Ludwig-Vertrauter Deutsch: „Bablers Verhalten ist sehr beschämend“

Ludwig-Vertrauter Deutsch: „Bablers Verhalten ist sehr beschämend“

Vor dem Treffen der SPÖ-Spitzen am Sonntag erhöht ein früherer Parteimanager den Druck auf Andreas Babler. Christian Deutsch, ehemaliger Bundesgeschäftsführer der SPÖ und Vertrauter von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, fordert im „Heute“-Interview eine rasche Entscheidung über die Parteispitze – und erinnert Babler an seine eigene Kritik von früher.

Wer am Sonntag am Tisch sitzt

Das Treffen ist für Sonntag ab 16 Uhr in Wien angesetzt, drei Stunden sind eingeplant. Die Einladung hatte Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim per E-Mail verschickt, kurz darauf wurde sie öffentlich. Eingeladen sind laut „Heute“-Informationen neben den Landesparteivorsitzenden auch ÖGB-Chef Wolfgang Katzian und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner, die zugleich SPÖ-Frauenchefin ist. Nach Darstellung von „Heute“ hatten sich zuvor sechs Bundesländer für ein solches Treffen ausgesprochen, oe24 und „Kurier“ nannten vor allem Kärnten und die Steiermark als Initiatoren.

„Das darf nicht erst im November sein“

Deutsch begrüßt, dass sich die Länder abstimmen. „Das ist der erste logische Schritt, immerhin haben die Länder auch immer wieder Kritik an Andreas Babler und der aktuellen Situation formuliert“, sagte er. Als Nächstes müsse der Bundesparteivorstand zusammentreten, dessen reguläre Sitzung für 6. November geplant ist. „Das darf nicht erst im November sein, sondern muss früher geschehen“, fordert Deutsch, alles andere sei „Herauszögern“. Dort müsse man sich entscheiden: „Wir nehmen das Angebot von Gerhard Zeiler an oder nicht. Oder wir einigen uns auf einen dritten Kandidaten.“

„Klassische Altersdiskriminierung“

Zeiler sei er dankbar für dessen Angebot, sagt Deutsch. In der Partei herrsche angesichts der Umfragen der Tenor: „So kann es nicht weitergehen. Die Unzufriedenheit in der Partei ist eine sehr große – und das schon über Monate und quer durch alle Länder.“ Bisher habe es bei der Frage nach Alternativen zu Babler immer nur geheißen, „es gibt ja niemanden“. Das einzige Argument gegen den 71-jährigen Zeiler, das er gehört habe, sei dessen Alter: „Das ist klassische Altersdiskriminierung.“

Der Seitenhieb auf Babler

Am schärfsten wird Deutsch beim Blick zurück: „Vor ein paar Jahren hätte Andreas Babler in so einer Situation seinen eigenen Rücktritt gefordert.“ Er spielt damit auf Bablers Kritik an der früheren Parteichefin Pamela Rendi-Wagner an, unter der Deutsch selbst Bundesgeschäftsführer war. Rendi-Wagner sei in Umfragen „um zehn Prozentpunkte besser gelegen als Babler heute“, sagt Deutsch. „Dass jetzt keine Konsequenzen erfolgen, ist sehr beschämend.“

Und Ludwig?

Ob Michael Ludwig seine schützende Hand von Babler bereits abgezogen hat, will Deutsch nicht beurteilen: „Ich weiß nur, dass Michael Ludwig – wie viele andere in der Partei – viele Gespräche führt. Er wird sich zum gegebenen Zeitpunkt äußern.“ Der Wiener Bürgermeister hat sich in der Führungsfrage bisher öffentlich nicht festgelegt.

Credits: Parlamentsdirektion/​Katie-Aileen Dempsey

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x