„Ein Zwerg, der sich wie ein Riese benimmt“: Russische Botschaft attackiert Van der Bellen

„Ein Zwerg, der sich wie ein Riese benimmt“: Russische Botschaft attackiert Van der Bellen

Ein Halbsatz über Russland, gefallen bei einer Rede über Europas Wirtschaft, sorgt zwei Wochen später für diplomatische Verstimmung. Die russische Botschaft in Wien wirft Bundespräsident Alexander Van der Bellen vor, sich unbeholfen in die Außenpolitik einzumischen – und kontert mit einer russischen Fabel.

Was Van der Bellen gesagt hat

Die Aussage fiel laut oe24 offenbar bei der Veranstaltung „Hofburg im Dialog“ am 14. September, bei der Van der Bellen gemeinsam mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde für eine echte europäische Kapitalmarktunion warb. Dort rief er Europa auf, sich „nicht kleiner“ zu machen, als es ist, und warnte vor „Selbstverzwergung“. In einem Video, das auf X kursiert, erklärt er den Begriff auf Englisch: „Imagining Europeans as dwarfs on the world scale. We are not dwarfs. There’s a dwarf that behaves like a giant, that’s true, and that’s Russia.“ Sinngemäß also: Europäer seien keine Zwerge – es gebe aber einen Zwerg, der sich wie ein Riese benehme, und das sei Russland.

Die Antwort der Botschaft

Die russische Botschaft reagierte am Mittwoch auf X. Solche Äußerungen würden „dem Staatsoberhaupt eines Landes, dessen Souveränität und Unabhängigkeit von der Russischen Föderation als Rechtsnachfolgerin der Sowjetunion garantiert wurden, keine Ehre“ machen, heißt es laut oe24. Van der Bellen versuche „bereits nicht zum ersten Mal und dabei unbeholfen“, außenpolitische Fragen zu kommentieren. Dazu zitierte die Botschaft aus der Fabel „Der Elefant und der Mops“ des russischen Dichters Iwan Krylow: „Der Mops! Klar, ist ein starker Mann. Der bellt auch Elefanten an.“ In der Fabel bellt ein kleiner Hund einen Elefanten an, um vor anderen stark zu wirken.

Der Verweis auf 1955

Die Botschaft spielt mit ihrem Hinweis auf die Souveränität auf den Staatsvertrag von 1955 an. Mit ihm erhielt Österreich seine volle Unabhängigkeit zurück. Unterzeichnet wurde er allerdings nicht von der Sowjetunion allein, sondern gemeinsam mit den USA, Großbritannien und Frankreich. Die immerwährende Neutralität beschloss Österreich danach selbst per Verfassungsgesetz.

Nicht die erste Verstimmung

Van der Bellen sorgte zuletzt mehrfach mit außenpolitischen Aussagen für Reaktionen aus dem Ausland. Erst vor einer Woche hatte Israels Außenminister Gideon Saar ihm nach dem Vorwurf von Kriegsverbrechen im Westjordanland vorgeworfen, er solle sich „schämen“. Mit der russischen Botschaft wiederum gab es zuletzt Kontakt auf einer ganz anderen Ebene: Nach wochenlangen Beschwerden über einen Störton entschuldigte sich die Botschaft Mitte September beim Außenministerium für den Lärm defekter Dachventilatoren. Eine Reaktion der Präsidentschaftskanzlei auf das aktuelle Posting fand sich in der ersten Berichterstattung nicht.

Credits: Peter Lechner/HBF

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