„Ruckzuck raus“: FPÖ macht Ruck-Affäre zum Fall gegen die Kammer-Pflichtmitgliedschaft

„Ruckzuck raus“: FPÖ macht Ruck-Affäre zum Fall gegen die Kammer-Pflichtmitgliedschaft

Fünf Tage nach Bekanntwerden der brisanten Gesprächsprotokolle rund um Wiens Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck (ÖVP) erhöht die FPÖ den Druck weiter – und nutzt den Skandal für eine grundsätzlichere Forderung: das sofortige Ende der Pflichtmitgliedschaft in den Kammern.

Hafeneckers Wortspiel mit ernstem Kern

„Ein Ruck muss durch die Wirtschaftskammer gehen – und zwar durch die Hintertüre hinaus, ruckzuck!“, erklärte FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker in einer aktuellen Aussendung. Die Protokolle zeigten „das wahre Gesicht dieses Systems: Posten auf Zuruf, Absprachen im Weinkeller – und der Unternehmer zahlt per Zwangsbeitrag die Rechnung für diesen ganzen Filz“. Konkret fordert die FPÖ den sofortigen Rücktritt Rucks, die vollständige Offenlegung aller Absprachen, die Veröffentlichung einer bereits seit Jänner laufenden internen WKÖ-Prüfung sowie als logische Konsequenz das Ende der Pflichtmitgliedschaft. Für alle im Zusammenhang mit der Affäre genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Kickl: „Offenbarungseid eines korrupten Systems“

Bereits kurz nach dem Bekanntwerden der ersten Protokolle hatte FPÖ-Chef Herbert Kickl in einer eigenen Aussendung scharf reagiert und von einem „unfassbaren Sittenbild aus Machtmissbrauch, Postenschieberei und tiefster Verachtung für die eigenen Mitglieder“ gesprochen. Ruck sei nach diesen Selbstbelastungen politisch untragbar und müsse sofort zurücktreten. Sein Fazit: „Was hier ans Licht kommt, ist der Offenbarungseid eines korrupten Systems, das die Österreicher seit Jahrzehnten knechtet.“ Die Zwangsmitgliedschaft und die damit verbundenen Pflichtbeiträge müssten „ersatzlos gestrichen werden“ – der bestehende Apparat sei „kein Dienstleister für die Wirtschaftstreibenden mehr, sondern ein Selbstbedienungsladen für abgehobene Funktionärs-Bonzen“.

Kein neues Thema, aber neuer Schub

Die Forderung nach einer Abschaffung der Kammer-Pflichtmitgliedschaft ist bei der FPÖ nicht neu. Bereits im November des Vorjahres hatte die Freiheitliche Wirtschaft eine entsprechende Petition gestartet. Auch im Februar sorgte ein Bericht über einen 675.000 Euro teuren externen Beratungsauftrag der Wirtschaftskammer für scharfe Kritik von FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz, der von einem „Beraterexzess“ sprach. Bereits im November 2025 hatte der Nationalrat in einer hitzigen Debatte über ähnliche Vorwürfe zu Gagenerhöhungen in der Kammer verhandelt – schon damals sprach Kickl von einem System, in dem „Selbstverwaltung draufsteht“, aber „Selbstbedienung drin“ sei.

Der aktuelle Skandal im Überblick

Auslöser der jüngsten Eskalation sind Gesprächsprotokolle, laut denen Ruck offen über Postenbesetzungen sowie in abfälliger Weise über Politiker, Unternehmer und Frauen in Führungspositionen gesprochen haben soll. Betroffen sind unter anderem die Bestellung des früheren ÖVP-Politikers Manfred Juraczka zum Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien sowie abwertende Aussagen über Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und oberösterreichische Industrievertreter. Sowohl die Wirtschaftskammer als auch das Büro von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), der in den Protokollen ebenfalls vorkommt, weisen die Vorwürfe zurück.

Die politische Stimmungslage im Hintergrund

Der aktuelle Vorstoß der FPÖ fällt in eine Phase, in der die Partei in Umfragen ohnehin deutlich zulegt. Im aktuellen APA/OGM-Vertrauensindex für Juli legte Kickl laut einer Auswertung von Börse Express um sechs Punkte zu und führt das Ranking nun mit einem klar positiven Saldo an, während mehrere Regierungsmitglieder, darunter NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger und Gesundheitsministerin Korinna Schumann, deutliche Verluste hinnehmen mussten.

Wie es weitergeht

Ob die Forderung nach einer Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft angesichts der aktuellen Affäre parlamentarisch tatsächlich neuen Schwung bekommt, ist offen – ähnliche Anträge der FPÖ wurden in der Vergangenheit von den übrigen Fraktionen im Nationalrat regelmäßig abgelehnt. Klar ist nur: Der politische Druck auf Ruck und die Wirtschaftskammer dürfte in den kommenden Tagen nicht nachlassen.

Credits: Parlamentsdirektion/​Johannes Zinner

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