SPÖ-Selbstkritik: Warum die einstige Arbeiterpartei ihre Kernwähler verliert

SPÖ-Selbstkritik: Warum die einstige Arbeiterpartei ihre Kernwähler verliert

Die Debatte über den Zustand der SPÖ bekommt neue Schärfe: Der burgenländische Klubobmann Roland Fürst stellt in einem öffentlichen Posting die Entwicklung seiner Partei unter Andreas Babler grundlegend infrage – und richtet den Blick dabei gezielt auf jene Wählergruppe, die einst als sozialdemokratische Kernklientel galt.

Vom 43-Prozent-Wert zum aktuellen Umfragetief

Fürst erinnert in seinem Posting an seinen eigenen Berufseinstieg und seine frühe Tätigkeit als Lehrlingsvertreter. Damals habe die SPÖ noch rund 43 Prozent erreicht, Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellte hätten mehrheitlich Sozialdemokratie gewählt. Die Gegenwart sieht deutlich anders aus: Laut aktueller Umfrage liegt die SPÖ nur noch bei 15 Prozent, während die FPÖ auf 38 Prozent kommt. „Heute wählt ein großer Teil dieser Menschen die FPÖ“, konstatiert Fürst nüchtern.

„Das kann und darf uns nicht kaltlassen“

Diese Entwicklung will der Klubobmann nicht einfach hinnehmen: „Und ganz ehrlich: Das kann und darf uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nicht kaltlassen, da müssen wir ja was unternehmen!“

Forderung nach schonungsloser Analyse

Besonders deutlich wird Fürst bei der Frage, warum die SPÖ auf Bundesebene unter Bablers Führung so viele Menschen aus der arbeitenden Bevölkerung verloren habe: „Warum analysieren wir nicht schonungslos, weshalb uns auf Bundesebene so viele Menschen aus der arbeitenden Bevölkerung den Rücken gekehrt haben?“ Dass solche Fragen nur intern gestellt werden sollten, lässt er nicht gelten – die Themen seien bereits „in den entsprechenden Gremien“ angesprochen worden, „mehr als einmal. Der Erfolg war überschaubar.“

Kritik an der Schuldzuweisung an Medien und Wähler

Auch mit dem parteiinternen Umgang gegenüber ehemaligen SPÖ-Wählern, die inzwischen FPÖ wählen, geht Fürst hart ins Gericht. Seine Partei solle weder darüber jammern, dass diese Menschen „falsch wählen“, noch die Verantwortung bei den Medien suchen. Stattdessen brauche es Selbstreflexion: „Was haben WIR falsch gemacht, dass uns so viele Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellte usw. nicht mehr als ihre politische Vertretung sehen?“

Erinnerung an den Gründungsauftrag der Partei

Fürst verbindet seine Kritik mit dem Selbstverständnis der Sozialdemokratie: Sie sei nicht gegründet worden, um sich mit 15 Prozent zufriedenzugeben, sondern um arbeitenden Menschen eine politische Stimme zu geben.

Klare Ansage Richtung Parteispitze

Sein Fazit richtet sich unmissverständlich an Parteichef Andreas Babler in Wien: „Denn eines ist für mich klar: Einfach so weitermachen wie bisher ist keine Option.“

Ein weiterer Riss in der SPÖ-Landschaft

Mit seinem Posting reiht sich Fürst in eine wachsende Zahl kritischer Stimmen aus den SPÖ-Bundesländern ein, die angesichts der historisch schwachen Umfragewerte offen Selbstkritik einfordern. Ob die von ihm angemahnte „schonungslose Analyse“ innerhalb der Partei tatsächlich stattfindet, bleibt abzuwarten.

Credits: Parlamentsdirektion/​Katie-Aileen Dempsey

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