SPÖ sucht Hofburg-Kandidaten: Drei Namen im Gespräch

SPÖ sucht Hofburg-Kandidaten: Drei Namen im Gespräch

Die Frage nach dem roten Anwärter für die Bundespräsidentenwahl 2028 nimmt Fahrt auf. Tirols SPÖ-Chef und Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth nannte im APA-Gespräch nun erstmals konkrete Namen – darunter prominent: Burgenlands Altlandeshauptmann Hans Niessl.

Wohlgemuth nennt drei Namen

Neben Niessl brachte Wohlgemuth auch Kärntens Ex-Landeshauptmann Peter Kaiser sowie die Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures als mögliche sozialdemokratische Anwärter ins Spiel, wie oe24 berichtet. Alle drei seien Personen, die „zweifelsfrei geeignet“ wären, so Wohlgemuth. Eine klare Präferenz wollte er auf Nachfrage nicht äußern: „Ich lege mich auf niemanden fest.“ Klar ist für den Tiroler SPÖ-Chef jedenfalls, dass seine Partei überhaupt mit einem eigenen Kandidaten antreten soll: „Ich wünsche mir, dass diese stolze, 130 Jahre alte Bewegung mit einer oder einem Kandidaten zur Bundespräsidentenwahl antritt.“

Niessl bereits seit Februar im Rennen

Besonders bemerkenswert an Wohlgemuths Vorstoß: Niessl selbst hatte bereits im Februar überraschend öffentlich gemacht, eine Kandidatur konkret in Erwägung zu ziehen. Im Gespräch mit dem ORF Burgenland erklärte er damals, in seiner Funktion als Präsident von Sport Austria sei er von Vertretern aller politischen Lager auf eine mögliche Bewerbung angesprochen worden: „Nachdem Sport Austria sehr überparteilich agiert und auch der Österreichische Bundespräsident sehr überparteilich agieren sollte und von allen politischen Lagern die Frage gestellt wurde, ob ich das nicht machen würde, schließe ich es grundsätzlich einmal nicht aus.“ Als Ziele für eine mögliche Präsidentschaft nannte er, die politischen Gräben im Land zuzuschütten und als „aktiverer Bundespräsident“ stärker Stellung zu beziehen.

Bereitschaft auch ohne SPÖ-Rückendeckung

Sollte die Partei ihn nicht offiziell nominieren, ließ Niessl bereits im Februar keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit aufkommen: Er würde „gegebenenfalls auch ohne die links-linke Babler-SPÖ als überparteilicher Kandidat“ antreten, wie er damals erklärte – verbunden mit deutlicher Kritik an der aktuellen Parteiführung unter Andreas Babler. Im Mai präzisierte er im APA-Interview, derzeit konkrete Vorbereitungen für eine etwaige Kandidatur zu treffen, und ließ erkennen: „Es geht stark in Richtung überparteiliche Plattform.“ Auch der burgenländische ORF berichtete im Mai, dass eine solche überparteiliche Initiative von Vertretern verschiedener politischer Lager unterstützt werden solle.

Wer der 74-Jährige ist

Niessl war fast zwei Jahrzehnte lang Landeshauptmann des Burgenlandes und damit der am längsten dienende Amtsinhaber nach Theodor Kery. Seine politische Laufbahn begann der gelernte Lehrer als Bürgermeister von Frauenkirchen; nach dem Bank-Burgenland-Skandal wurde er 1999 überraschend zum SPÖ-Spitzenkandidaten gekürt und gewann in der Folge die Landtagswahl. Mit seinem „burgenländischen Weg“ machte er das Burgenland zu einer dynamischen Region und trieb den Ausbau von Infrastruktur und Tourismus voran. Insgesamt war er sieben Mal als Spitzenkandidat angetreten – vier Mal auf Landesebene, drei Mal in seiner Heimatgemeinde.

Rückendeckung vom Nachfolger – Zurückhaltung an der Parteispitze

Bislang sicherte laut oe24 nur ein hochrangiger roter Parteigrande Niessl öffentlich dezidiert seine Unterstützung zu: sein Nachfolger im Amt des burgenländischen Landeshauptmanns, Hans Peter Doskozil. Bereits im Februar hatte Doskozil bekräftigt, Niessl im Fall einer Kandidatur jedenfalls unterstützen zu wollen – unabhängig davon, ob dieser für die SPÖ oder überparteilich antritt: „Ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass ich meinem Vorgänger persönlich sehr viel zu verdanken habe und dass er auch sehr viel für das Burgenland geleistet hat.“ Niessl habe sich als Landeshauptmann „große Verdienste erworben“ und genieße „Anerkennung über Parteigrenzen hinweg“, so Doskozil laut weekend.at. Auch aus der ÖVP kam bereits vereinzelt Zustimmung: Der niederösterreichische Landwirtschaftskammerpräsident und ÖVP-Nationalratsabgeordnete Johannes Schmuckenschlager bezeichnete einen überparteilichen Antritt Niessls als „vernünftig“ und „gescheit“.

Die Parteispitze in Wien reagierte hingegen deutlich zurückhaltender. SPÖ-Chef Babler erklärte im Ö1-„Mittagsjournal“ lediglich, man habe „geordnete Prozesse“ in der Partei und werde sich „sicher zeitgerecht“ über die Kandidatenfrage für 2028 unterhalten – aktuell beschäftige man sich aber mit anderen Themen wie Inflationsbekämpfung und Wirtschaftswachstum.

Ein offenes Rennen

Die nächste Bundespräsidentenwahl ist turnusmäßig im Herbst 2028 angesetzt. Amtsinhaber Alexander Van der Bellen kann nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Mit Wohlgemuths aktueller Wortmeldung rückt die parteiinterne Debatte um eine mögliche SPÖ-Kandidatur nun erneut in den Fokus – während Niessl selbst offenkundig längst weiter an einer eigenen, überparteilichen Option arbeitet, unabhängig davon, ob ihn die Bundes-SPÖ am Ende offiziell nominiert.

Credits: Wikipedia

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