Nationalrat beschließt zwei neue Schulfächer: Medien & KI statt Latein – Streit entfacht

Nationalrat beschließt zwei neue Schulfächer: Medien & KI statt Latein – Streit entfacht

Mit den Stimmen der Dreierkoalition hat der Nationalrat am Dienstag zwei neue Unterrichtsgegenstände eingeführt. Was klingt wie eine Bildungsrevolution, steckt noch in den Startlöchern – und zieht scharfe Kritik von FPÖ und Grünen nach sich.

Was beschlossen wurde

In der AHS-Oberstufe sollen künftig zwei neue Pflichtfächer eingeführt werden, wie oe24 unter Berufung auf die Parlamentskorrespondenz berichtet: „Medien und Demokratie“ mit zwei Wochenstunden sowie „Informatik und Künstliche Intelligenz“ mit einer Wochenstunde. Grundsätzlich sollen diese Stunden auf Kosten der zweiten lebenden Fremdsprache beziehungsweise Latein gehen – allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Schulen können schulautonom entscheiden, beide Fächer im bisherigen Stundenausmaß beizubehalten. Dies hob der scheidende ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti laut oe24 als „sehr guten Kompromiss“ hervor. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) lobte die Stärkung der Schulautonomie: Wer wolle, könne künftig sogar Alt-Griechisch oder Latein verstärkt anbieten.

Was noch völlig unklar ist

Genau das ist für Grünen-Klubvize Sigrid Maurer das Problem, wie oe24 berichtet. Zwar würden die Grünen die beiden neuen Fächer begrüßen – das vorliegende Gesetz sei aber eine „PR-Show“. Weder das genaue Stundenausmaß noch die konkreten Inhalte noch die vorgesehenen Schulstufen seien im Gesetzestext festgelegt. Wieder werde ein zweiter Schritt vor dem ersten gesetzt. Für Maurer fehlt damit das Wesentliche: verbindliche Klarheit.

FPÖ: „Sie zerstören den humanistischen Kern“

FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl griff Wiederkehr scharf an, wie oe24 berichtet. Während hochtrabend über KI geredet werde, könnten viele Schüler nicht mehr ordentlich lesen, schreiben und rechnen. Latein als „verstaubtes Relikt“ abzutun und zu beschneiden, sei „staatliche Nivellierung nach unten“: „Sie zerstören den humanistischen Kern unserer Gymnasien und verhindern, dass sich Exzellenzen herausbilden können.“ Wiederkehr widersprach: Eine Stärkung humanistischer Bildung sei es, wenn Themen, die im Leben wichtiger werden, auch in der Schule Platz bekämen. NEOS-Bildungssprecherin Martina von Künsberg Sarre erinnerte laut oe24 daran, dass es immer schon Lehrplanänderungen gegeben habe.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Zwei neue Schulfächer klingen nach einer Bildungswende – sind es aber nur bedingt. Die Schulautonomie-Klausel macht aus einem verpflichtenden Pflichtfach faktisch ein Wahlangebot der Schulleitung. Und Maurers Kritik trifft einen wunden Punkt: Ein Gesetz, das weder Inhalte noch Schulstufen festlegt, ist eher ein politisches Signal als eine pädagogische Grundlage. Dass die Reform ausgerechnet in einer Woche beschlossen wird, in der der Nationalrat in den 75-tägigen Sommerschlaf geht und kaum jemand die Details liest, passt zum Rhythmus österreichischer Bildungspolitik: Große Überschriften, kleine Substanz.

Credits: BKA, Christopher Dunker

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