Mit eindringlichen Worten hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen die 79. Bregenzer Festspiele eröffnet. Im Zentrum seiner Rede: ein Appell für Zusammenhalt trotz politischer Meinungsverschiedenheiten – und die Warnung vor einfachen Antworten auf komplexe Fragen.
Freiheit als roter Faden
Was macht eine freie, liberale Demokratie eigentlich aus? Genau diese Frage stellte sich Van der Bellen zu Beginn seiner Rede selbst und lieferte gleich mehrere Antworten: die Freiheit, zu sagen, was man denkt. Die Freiheit, frei zu wählen, wen man will. Unabhängige Gerichte und Gleichheit vor dem Gesetz. Die Freiheit, zu lieben, wen man liebt. Und schließlich, wie es der Bundespräsident selbst formulierte: „Dass wir miteinander streiten können – richtige Meinungsverschiedenheiten haben – und trotzdem miteinander auskommen können. Und beim Feuerwehrfest trotz allem gemeinsam ein Bier trinken können.“
Warnung vor der Versuchung der einfachen Antwort
„Die einfachen Antworten sind nicht immer die richtigen“, mahnte Van der Bellen in seiner Rede. Anhand mehrerer kurzer Gegenüberstellungen machte er deutlich, worauf es seiner Ansicht nach ankommt: Es sei leicht, Wut zu schüren – schwieriger, tatsächlich Lösungen zu finden. Es sei leicht, Vertrauen zu zerstören – schwieriger, es aufzubauen. Und es sei leicht, Menschen gegeneinander auszuspielen – schwieriger, sie zusammenzubringen.
Die „tragenden Fundamente unseres Hauses Österreich“
Auf die Frage, worum es im Kern eigentlich gehe, nannte der Bundespräsident eine ganze Reihe von Werten: Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit, Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit, Mitmenschlichkeit und Verantwortung. Das seien keine „altmodischen Begriffe aus dem Schulbuch“, betonte er, sondern die tragenden Fundamente des gemeinsamen Hauses Österreich. Und dieses Haus müsse gepflegt werden – nicht nur von Parlament, Regierung, Gerichten, Medien oder Schulen, sondern von allen Menschen im Land.
Der Appell: „Ich mach nicht mit“
Besonders persönlich wurde Van der Bellen bei seinem abschließenden Appell an jeden Einzelnen. Man erwarte sich von Eltern, ihren Kindern beizubringen, nicht nach unten zu treten und nach oben zu buckeln. Und von jedem Menschen erwarte er sich, dass er aufstehe und sage „Ich mach nicht mit“, wenn andere verächtlich gemacht würden oder versucht werde, das Niedrigste aus Menschen herauszuholen.
Auch Babler nutzte die Bühne für eine Grundsatzrede
Van der Bellen war bei der Eröffnung nicht der einzige Redner mit politischer Botschaft: Wie die BVZ berichtet, schlug auch Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) in seiner eigenen Eröffnungsrede zum „Zustand unserer Demokratie“ ähnliche Töne an. Festspielpräsident Hans-Peter Metzler wiederum nutzte den Anlass, um die neue Intendantin Lilli Paasikivi und den damit beginnenden Neustart des Festivals zu begrüßen.
Eine mittlerweile feste Tradition
Van der Bellens Grundsatzreden zur Eröffnung der Bregenzer Festspiele sind über die Jahre zu einer Art fixem Bestandteil des Festivals geworden. Wie die BVZ weiter berichtet, trat der Bundespräsident heuer im Vergleich zu früheren Jahren eher gelassen und mit einem Schuss Humor auf, blieb dabei aber – wie schon in den Vorjahren – bewusst vage, was konkrete Namen oder Parteien betraf.
Credits: Peter Lechner/HBF
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