Der jahrelange Streit um den legendären Habsburger-Familienschmuck bekommt eine neue Wendung – und die geht klar gegen Österreichs Bemühungen um eine Rückholung. Die kanadische Provinz Québec hat die wertvollen Juwelen nun offiziell unter ihren Schutz gestellt.
Ein Dekret schützt die Sammlung
Die Regierung von Québec hat die Habsburger-Juwelen per Dekret für die Dauer einer geplanten Ausstellung im Nationalmuseum von Québec für unpfändbar erklärt, wie Heute.at berichtet. Das entsprechende Dekret wurde in der offiziellen Regierungszeitung der Provinz veröffentlicht und listet die betroffenen Kunstwerke einzeln auf. An erster Stelle steht dabei der berühmte, 137 Karat schwere „Florentiner“-Diamant, um den sich zuletzt die Debatte entzündet hatte, ob Österreich oder auch Italien Ansprüche auf die historischen Juwelen geltend machen könnten. Ebenfalls unter Schutz gestellt wurde unter anderem ein Orden vom Goldenen Vlies aus dem Besitz von Kaiser Joseph II., den Kaiser Karl I. auf seinem Totenbett getragen haben soll.
Karl Habsburg begrüßt die Entscheidung
Das heutige Oberhaupt der Familie, Karl Habsburg, zeigte sich mit dem Schritt zufrieden. „Wir begrüßen die Entscheidung der Regierung von Québec, die Schmuckstücke vor potentiellen Ansprüchen Dritter zu schützen“, erklärte er laut Heute.at. Zugleich bekräftigte er die Rechtsauffassung der Familie unmissverständlich: „Denn es bestehen für uns keinerlei Zweifel daran, dass es sich um privaten Familienschmuck handelt, dessen rechtmäßiger Eigentümer heute ein kanadischer Trust ist.“ Zur historischen Bedeutung Kanadas für die Familie sagte Habsburg weiter: „In Kanada wurde unsere Familie 1940 auf der Flucht gerettet und vor zutiefst widrigen Zeitumständen geschützt; dort haben die Schmuckstücke bis zum heutigen Tage eine neue Heimat gefunden.“ Zusammen mit der geplanten öffentlichen Ausstellung sehe man das Dekret „auch als bedeutendes Zeichen andauernden gegenseitigen Vertrauens“.
Wie der Schmuck nach Kanada kam
Ex-Kaiserin Zita hatte die Juwelen nach dem Ende der Habsburgermonarchie ins Exil mitgenommen. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten brachte sie den Familienschmuck 1940 gemeinsam mit ihren Kindern nach Québec und übertrug ihn dort in einen Trust, um ihn vor einer Veräußerung zu schützen – Verwalter der Sammlung ist heute der kanadische Unternehmer Andrew Molson, wie Radio-Canada berichtet. Nach dem Wunsch der früheren Kaiserin, die Québec 1940 bis 1948 als Exil diente, soll die Sammlung 100 Jahre nach dem Tod ihres Mannes, Kaiser Karl, öffentlich in Kanada gezeigt werden. Zu den weiteren Ausstellungsstücken zählen unter anderem zwei mit Edelsteinen besetzte Uhren, die einst Marie Antoinette gehört haben sollen. Wann die Ausstellung eröffnet wird, geht aus dem aktuellen Dekret nicht hervor.
Bereits erste offizielle Signale im November
Bereits im November 2025, kurz nachdem die jahrzehntelang als verschollen geltende Sammlung öffentlich bekannt geworden war, hatte der zuständige Kulturminister der Provinz, Mathieu Lacombe, in einer Aussendung der Québecer Regierung das Interesse seiner Regierung sowie des Nationalmuseums an einer Ausstellung der Sammlung bekräftigt. Er sprach von einer „wirklich einzigartigen Geschichte, die Québec mit der Familie Habsburg verbindet“, auf die man stolz sein könne.
Ein Rückschlag für Bablers Rückholpläne
Für Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ), der sich zuletzt um eine Rückführung des Schmucks nach Österreich bemüht hatte, ist die aktuelle Entwicklung ein deutlicher Dämpfer. Bereits im Juli hatte es laut Heute.at brisante Dokumente gegeben, die Bablers Vorstoß erschwerten. Mit der neuen Unpfändbarkeitserklärung durch die Provinzregierung dürfte sich eine mögliche rechtliche Auseinandersetzung um den Schmuck nun noch schwieriger gestalten – der kanadische Trust und die Familie Habsburg selbst sehen ihre Eigentumsposition dadurch zusätzlich gestärkt.
Credits: Parlamentsdirektion/Thomas Topf
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