„Politik bestraft uns für unseren Erfolg“: Festspielpräsident rügt Babler bei Eröffnung

„Politik bestraft uns für unseren Erfolg“: Festspielpräsident rügt Babler bei Eröffnung

Bei der Eröffnung der 80. Bregenzer Festspiele hat Präsident Hans-Peter Metzler unmissverständlich Kritik an der Kulturförderung des Bundes geübt – mit Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) mitten im Publikum, dessen überraschte Miene die ORF-Kameras direkt einfingen.

Die Rüge bei der Eröffnung

„Kultur braucht Disziplin und Vertrauen“, sagte Metzler bei der Eröffnungsfeier. Die Bregenzer Festspiele hätten ihre kulturelle, wirtschaftliche und internationale Wirkung eindrucksvoll bewiesen – „dennoch wurde die Basisförderung seit 15 Jahren nicht angepasst. Die finanzielle Unterstützung der Festspiele ist heute so gering wie nie zuvor.“ Namentlich genannt wurde Babler in der Rede nicht, die Botschaft war aber unmissverständlich an die Regierung gerichtet.

Wie es zur Kürzung kam

Bereits im Juni 2025 hatten Bund, Land Vorarlberg und Stadt Bregenz beschlossen, ihre jährlichen Subventionen für die Jahre 2025 und 2026 um 30 Prozent zu kürzen. Das bedeutet für die Festspiele ein Minus von 2,1 Millionen Euro pro Jahr – von bisher 6,9 Millionen Euro auf rund 4,8 Millionen Euro. Wie der ORF Vorarlberg damals berichtete, waren ursprünglich sogar Kürzungen von 50 Prozent im Raum gestanden, ehe man sich im Kuratorium auf den geringeren, aber immer noch empfindlichen Einschnitt einigte. Bund und Land hatten sich zuvor über die ursprünglichen, noch schärferen Kürzungspläne des Kulturministeriums öffentlich echauffiert.

Bablers Rechtfertigung damals

Kulturminister Babler begründete die Kürzung damals mit der allgemeinen Budgetsanierung: „Auch im Kunst- und Kulturbereich gilt: Breitere Schultern können größere Lasten tragen.“ In einer Aussendung der Festspiele zeigte er sich zudem „froh“, dass man gemeinsam einen „großen Beitrag zur Budgetsanierung“ habe vereinbaren können. Die Einigung im Kuratorium sei nach intensiver Diskussion letztlich einstimmig gefallen, wie der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch (SPÖ) betonte.

Ein Detail, das besonders schmerzt

Wie brisant die Situation für die Festspiele war, zeigen frühere Aussagen von kaufmännischem Direktor Michael Diem, der die finanzielle Verantwortung für das Festival bereits seit 2008 trägt. Weil die Subventionen bereits seit 2016 nicht mehr erhöht worden waren, hatte sich durch den zusätzlichen Kaufkraftverlust ein Fehlbetrag von insgesamt 4,6 Millionen Euro jährlich aufgebaut – ein Minus von 66 Prozent gegenüber dem, was bei einer Inflationsanpassung eigentlich notwendig gewesen wäre. „Die Subventionskürzung hat uns am Spielbein erwischt und geschwächt“, so Diem. Als Konsequenz wird es 2027 kein eigenständiges Schauspielprogramm mehr bei den Bregenzer Festspielen geben, da auch die Kooperation mit dem Bregenzer Theater Kosmos ausläuft.

Ungewissheit über die Zukunft ab 2027

Erst kürzlich, wenige Tage vor der diesjährigen Eröffnung, hatte Metzler gegenüber der APA seine Sorge über die ausstehende Zusage für 2027 geäußert: „Wir haben im Juni 2025 die Hiobsbotschaft erhalten, dass der Bund die Subventionen zwei Jahre lang um 30 Prozent kürzt. Wir haben das schlucken müssen.“ Zwar gehe er davon aus, dass die ursprüngliche, zeitlich befristete Zusage eingehalten werde – konkrete Informationen aus Wien gebe es dazu bislang aber nicht. Besonders deutlich wurde Metzler mit einem Vergleich zu anderen großen Kulturinstitutionen: „Die Bregenzer Festspiele sind die einzigen unter den großen Kulturunternehmen in Österreich, deren Subventionen gekürzt wurden. Bei den Salzburger Festspielen wurde nicht gekürzt, auch nicht bei den Bundestheatern. Die Politik bestraft uns immer noch für unseren Erfolg.“

Bablers Antwort bei der Eröffnung

Nach der Rüge Metzlers trat später auch Babler selbst ans Rednerpult. Dort schlug er nachdenkliche Töne an und thematisierte unter anderem die Herausforderungen der Kulturbranche durch künstliche Intelligenz: „Der technologische Fortschritt sollte uns Arbeit abnehmen und mehr Zeit für Kultur geben. Und jetzt macht eine KI Musik und gefährdet die ökonomische Grundlage unserer Künstler. Wenn man das alles so hört, möchte man oftmals verzweifeln.“ Er habe daraufhin versucht, im Programm der Festspiele selbst Abhilfe zu finden: „Die Kunst kann helfen“, so der Vizekanzler.

Credits: BKA, AndyWenzel

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