicht müssten wieder stärker ins Zentrum sozialdemokratischer Politik rücken.
Damit trifft Niessl einen entscheidenden Punkt: Die SPÖ darf sich nicht länger hauptsächlich damit beschäftigen, wie weit sie noch nach links rücken kann. Sie muss sich wieder fragen, wie sie jene Menschen erreicht, die jeden Morgen aufstehen, arbeiten, Steuern zahlen und sich trotzdem immer weniger leisten können.
Seltenheims bemerkenswerte Ursachenforschung
SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim liefert unterdessen eine bemerkenswerte Erklärung für den Zustand seiner Partei. Ein großer Teil seiner Medienauftritte bestehe daraus, über den internen Streit und immer neue Kandidaten für den Parteivorsitz sprechen zu müssen. Deshalb könne die SPÖ nicht nach vorne kommen.
Das ist ungefähr so, als würde sich ein Feuerwehrkommandant darüber beschweren, dass er wegen der vielen Brände nicht zum Arbeiten komme.
Die entscheidende Frage lautet doch nicht, warum laufend neue Kandidaten auftauchen. Die Frage lautet: Warum suchen immer mehr Sozialdemokraten überhaupt nach einer Alternative zu Andreas Babler?
Die Antwort liegt auf der Hand: Weil Babler, Seltenheim und die derzeitige Parteiführung nichts weiterbringen. Die SPÖ liegt bei rund 15 Prozent. Im aktuellen Wahltrend trennen sie nur noch wenige Prozentpunkte von den Grünen. Diese kommen bereits auf knapp 13 Prozent. Sonntagsfrage & Wahltrend 2026
Wenn die Entwicklung anhält, könnte die einstige Kanzlerpartei tatsächlich auf den vierten Platz abrutschen. Dann müsste Seltenheim nicht mehr erklären, warum ständig neue Kandidaten auftauchen, sondern warum die SPÖ unter seiner organisatorischen Verantwortung zur politischen Kleinpartei geworden ist.
Kein Instagram-Account ist kein Gegenargument
Besonders peinlich ist Seltenheims Versuch, Zeiler wegen seines angeblich fehlenden Social-Media-Auftritts lächerlich zu machen. Er kenne kein Programm, keine Homepage und Zeiler habe nicht einmal einen richtigen Social-Media-Auftritt, meinte der SPÖ-Bundesgeschäftsführer. Zeilers Facebook-Konto mit etwas mehr als 1.000 Freunden schien ihm ebenfalls nicht ausreichend.
Das ist ausgerechnet von Seltenheim ein bemerkenswertes Argument.
Seine eigenen Videos mit hektischer Gestik, zuckenden Händen und einstudiertem Duckface wirken teilweise eher wie Beiträge für die Muppet Show als wie professionelle politische Kommunikation. Innerhalb einer kleinen linken Social-Media-Blase mag das für Zustimmung sorgen. Wähler zurückgewinnen wird die SPÖ damit nicht.
Politische Führung bemisst sich zudem nicht an der Zahl der Instagram-Follower. Entscheidend sind Erfahrung, Kompetenz, Glaubwürdigkeit und die Fähigkeit, Menschen außerhalb der eigenen Funktionärsblase anzusprechen. Zeiler hat internationale Medienkonzerne geführt und sich über Jahrzehnte im härtesten wirtschaftlichen Wettbewerb behauptet. Ihm nun fehlende Qualifikation zu unterstellen, weil er nicht täglich Videos für TikTok produziert, ist geradezu grotesk.
Zeiler steht für eine andere Sozialdemokratie
Zeiler erklärte in der „ZiB 2“, er sei weder Marxist noch Klassenkämpfer, sondern klassischer Sozialdemokrat. Er will Arbeit entlasten, Leistung anerkennen und die SPÖ wirtschaftsfreundlicher positionieren. Gleichzeitig hält er an sozialdemokratischen Kernthemen wie leistbarem Wohnen, Bildung und Gesundheit fest.
Genau diese Verbindung braucht die Partei: soziale Verantwortung und wirtschaftliche Vernunft.
Die SPÖ muss wieder eine Partei der Mitte-links werden – und nicht länger eine Partei des Links-links-Kurses von „Marxismus-Andi“ Babler. Sie darf Arbeitnehmer und Unternehmer nicht gegeneinander ausspielen. Ohne funktionierende Betriebe gibt es keine sicheren Arbeitsplätze, keine Steuereinnahmen und keinen finanzierbaren Sozialstaat.
Auch bei der Migration braucht es endlich eine Position, die nicht nur in akademischen Debatten funktioniert, sondern von einer Mehrheit der Bevölkerung verstanden und unterstützt wird. Niessl erinnert zu Recht daran, dass das Doskozil-Kaiser-Papier jahrelang in einer Schublade verschwunden ist, obwohl Migration eigentlich ein zentrales sozialdemokratisches Thema sein müsste.
Die letzte realistische Chance
Gerhard Zeiler ist vielleicht nicht die perfekte Lösung für jedes Problem der SPÖ. Aber er ist derzeit die einzige Persönlichkeit mit der Erfahrung, der Unabhängigkeit und dem internationalen Format, um die Partei aus ihrem historischen Tief herauszuführen.
Während Babler und Seltenheim versuchen, die Personaldebatte als Ursache der Krise darzustellen, ist sie in Wahrheit deren Folge. Eine Partei, die bei 15 Prozent liegt, braucht keine Beruhigungspillen und keine weiteren Erklärungen dafür, weshalb angeblich alle anderen schuld sind. Sie braucht einen politischen Neustart.
Hans Niessl hat recht: Es wäre fahrlässig, jetzt einfach weiterzumachen wie bisher. Zeiler muss kommen. Andernfalls ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Grünen die SPÖ überholen – und aus der ehemaligen Kanzlerpartei die viertstärkste Kraft Österreichs wird.
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