„Nicht jedes Extremwetter ist der Klimawandel“: Wissenschaftsjournalist widerspricht dem Alarmismus

„Nicht jedes Extremwetter ist der Klimawandel“: Wissenschaftsjournalist widerspricht dem Alarmismus

Ob Niedrigwasser im Rhein, anhaltende Dürre oder Waldbrände – kaum ein Extremwetterereignis, das in der öffentlichen Debatte nicht sofort mit dem Klimawandel erklärt wird. Der „Welt“-Wissenschaftsjournalist Axel Bojanowski hält diese Automatik für problematisch und fordert im Gespräch mit dem Magazin „Cicero“ eine deutlich differenziertere Betrachtung.

Niedrigwasser als Frühjahrsproblem, nicht als Klimafolge

Bojanowski verweist darauf, dass die gegenwärtig niedrigen Wasserstände vor allem auf den fehlenden Niederschlag im Frühjahr zurückzuführen seien. Gerade für Winter und Frühjahr werde für Mitteleuropa infolge der Erwärmung langfristig jedoch eher mit mehr Niederschlag gerechnet. Das diesjährige Defizit lasse sich deshalb nicht einfach als erwartbare Folge des Klimawandels interpretieren. Das bedeute aber keineswegs, dass die globale Erwärmung für die Entwicklung der Flüsse bedeutungslos wäre: Langfristig könnten weniger Schnee und schwindende Gletscher die Wasserversorgung der Flüsse verschlechtern. In diesem Sommer habe das abschmelzende Eis allerdings sogar zusätzliches Wasser geliefert und die Situation dadurch etwas entschärft.

Niedrige Pegel sind nicht automatisch Rekorde

Bojanowski warnt zudem davor, Meldungen über historische Tiefstände allein anhand von Pegelständen zu beurteilen. Flüsse wie der Rhein seien über Jahrhunderte baulich verändert worden, für längerfristige Vergleiche sei daher die tatsächlich fließende Wassermenge aussagekräftiger. Diese sei derzeit außergewöhnlich gering, habe frühere Tiefstwerte aber nicht unterschritten – historische Daten zeigten immer wieder Phasen mit noch weniger Wasser. Als extremes Beispiel führt er die Dürre des Jahres 1540 an, als Mitteleuropa über viele Monate unter massivem Regenmangel litt. Ungewöhnlich sei 2026 vor allem, wie früh das Niedrigwasser auftrete – vergleichbare Situationen seien in den vergangenen Jahrhunderten vielfach erst im Herbst oder Winter beobachtet worden.

Kritik an der medialen Berichterstattung

Besonders kritisch äußert sich Bojanowski über den medialen Umgang mit Extremwetter. Seiner Ansicht nach habe sich in Teilen der Berichterstattung die Gewohnheit entwickelt, außergewöhnliche Wetterereignisse nahezu reflexartig mit dem Klimawandel zu verbinden. Damit werde ein kompliziertes Thema zu stark vereinfacht. Die globale Erwärmung selbst bezeichnet auch Bojanowski ausdrücklich als großes und langfristiges Problem – gerade deshalb müsse aber zwischen nachgewiesenen Zusammenhängen, möglichen Einflüssen und natürlichen Schwankungen unterschieden werden.

Auch bei Waldbränden mahnt er zur Differenzierung

Ähnliches sieht Bojanowski bei Waldbränden. Höhere Temperaturen und Trockenheit könnten in einzelnen Regionen die Bedingungen für Feuer begünstigen, ob tatsächlich mehr Wald verbrenne, hänge jedoch zusätzlich von zahlreichen anderen Faktoren ab – etwa Vorsorge, Landnutzung und Waldmanagement. Die tatsächliche Entwicklung der verbrannten Flächen stehe nach seiner Darstellung teilweise im Gegensatz zum öffentlichen Eindruck: Global wie auch in Europa seien die verbrannten Wald- und Buschflächen über längere Zeiträume zurückgegangen, auch für 2026 verweist er auf bislang vergleichsweise geringe Brandaktivität.

Kein Angriff auf die Klimaforschung, sondern auf Vereinfachung

Bojanowski betont, seine Kritik richte sich nicht gegen die Klimaforschung an sich, sondern fordert eine stärkere Trennung zwischen dem langfristigen Klimawandel und der Ursache einzelner Wetterereignisse – nicht jedes Hochwasser, jede Dürre oder jeder Waldbrand lasse sich allein durch die Erwärmung erklären.

Zur Einordnung: Eine Position im Kontext

Bojanowski vertritt innerhalb der öffentlichen Klimadebatte seit Jahren eine dezidiert kritische Haltung gegenüber dem, was er als „Alarmismus“ in der medialen Berichterstattung bezeichnet – er ist unter anderem Autor mehrerer Bücher zu diesem Thema und tritt regelmäßig bei „Cicero“, einem Magazin mit konservativ-liberaler Ausrichtung, in Erscheinung. Wichtig zur Einordnung: Die von ihm angesprochene Schwierigkeit, einzelne Wetterereignisse ursächlich dem Klimawandel zuzuordnen, entspricht durchaus dem aktuellen Stand der sogenannten Attributionsforschung, die zwischen kurzfristigen Einzelereignissen und langfristigen statistischen Trends unterscheidet. Gleichzeitig gilt in der Klimawissenschaft als weitgehend unstrittig, dass die Häufigkeit und Intensität bestimmter Extremwetterkategorien – etwa Hitzewellen – durch die menschengemachte Erderwärmung nachweislich zunimmt, auch wenn sich das nicht auf jedes einzelne Ereignis übertragen lässt.

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x