Die Pensionsdebatte ist zurück. ÖVP und NEOS wollen das Antrittsalter reformieren, die SPÖ blockiert – und eine Wirtschaftsforscherin hält den ÖVP-Vorschlag für unpraktikabel.
Ottenschläger: Akademiker länger, Pfleger früher
ÖVP-Finanzsprecher Andreas Ottenschläger hat in der ORF-Sendung „Hohes Haus“ eine neue Debatte über das Pensionssystem angestoßen. Die staatlichen Zuschüsse zum Pensionssystem seien der „größte Brocken“ – daher brauche es eine Reform, die stärker auf Versicherungsjahre abstelle. Konkret: Es sei denkbar, dass bestimmte Berufsgruppen – gemeint sind Akademiker – ein höheres Antrittsalter haben als Menschen, die in der Pflege oder am Bau arbeiten, wie die Kronen Zeitung berichtet. „Die ÖVP steht für eine Weiterentwicklung des Pensionssystems“, sagte Ottenschläger. Ob noch in dieser Legislaturperiode etwas kommt, ließ er offen.
NEOS und ÖVP einer Meinung – SPÖ blockiert
NEOS-Sozialsprecher Johannes Gasser begrüßt die Diskussion laut Kronen Zeitung: „Die steigende Lebenserwartung muss sich in irgendeiner Form im Pensionssystem widerspiegeln. Das können ein höheres Antrittsalter oder höhere Abschläge sein.“ Man müsse jetzt diskutieren, „bevor das System kollabiert.“ Ottenschläger bestätigt, mit den NEOS einer Meinung zu sein – „aber die SPÖ sieht das alles noch sehr skeptisch.“ Das Sozialministerium unter Korinna Schumann lehnt branchenspezifische Antrittsalter laut Kronen Zeitung ausdrücklich ab: „Ein branchenspezifisches Pensionsantrittsalter ist unpraktikabel und würde einen beinahe undurchführbaren Aufwand verursachen.“ Branchen seien keine homogenen Einheiten – das bestehende Modell der Schwerarbeitspension sei der richtige Ansatz.
Korosec: Frühestens 2040, KI bedenken
ÖVP-Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec erteilte Reformen in dieser Legislaturperiode eine klare Absage: In dieser Periode werde keine Anhebung kommen. Langfristig aber müsse man über Veränderungen nachdenken, die 2040 greifen könnten – und dabei auch berücksichtigen, wie sich die Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz verändert haben werde, sagte Korosec gegenüber der Kronen Zeitung.
Expertin: Branchenmodell unpraktikabel – aber Gesamtreform nötig
WIFO-Pensionsexpertin Christine Mayrhuber, die auch die Alterssicherungskommission leitet, teilt zwar den Reformbedarf – nicht aber den Weg. Von unterschiedlichen Antrittsaltern nach Branchen hält sie laut Kronen Zeitung nichts: „Eine ausreichende Unterscheidung gibt es schon jetzt“ – etwa über die Korridorpension, die Langzeitversicherten ab 63 Jahren den Ruhestand ermöglicht. Was Mayrhuber stattdessen empfiehlt: eine generelle Anhebung des Antrittsalters. Dafür brauche es aber Zeit – nicht zuletzt, weil die Angleichung des Frauenpensionsalters an jenes der Männer noch bis 2033 laufe.
Credits: BKA Regina Aigner
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