Wochenlang hatte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig zu Walter Ruck gehalten, als dessen eigene Partei sich längst distanzierte. Nun, da der Rücktritt tatsächlich da ist, fällt seine Reaktion bemerkenswert knapp aus.
Ein Dankeschön statt einer Erklärung
Nachdem Ruck am Donnerstag bei einer Vorstandssitzung des Wiener Wirtschaftsbundes seinen Rückzug ins Privatleben angekündigt hatte, meldete sich auch der Bürgermeister zu Wort – allerdings denkbar knapp. Ludwig bedankte sich bei Ruck für „die langjährige Zusammenarbeit“, wie oe24 berichtet. Zur causa selbst, zu den Vorwürfen oder zu seiner eigenen wochenlangen Rückendeckung äußerte er sich nicht. Stattdessen richtete er den Blick sofort nach vorne: Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit der neuen WKW-Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits, Wirtschaftskammer und Stadt verbinde „eine starke und erfolgreiche Partnerschaft“.
Von voller Rückendeckung zu wortkargem Dank
Der Kontrast zu Ludwigs früheren Aussagen könnte kaum größer sein. Noch vor rund zwei Wochen hatte der Bürgermeister öffentlich betont, mit Ruck immer „ein ausgesprochen gutes Einvernehmen“ gehabt zu haben, und einen Rücktritt ausdrücklich nicht erwartet. Auch Vizebürgermeisterin Barbara Novak (SPÖ), die in den durchgesickerten Gesprächsprotokollen selbst wenig schmeichelhaft von Ruck erwähnt worden war, hielt sich zurück: Sie erwähnte ihren einstigen Verhandlungspartner in ihrer Stellungnahme gar nicht, gratulierte aber der Nachfolgerin und wünschte ihr „viel Kraft, Erfolg und die notwendige Unterstützung für die kommenden Aufgaben“, wie aus der Aussendung hervorgeht, die oe24 zitiert.
Kriz-Zwittkovits deutlicher: „Ich habe keinen Weinkeller“
Deutlich klarer positionierte sich die neue WKW-Chefin selbst. Namens der causa – den brisanten Gesprächen, die Ruck in seinem privaten Weinkeller geführt haben soll – erklärte Kriz-Zwittkovits laut oe24: „Ich habe keinen Weinkeller, sondern offene Türen für die Unternehmerinnen und Unternehmer dieser Stadt. Jetzt kommt es zu einem Neuanfang.“ Auch der sozialdemokratische Wirtschaftsverband (SWV) begrüßte den Wechsel als „Chance, den eingeschlagenen Reformkurs innerhalb der Wirtschaftskammerorganisation entschlossen fortzusetzen“.
Ruck selbst bleibt bei Dementi light
Ruck äußerte sich in der Aussendung des Wirtschaftsbundes selbst nicht. Bereits am Freitag zuvor, angesichts seines drohenden ÖVP-Parteiausschlusses, hatte er eine „Kampagne“ gegen sich beklagt, ohne die kolportierten Aussagen klar zu dementieren: „Es gibt keinen einzigen rechtlich relevanten Vorwurf“, schrieb er damals, räumte aber Aufregung über ihm „in den Mund gelegte, flapsige, private Aussagen“ ein.
Schultz: „Den richtigen Schritt gesetzt“
Bundesweit fiel die Reaktion der WKO-Präsidentin und Bundes-Wirtschaftsbund-Chefin Martha Schultz deutlich aus. „Walter Ruck hat den richtigen Schritt gesetzt und Verantwortung übernommen“, erklärte sie laut oe24. Schultz hatte bereits nach den ersten Enthüllungen öffentlich einen Rücktritt nahegelegt und zeigte sich nun erfreut, dass Kriz-Zwittkovits bereit sei, „konstruktiv und aktiv an den Reformbemühungen mitzuarbeiten“.
Wie sich die Affäre zuspitzte
Ausgangspunkt der Krise waren Gesprächsprotokolle, aus denen „Profil“ und „Krone“ vor rund zwei Wochen zitierten – Ruck soll darin über Postenbesetzungen und Listenerstellungen innerhalb der Wiener ÖVP gesprochen sowie sich abfällig über Stadträtin Novak, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Industrievertreter geäußert haben. Am vergangenen Mittwoch veröffentlichte oe24 selbst Teile eines Audiomitschnitts und nannte erstmals auch die weiteren Gesprächsteilnehmer – darunter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy und SWV-Chef Marko Fischer. Am Donnerstag griff zudem der „Kurier“ Passagen auf, in denen Ruck von angeblichen Interventionen bei Bürgermeister Ludwig im Zusammenhang mit dem Unfallkrankenhaus Meidling gesprochen haben soll. Trotz seines Parteiausschlusses durch die ÖVP am Freitag zuvor hatte Ruck innerhalb der Wiener Kammerstrukturen zunächst weiter Rückhalt genossen – auch Kriz-Zwittkovits selbst hatte ihn in den ersten Tagen noch verteidigt und Berichte über einen erzwungenen Listenverzicht zugunsten von Rucks Sohn dementiert.
Credits: Von C.Stadler/Bwag – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=93841266 / mit KI-Erweiterung
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