Er gilt als einer der “Väter” der modernen Künstlichen Intelligenz – und als einer ihrer prominentesten Warner. Jetzt hat sich Physik-Nobelpreisträger Geoffrey Hinton zu Österreichs Vorstoß für ein internationales KI-Zentrum unter dem Dach der Vereinten Nationen geäußert. Für Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ist das ein willkommener Rückenwind.
“Kein Land kann diese Risiken allein bewältigen”
Hinton begrüßte die Initiative in einer Stellungnahme, die oe24 veröffentlichte. “KI entwickelt sich schneller, als wir sie kontrollieren können. Kein einzelnes Land und kein einzelnes Unternehmen kann diese Risiken allein bewältigen”, heißt es darin. “Daher begrüße ich jede ernsthafte Bemühung, eine internationale Zusammenarbeit im Bereich der KI-Sicherheit aufzubauen. Österreichs Initiative leistet dazu einen wichtigen Beitrag.” Eine ausdrückliche Unterstützung für Wien als Standort enthält das Zitat nicht. Wie und in welchem Rahmen Hinton seine Stellungnahme abgab, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Ein Warner aus dem Inneren
Hintons Wort hat in der KI-Debatte besonderes Gewicht. Der britisch-kanadische Informatiker legte mit seiner Forschung zu künstlichen neuronalen Netzen die Grundlage für heutige KI-Systeme. 2024 erhielt er gemeinsam mit dem US-Physiker John Hopfield den Nobelpreis für Physik. Im Jahr davor verließ er Google, um frei über die Risiken der Technologie sprechen zu können. Seither fordert er eine strengere Regulierung, verbindliche Regeln und Sicherheitsstandards für die Entwicklung von KI.
Stocker: “Starkes Signal für Wien”
Im Kanzleramt freut man sich über den Zuspruch. “Wenn einer der ‘Väter’ der modernen KI unsere Initiative begrüßt, ist das ein starkes Signal für Wien”, sagte Stocker laut oe24. “Wir fürchten uns nicht vor Künstlicher Intelligenz, sondern geben ihr einen Rahmen, der den Menschen Ängste nimmt und Sicherheit gibt.” Wien als UNO-Amtssitz sei der richtige Ort, um diesen Rahmen gemeinsam mit der Welt zu gestalten.
Was bisher bekannt ist
Eingebracht hatte Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) den Vorschlag am Mittwoch bei einem virtuellen Treffen zur Kontrolle der leistungsfähigsten KI-Modelle, zu dem Finnland und Norwegen eingeladen hatten. Wie das Zentrum aussehen, wer es finanzieren und welche Aufgaben es übernehmen soll, ist weiter offen. Konkurrenz gibt es: Genf, ebenfalls UNO-Standort, ist Sitz der Internationalen Fernmeldeunion und ihres Gipfels “AI for Good”. Ob der Vorstoß Aussicht auf Erfolg hat, wird sich laut oe24 erst nach längeren internationalen Verhandlungen zeigen.
Pröll plant “KI-Rede”
Näheres zur österreichischen KI-Politik soll es am 19. November geben. Dann will Pröll, der eine neue KI-Strategie für Österreich ausarbeitet, in der Nationalbibliothek in Wien eine “KI-Rede” halten.
Credits: Christopher Dunker, BKA
Neueste Kommentare