Kaum hatte Walter Ruck seinen Rücktritt erklärt, stand seine Nachfolgerin schon fest: Margarete Kriz-Zwittkovits übernimmt sowohl den Vorsitz des Wirtschaftsbundes Wien als auch die Präsidentschaft der Wirtschaftskammer Wien. Wer ist die Frau, die nun die Aufgabe hat, nach wochenlangen Turbulenzen wieder Ruhe in die Kammer zu bringen?
Eine Unternehmerin mit vielen Standbeinen
Wie oe24 berichtet, war die Nachfolge nach Rucks Rücktritt am Donnerstag bereits am selben Tag geklärt: Kriz-Zwittkovits übernimmt beide Spitzenfunktionen. Die 1959 in Eisenstadt geborene Politikerin ist selbst seit Jahrzehnten unternehmerisch aktiv. Wie aus ihrem Wikipedia-Eintrag hervorgeht, gründete sie 1986 ein eigenes Unternehmen in den Bereichen kosmetische Dienstleistungen und Parfümerie-Großhandel, seit 1990 ist sie zusätzlich im Bauträgergeschäft mit Schwerpunkt auf Fachmarktzentren und Wohnungen tätig. Vor ihrer politischen Karriere hatte sie zunächst Medizin studiert, sich dann aber für den unternehmerischen Weg entschieden.
Von der Bezirkspolitik in die Kammerspitze
Kriz-Zwittkovits ist in der Wiener ÖVP und der Wirtschaftskammer längst keine Unbekannte. Von 2021 bis 2025 saß sie für die ÖVP im Wiener Landtag und Gemeinderat, wie ihr Wikipedia-Eintrag dokumentiert. In der Wirtschaftskammer Wien war sie zuletzt bereits Vizepräsidentin und Landesvorsitzende von „Frau in der Wirtschaft“, zudem fungiert sie als Bezirksgruppenobfrau des 19. Bezirks Döbling – sowohl für die Kammer als auch für den Wirtschaftsbund, wie die Wirtschaftskammer Wien auf ihrer eigenen Website ausweist. Von 2008 bis 2014 stand sie zudem an der Spitze des Österreichischen Gewerbevereins, dessen Ehrenpräsidentin sie bis heute ist.
„Ich habe keinen Weinkeller, sondern offene Türen“
Ihren neuen Job tritt Kriz-Zwittkovits unter denkbar schwierigen Vorzeichen an. Vorausgegangen war eine wochenlange Affäre um ein geheimes Gesprächsprotokoll aus Rucks Weinkeller, in dem dieser sich unter anderem misogyn geäußert haben soll. In einer ersten Stellungnahme grenzte sich die neue Präsidentin dezent, aber deutlich von ihrem Vorgänger ab: „Ich habe mit Präsident Ruck ein sehr gutes Arbeitsverhältnis gehabt. Seinen Schritt, sich nun ins Privatleben zurückzuziehen, halte ich für richtig. Ich werde die einzelnen Aussagen nicht kommentieren, diese betreffen die Vergangenheit. Lassen Sie es mich so sagen: Ich habe keinen Weinkeller, sondern offene Türen für die Unternehmerinnen und Unternehmer dieser Stadt. Jetzt kommt es zu einem Neuanfang“, zitiert oe24 die neue WKW-Chefin.
Der Auftrag: Vertrauen zurückgewinnen
Auch in ihrer offiziellen Antrittserklärung machte Kriz-Zwittkovits deutlich, dass sie sich der Ausnahmesituation bewusst ist: „Die Ereignisse der letzten Wochen haben zu nachvollziehbaren Irritationen geführt, die von unserer eigentlichen Arbeit abgelenkt haben. Meine Aufgabe sehe ich darin, möglichst rasch einen Neubeginn zu organisieren und das verlorene Vertrauen wiederherzustellen, sowie den laufenden Reformprozess zügig und umsichtig umzusetzen“, so Kriz-Zwittkovits laut oe24. Sie betonte zugleich, sich auf die „großen Aufgaben“ zu freuen, auch wenn diese sie überraschend ereilt hätten.
Erste Frau an der Spitze der Wiener Wirtschaftskammer
Mit ihrer Bestellung übernimmt erstmals eine Frau die Präsidentschaft der Wirtschaftskammer Wien – ein Umstand, der angesichts der frauenfeindlichen Aussagen, die ihrem Vorgänger vorgeworfen werden, zusätzliches politisches Gewicht bekommt. Ob es Kriz-Zwittkovits gelingt, die Kammer nach den turbulenten Wochen wieder zu einer geeinten Interessenvertretung zusammenzuführen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen müssen.
Credits: gewerbeverein.at
Neueste Kommentare