“Österreich-Aufschlag”: Drogerieartikel bei uns im Schnitt 22 Prozent teurer als in Deutschland

“Österreich-Aufschlag”: Drogerieartikel bei uns im Schnitt 22 Prozent teurer als in Deutschland

Dasselbe Pflaster, derselbe Hersteller, dieselbe Packung – und trotzdem kostet es in Österreich mehr als doppelt so viel wie in Deutschland. Das zeigt ein aktueller Preisvergleich der Arbeiterkammer Wien. Bei 83 von 97 untersuchten Drogerieprodukten zahlen Österreicher mehr. Die AK sieht eine Ursache in Lieferbeschränkungen der Hersteller und fordert ein Ende des sogenannten Österreich-Aufschlags.

536 statt 439 Euro

Für den gesamten Warenkorb mit 97 identen Drogerieartikeln zahlen Konsumenten in den deutschen Onlineshops laut AK durchschnittlich knapp 439 Euro, in Österreich rund 536 Euro. Das entspricht einem Aufschlag von durchschnittlich 22 Prozent. 83 Produkte waren in Österreich teurer, zwölf günstiger, zwei kosteten gleich viel. Günstiger war hierzulande etwa eine Elmex-Zahncreme, die laut dem Fachmedium Leadersnet in Österreich mit durchschnittlich 3,65 Euro um 18,5 Prozent weniger kostete als in Deutschland.

Pflaster mehr als doppelt so teuer

Die größten Unterschiede fand die AK bei bekannten Markenprodukten. Hansaplast-Pflaster mit 20 Stück kosteten in Österreich im Schnitt 5,75 Euro, in Deutschland 2,47 Euro, ein Plus von 133 Prozent. Garnier-Gesichtswasser war um 119 Prozent teurer, Sebamed-Bodymilk um 95 Prozent: 7,45 Euro statt 3,81 Euro. Auch bei Weleda-Zahncreme (plus 74 Prozent), Tempo-Taschentüchern (plus 62 Prozent), Somat-Klarspüler (plus 60 Prozent) und Gillette-Rasierklingen (plus 51 Prozent) lagen die österreichischen Preise deutlich höher.

So wurde verglichen

Die AK erhob Anfang Oktober die Preise in zehn Shops. In Österreich waren das laut Aussendung Billa online, drei Interspar-Filialen sowie die Onlineshops von Bipa, dm und Müller, in Deutschland die Onlineshops von dm, Müller, Rossmann, Globus und Rewe. Verglichen wurden Bruttopreise. Der Unterschied bei der Umsatzsteuer – 20 Prozent in Österreich, 19 Prozent in Deutschland – macht rechnerisch weniger als ein Prozent aus und erklärt damit nur einen sehr kleinen Teil der Preisdifferenz.

Lieferbeschränkungen als Preistreiber

Als einen Grund nennt die AK sogenannte territoriale Lieferbeschränkungen. Große Hersteller schreiben Händlern dabei vor, Ware nur über die jeweilige Landesgesellschaft zu beziehen, und verhindern so, dass etwa ein österreichischer Händler günstiger in Deutschland einkauft. Österreichische Händler könnten wegen solcher Beschränkungen nicht uneingeschränkt im EU-Binnenmarkt einkaufen, die Rechnung zahlten dafür die Konsumenten, kritisierte AK-Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic. “Der Österreich-Aufschlag gehört endlich abgeschafft.” Die AK fordert Maßnahmen auf EU-Ebene gegen solche Beschränkungen.

Politik will Druck auf Brüssel erhöhen

Das Thema beschäftigt auch die Regierung. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) hat angekündigt, den Druck auf die EU zu erhöhen, berichten die “Salzburger Nachrichten”. Der FPÖ reicht das nicht. Konsumentenschutzsprecher Peter Wurm verweist zudem auf den Staat selbst als Preistreiber, etwa durch Steuern und Abgaben wie die CO2-Steuer und hohe Energieabgaben. Für die Konsumenten bleibt vorerst nur der Preisvergleich – und für manche in Grenznähe der Einkauf im Nachbarland.


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