Er hat als Anwalt womöglich für jene Gesellschaften gearbeitet, die er schon bald als oberster Kontrolleur beaufsichtigen soll: Johannes Zink, enger Vertrauter von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, gilt als Favorit für den Vorsitz im Aufsichtsrat der Burgenland Energie – ausgerechnet jenes Unternehmens, in dessen Umfeld seine Kanzlei seit Jahren tätig sein könnte. Mit 79 Fragen und über 100 Einzelauskünften will die FPÖ nun klären, wie eng Rechtsberatung, politische Nähe und wirtschaftliche Interessen bei Zink tatsächlich miteinander verwoben sind.
Der nächste Schritt in einem angekündigten Anfrage-Marathon
Nach den Informationsfreiheitsanträgen rund um die mittlerweile liquidierte Personalberatung Arthur Hunt setzt FPÖ-Klubobmann Christian Ries seinen Anfrage-Marathon fort. Am 4. August 2026 übermittelte er drei Informationsbegehren an das Amt der Burgenländischen Landesregierung, die Landesholding Burgenland GmbH und die Burgenland Energie AG – insgesamt 79 nummerierte Fragen, die durch zahlreiche Unterfragen laut Auswertung von exxtra24 auf weit mehr als 100 Einzelauskünfte anwachsen. Der Abfragezeitraum beginnt jeweils mit 1. Jänner 2015.
Im Zentrum steht die Frage, welche anwaltlichen, rechtlichen, strategischen oder wirtschaftlichen Leistungen Zink, die hba Rechtsanwälte GmbH oder verbundene Gesellschaften seit 2015 für das Land Burgenland und landesnahe Unternehmen erbracht haben. Zink wird von seiner Kanzlei als Partner und geschäftsführender Gesellschafter geführt und bekleidet zugleich mehrere Aufsichtsratsfunktionen im Landesumfeld, unter anderem bei den Kulturbetrieben Burgenland, der Burgenland Energie AG und der ATHENA Burgenland Beteiligungen AG. Das Magazin „profil“ zählt ihn zum sogenannten Küchenkabinett von Doskozil.
Mandate, Honorare und mögliche Interessenkonflikte
Die Anträge verlangen eine vollständige Aufschlüsselung sämtlicher Mandate, Honorare, Vergabeverfahren und Auswahlkriterien seit 2015. Besonders brisant: Die FPÖ will wissen, ob Zinks Kontrollfunktionen zeitlich mit Beratungsmandaten seiner Kanzlei zusammenfielen – und falls ja, ob eine mögliche Befangenheit geprüft wurde, ob sich Zink bei betroffenen Entscheidungen enthielt und ob das protokolliert wurde. Auch Compliance-Regeln für Geschäfte mit Organmitgliedern sollen offengelegt werden. Wichtig zur Einordnung: Die Anträge stellen kein Fehlverhalten fest, sondern sollen erst klären, ob Beauftragungen ordnungsgemäß und frei von Interessenkonflikten erfolgten.

Wird Zink Aufsichtsratschef der Burgenland Energie?
Der politisch brisanteste Punkt betrifft die mögliche Bestellung Zinks zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Burgenland Energie. Laut einem Bericht des „Kurier“ soll der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Johann Sereinig das Unternehmen im August verlassen – als möglicher Nachfolger aus dem bestehenden Gremium wurde Zink genannt. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht.
Nach Informationen von exxtra24 gab es im Aufsichtsrat zudem erhebliche Bedenken gegen eine Vertragsverlängerung von CFO Reinhard Czerny; Doskozil soll zugunsten von Czernys Verbleib interveniert haben. Sereinig bestätigte gegenüber exxtra24 sowohl die Bedenken als auch die Intervention, stellte aber klar, sich künftig weder mit dem Unternehmen noch mit Doskozil oder Zink weiter befassen zu wollen.
