Walter Ruck ist zurückgetreten – nach Wochen, in denen ihm ausgerechnet ein SPÖ-Politiker bis zuletzt den Rücken gestärkt hatte. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hielt demonstrativ an seinem Wirtschaftskammer-Partner fest, während selbst dessen eigene Partei längst auf Distanz gegangen war. Nun steht der Bürgermeister mit leeren Händen da – und einigen offenen Fragen.
Ludwigs klare Ansage: „Walter tritt nicht zurück“
Kaum eine Aussage aus der wochenlangen Affäre dürfte Ludwig heute so nachhängen wie jene vom 21. Juli. Im APA-Interview erklärte der Bürgermeister damals unmissverständlich, er rechne nicht mit einem Rücktritt Rucks: „Ich kenne den Wortlaut dieser Gespräche nicht, ich war ja auch nicht dabei“, sagte Ludwig, wie unter anderem wien.ORF.at dokumentiert. Er kenne Ruck als „umsichtigen und vertrauensvollen Gesprächspartner“ und verwies auf die gemeinsame Bilanz – etwa den Beschäftigungsrekord von 945.000 Erwerbstätigen in Wien. Auch der Wirtschaftsbund Wien selbst legte damals nach: Sein Vizeobmann Martin Heimhilcher erklärte, man stehe „geschlossen hinter Walter Ruck“, Rücktrittsgerüchte seien „frei erfunden“ und würden „böswillig von Kampagnenmachern gestreut“, wie wien.ORF.at berichtete.
Ein Bürgermeister zunehmend isoliert
Was Ludwigs Position besonders exponiert machte: Er stand mit seiner Unterstützung fast allein da. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hatte bereits am 20. Juli lückenlose Aufklärung gefordert und die Aussagen Rucks „irritierend“ genannt. WKO-Präsidentin Martha Schultz erwartete öffentlich „die richtigen Schritte“ von Ruck – von vielen als indirekte Rücktrittsaufforderung gelesen. Selbst innerhalb der eigenen Partei wuchs der Druck auf Ludwig: SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner kritisierte das Konzept „exklusiver Herrenrunden“ als „verstaubtes Politikverständnis, das im Jahr 2026 nichts mehr zu suchen hat“, wie news.ORF.at berichtet – SPÖ-Chef Andreas Babler schloss sich dem an.
Grüne forderten schon vor Wochen: „Ludwig muss Charakterstärke beweisen“
Besonders scharf ging der Wiener Grüne-Chef Peter Kraus mit dem Bürgermeister ins Gericht. In einer Aussendung auf der Plattform OTS erklärte er bereits am 24. Juli: „Bürgermeister Ludwig muss Walter Ruck unmissverständlich den Rücktritt nahelegen – auch wenn es persönlich schwerfällt.“ Wegschauen sei „keine politische Strategie“ und Durchtauchen „keine verantwortungsvolle Führung“, so Kraus. Auch das Schweigen weiterer SPÖ-Funktionäre wertete er als Hinweis darauf, dass Kritik an Ruck innerhalb der Wiener Sozialdemokratie nicht erwünscht gewesen sei.
Die entscheidende Frage: Wie geht es jetzt weiter?
Mit Rucks Rücktritt am Donnerstag hat sich die Ausgangslage grundlegend verändert – Ludwigs Prognose vom 21. Juli ist damit Makulatur. Eine öffentliche Stellungnahme des Bürgermeisters zum tatsächlichen Rückzug seines langjährigen Wegbegleiters liegt zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht vor. Offen ist damit vorerst, ob Ludwig seine wochenlange Rückendeckung für Ruck nachträglich kommentieren oder relativieren wird – und ob die politische Kritik an seiner Haltung, wie sie zuletzt von den Grünen und Teilen der eigenen Partei geäußert wurde, mit dem Rücktritt verstummt oder erst jetzt so richtig einsetzt. Klar ist: Für den Bürgermeister bleibt die Episode ein Beispiel dafür, wie sehr er sich mit seiner Ruck-Nähe politisch exponiert hatte – ganz unabhängig davon, wie er nun offiziell reagiert.
Credits: Stadt Wien / Christian Jobst
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