“Anschlagsversuch” oder “Widerstand gegen rechts”? Medienstreit um die Sabotage an Kickls Kletterroute

“Anschlagsversuch” oder “Widerstand gegen rechts”? Medienstreit um die Sabotage an Kickls Kletterroute

Eine Woche nach dem Verfahren um die sabotierte Kletterroute am Hochschwab streiten nun zwei Magazine über die richtige Einordnung. Die Schweizer “Weltwoche” wirft dem deutschen “Spiegel” vor, einen “alpinen Anschlagsversuch” auf FPÖ-Chef Herbert Kickl herunterzuspielen. Ein Blick auf die Fakten zeigt: Beide Zuspitzungen gehen über das hinaus, was das Gericht festgestellt hat.

Was der “Spiegel” schrieb

Der “Spiegel” hatte die Geschichte unter der Überschrift “Wie eine Kletterroute von FPÖ-Chef Herbert Kickl zum politischen Tatort wurde” aufgegriffen. Laut Weltwoche spricht das Magazin von einer “Gefährdung von Kletterern”, nennt aber auch “Widerstand gegen rechts” als mögliche Interpretation der Tat. Daran stört sich die Weltwoche: Selbst der “Spiegel” spreche von einem “politischen Tatort”, füge aber “sicherheitshalber” diese Lesart hinzu.

Was die Weltwoche schreibt

Die Weltwoche selbst geht in die Gegenrichtung. In ihrer Überschrift ist von einem “alpinen Anschlagsversuch auf FPÖ-Chef Kickl” die Rede. Im Text räumt das Magazin allerdings ein: “Dass konkret geplant war, Kickl zu gefährden, lässt sich schwer belegen.” Tatsächlich hat das Gericht keinen Anschlag auf Kickl verhandelt. Angeklagt war der 26-jährige Student laut ORF wegen Diebstahls und Sachbeschädigung. Kickl selbst war am Verfahren nicht beteiligt.

Was belegt ist

Der Student hatte im März 2025 an der Route “Geheimer Schwob” in den Rauchtalplatten am Hochschwab 37 von 39 Sicherungslaschen abgeschraubt und mehrere Bohrhaken beschädigt, wie die APA berichtete. Die Weltwoche verortet den Tatort am “Ausweichkogel”, in den APA- und ORF-Berichten ist davon nicht die Rede. Ermittler sprachen laut ORF von einer Tat, die andere Kletterer massiv hätte gefährden können. In einem Bekennerschreiben auf einer linksextremen Plattform hieß es, man stelle sich “entschlossen gegen seine rechte Ideologie”. Gemeint war Kickl, der die Route einst mit erschlossen hatte.

Was der Richter sagte

Bemerkenswert ist ein Punkt, in dem sich die Weltwoche und das Gericht widersprechen. Die Weltwoche schreibt, Kickl zeige sich in sozialen Medien gern auf seinen Touren. Der Richter stellte dagegen laut APA und exxpress fest, Kickl habe sich mit dieser Route nicht inszeniert – erst durch die Sabotage sei überhaupt bekannt geworden, dass er zu den Erstbegehern zählt. “Die Berge sollen politisch frei bleiben”, sagte er. Weil der Student unbescholten und geständig war, endete das Verfahren mit einer Diversion: 100 Euro und 120 Stunden gemeinnützige Arbeit, ohne Schuldspruch.

Zwei Erzählungen, ein Sachverhalt

Der Fall zeigt, wie unterschiedlich Medien dieselbe Tat einordnen. Für die einen ist sie politischer Protest mit gefährlichen Folgen, für die anderen ein Angriff auf einen Politiker. Das Gericht hat sich an beides nicht gehalten: Es verhandelte eine Sachbeschädigung, die andere Bergsteiger hätte gefährden können, und wies die politische Rechtfertigung des Täters ausdrücklich zurück.

Credits: Parlamentsdirektion/​Thomas Topf

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