Nach wochenlangem Druck: Walter Ruck tritt zurück

Nach wochenlangem Druck: Walter Ruck tritt zurück

Die Affäre um geheime Tonbandaufnahmen hat nun doch noch zu dem Schritt geführt, den viele erwartet hatten: Walter Ruck zieht sich als Präsident der Wirtschaftskammer Wien und als Obmann des Wirtschaftsbundes Wien zurück. Seine Nachfolgerin steht bereits fest.

Der Rücktritt kommt per Aussendung

Bestätigt wurde der Schritt vom Wiener Wirtschaftsbund selbst. In einer Presseaussendung heißt es: „Walter Ruck, Präsident der WK Wien und Obmann des WB Wien, hat in der heutigen Vorstandssitzung des Wirtschaftsbund Wien mitgeteilt, dass er sich ins Privatleben zurückzieht“, wie oe24 aus der Erklärung zitiert. Der Vorstand dankte Ruck für seine Arbeit.

Wochen unter Dauerbeschuss

Vorausgegangen war eine wochenlange Krise, ausgelöst durch ein geheimes Gesprächsprotokoll aus Rucks Weinkeller, aus dem zunächst „Profil“ und „Krone“ zitiert hatten. Darin soll sich Ruck unter anderem abfällig und in misogyner Weise geäußert sowie geschildert haben, wie er Posten für Parteifreunde organisierte. Die ÖVP hatte Ruck bereits aus der Partei ausgeschlossen, sein Amt in der Wirtschaftskammer wollte er zunächst dennoch behalten. Zuletzt geriet sogar die Frage in den Fokus, wer die Aufnahme überhaupt angefertigt haben könnte – der Verdacht war auf den SWV-Präsidenten und WKW-Vizepräsidenten Marko Fischer gefallen, der dies über seinen Anwalt bestritt.

Kriz-Zwittkovits übernimmt

Als Nachfolgerin steht bereits Margarete Kriz-Zwittkovits fest. Sie übernimmt sowohl das Amt der WKW-Präsidentin als auch die Funktion als Obfrau des Wirtschaftsbundes Wien. In ihrer ersten Stellungnahme betonte sie die Notwendigkeit eines Neustarts: „Die Ereignisse der letzten Wochen haben zu nachvollziehbaren Irritationen geführt, die von unserer eigentlichen Arbeit abgelenkt haben. Meine Aufgabe sehe ich darin, möglichst rasch einen Neubeginn zu organisieren und das verlorene Vertrauen wiederherzustellen, sowie den laufenden Reformprozess zügig und umsichtig umzusetzen“, so Kriz-Zwittkovits laut oe24.

Ein Seitenhieb zum Abschluss

Bemerkenswert deutlich fiel eine weitere Aussendung der neuen Präsidentin aus, in der sie sich – ohne Rucks Aussagen direkt zu kommentieren – doch spürbar von seinem Stil distanzierte: „Ich habe mit Präsident Ruck ein sehr gutes Arbeitsverhältnis gehabt. Seinen Schritt, sich nun ins Privatleben zurückzuziehen, halte ich für richtig. Ich werde die einzelnen Aussagen nicht kommentieren, diese betreffen die Vergangenheit. Lassen Sie es mich so sagen: Ich habe keinen Weinkeller, sondern offene Türen für die Unternehmerinnen und Unternehmer dieser Stadt. Jetzt kommt es zu einem Neuanfang“, zitiert oe24 die neue WKW-Chefin.

Ein Schlussstrich unter eine turbulente Affäre

Mit dem Rücktritt endet vorerst eine Affäre, die über Wochen die Wiener Wirtschaftskammer und die ÖVP-nahe Wirtschaftspolitik erschütterte – von den ersten Leaks über den Parteiausschluss bis zur zuletzt aufgekommenen Frage, ob die Aufnahme möglicherweise aus einem parteiinternen Machtkampf heraus lanciert wurde. Ob und welche rechtlichen Nachspiele die ungeklärte Herkunft der Tonaufnahme noch hat, bleibt trotz Rucks Rückzug offen.

Credits: Christian Skalnik/WKW

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