Die Position ist keine Formsache: Die Landesholding hält 51 Prozent an der Burgenland Energie, der Aufsichtsratsvorsitz umfasst zentrale Kontrollaufgaben in Strategie und Risikomanagement. Entscheidend ist daher, ob ein möglicher Vorsitzender gleichzeitig als Rechtsberater des Landes oder Auftragnehmer landesnaher Unternehmen tätig sein kann – und wer diese Personalentscheidung nach welchen Kriterien vorbereitet.
Auch bei der Granit-Gruppe und rund um Asbestfunde im Bild
Zink ist zudem stellvertretender Aufsichtsratschef der Granit Holding GmbH, die über die Klöcher Baugesellschaft den Steinbruch Postmann in Rumpersdorf betreibt – einen von vier burgenländischen Steinbrüchen, die Anfang Jänner 2026 wegen Asbestfunden behördlich gesperrt wurden. Spätere Luftmessungen einer eingesetzten Taskforce ergaben zwar kein akutes Gesundheitsrisiko, offen bleibt aber, wann und in welchem Umfang der Aufsichtsrat mit der Problematik befasst war und ob es Kontakte zur Taskforce gab. Die Funktion allein begründet weder eine operative Verantwortung noch belegt sie konkretes Wissen Zinks über die Belastungen.
Kanzleivergaben und Zahlungen an Zack Media im Fokus
Mehrere burgenländische Rechtsanwaltskanzleien teilten exxtra24 mit, von größeren öffentlichen Ausschreibungen des Landes nichts zu wissen; eine Kanzlei erklärte, bei Vergaben nicht berücksichtigt worden zu sein – eine vollständige Erhebung ersetzt das nicht, weshalb genau das nun über die Anträge geklärt werden soll. Laut Informationen sollen Zink und hba Rechtsanwälte GmbH einen großen Einflussbereich in Burgenland haben.
Zusätzlich verlangt die FPÖ Auskunft über mögliche Zahlungen an Unternehmen mit Zink-Beteiligung, allen voran die vom früheren Grünen-Abgeordneten Peter Pilz mitgegründete Zack Media GmbH, bei der Zink seit 16. Oktober 2024 im Firmenbuch als Gesellschafter aufscheint. Eine Beteiligung allein ist kein Beleg für Unregelmäßigkeiten – doch wo Rechtsberatung, Kontrollfunktion und wirtschaftliche Interessen zusammentreffen, wächst das öffentliche Interesse an Transparenz.
Vier Wochen Frist, keine pauschale Geheimhaltung
Die Anträge lassen bei schutzwürdigen Inhalten geschwärzte Teilauskünfte statt kompletter Verweigerung zu; fehlende Unterlagen müssen als Nullmeldung ausgewiesen werden. Die Beantwortungsfrist beträgt vier Wochen, verlängerbar nur in begründeten Fällen. Bei verweigerten Auskünften kündigt Ries an, einen Bescheid zu beantragen, um die Entscheidung rechtlich prüfen zu lassen.
Politischer Druck auf Doskozil steigt
Zink, Doskozil, die Landesholding und die Burgenland Energie können offene Punkte nun durch vollständige Antworten ausräumen – Ausweichen oder pauschale Geheimhaltung würde den Druck weiter erhöhen. Ob Zink tatsächlich an die Spitze des Aufsichtsrats rückt, ist offen, doch der Fragenkatalog dürfte verhindern, dass die Entscheidung geräuschlos fällt. Ein Misstrauensantrag gegen Doskozil gilt vorerst als unwahrscheinlich: Nach Informationen aus mehreren politischen Lagern, auch aus dem SPÖ-Umfeld, gibt es Vorbehalte gegen einen vorschnellen Schritt – ernsthaft erwogen würde er wohl erst, wenn die Anträge belegbare Sachverhalte zutage fördern, für die Doskozil politisch verantwortlich zu machen wäre.
Credits: BKA, Andy Wenzel
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