Noch ist es eine Baustelle, doch schon jetzt sorgt Österreichs erstes Google-Rechenzentrum für Diskussionen. Bis zu 5,8 Millionen Liter erwärmtes Kühlwasser könnten künftig täglich in die Enns fließen – Kritiker warnen vor Folgen für ein Gewässer, das durch Hitze und Trockenheit ohnehin schon unter Stress steht.
Ein 50-Hektar-Campus für die digitale Zukunft
Auf einem rund 50 Hektar großen Areal in der oberösterreichischen Gemeinde Kronstorf, die knapp 3.500 Einwohner zählt, entsteht derzeit Googles erstes Rechenzentrum in Österreich. Wie der ORF berichtet, hat der Konzern bereits weitere Ausbaustufen zur Genehmigung beim Land Oberösterreich eingereicht – am gesamten Campus soll künftig Infrastruktur für digitale Dienste wie Suchmaschinen, Cloud-Anwendungen und künstliche Intelligenz entstehen.
Kühlwasser aus der Enns – und wieder zurück
Damit die Server nicht überhitzen, muss die entstehende Wärme laufend abgeführt werden. Dafür nutzt Google Grundwasser aus Brunnen nahe der Enns. Laut Unternehmensangaben zirkuliert dieses Wasser mehrfach durch das Rechenzentrum, bevor es erwärmt wieder in den Fluss geleitet wird – ein Teil verdunstet dabei im Kühlprozess. Aus einem Dokument der oberösterreichischen Landesregierung, das dem ORF vorliegt, geht hervor, dass Google laut wasserrechtlicher Bewilligung rund 99 Liter Wasser pro Sekunde mit einer Maximaltemperatur von 30 Grad Celsius in die Enns einleiten darf. Hochgerechnet auf einen Tag ergibt das bis zu 5,8 Millionen Liter erwärmtes Kühlwasser.
Sorge um Fische und Wasserorganismen
Die zuständige Behörde betont, dass die Temperaturerhöhung im Fluss selbst bei voller Ausschöpfung der bewilligten Menge deutlich unter dem gesetzlich zulässigen Grenzwert liege. Kritiker sehen die Folgen für die Gewässerökologie dennoch nicht ausreichend untersucht. Mitglieder der „Bürger:inneninitiative Rechenzentrum Kronstorf“ befürchten laut ORF negative Auswirkungen auf Fische und andere Wasserorganismen durch die erhöhte Wassertemperatur. Aus Sicht der Initiative habe Google zudem wiederholt geschickt jene Schwellenwerte unterschritten, ab denen eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung nötig gewesen wäre. Google selbst kündigte an, gemeinsam mit dem Oberösterreichischen Landesfischereiverband über einen eigenen Fonds Projekte zur Verbesserung des Gewässerökosystems der Enns zu unterstützen.
Die ungeklärte Frage der Abwärme
Ein Großteil der elektrischen Energie, die in ein Rechenzentrum fließt, wird letztlich in Wärme umgewandelt – Wärme, die grundsätzlich auch für Fernwärme oder industrielle Prozesse genutzt werden könnte. Das seit April 2026 geltende oberösterreichische Energieeffizienzgesetz verpflichtet größere Rechenzentren sogar dazu, ihre Abwärme nutzbar zu machen, sofern dies technisch und wirtschaftlich machbar ist. Auf Anfrage des ORF teilte Google schriftlich mit, dass entsprechende Gespräche zwar liefen, aber noch nicht abgeschlossen seien. Sobald ein geeigneter Abnehmer gefunden sei, könne die Abwärme kostenlos übernommen werden – als Referenzbeispiel verweist der Konzern auf sein Rechenzentrum im finnischen Hamina, wo ein solches Abwärmeprojekt bereits läuft.
Strombedarf in der Größenordnung eines ganzen Bundeslandes
Besonders brisant ist die Frage des Energieverbrauchs. Die elektrische Leistung des Rechenzentrums liegt in der aktuellen Ausbaustufe laut Google bei bis zu 150 Megawatt, bei einem möglichen späteren Vollausbau könnten es sogar bis zu 500 Megawatt werden. Nach Einschätzung des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid entspräche der jährliche Strombedarf im Vollausbau dem Verbrauch von bis zu 900.000 Haushalten – zum Vergleich: Ganz Oberösterreich zählt derzeit rund 676.000 Privathaushalte. Harald Müllner von der Bürgerinitiative kritisiert gegenüber dem ORF, der zusätzliche Strombedarf sei angesichts sinkender Wasserkrafterträge durch die Trockenheit und eines stockenden Ausbaus der Erneuerbaren schlicht „nicht umsetzbar“. Austrian Power Grid arbeitet nach eigenen Angaben derzeit daran, die Stromversorgung für den oberösterreichischen Zentralraum auch künftig sicherzustellen.
Ein Trend, der über Kronstorf hinausgeht
Der Fall Kronstorf steht dabei für eine Entwicklung, die weit über den einzelnen Standort hinausreicht. Auch Microsoft hat rund um Wien bereits eine Milliarde Euro in drei neue Rechenzentren investiert. Man werde die europäische Kapazität bis Ende des kommenden Jahres um weitere 40 Prozent erhöhen, kündigte Florian Slezak von Microsoft Österreich gegenüber dem ORF an – der KI-Boom stehe dabei noch „ganz am Anfang“. Laut Slezak verbrauchen Rechenzentren derzeit weltweit rund 1,5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs, Schätzungen zufolge könnte dieser Wert bis Ende des Jahrzehnts auf knapp unter drei Prozent steigen. Die Internationale Energieagentur geht sogar davon aus, dass sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 mehr als verdoppeln könnte.
Credits: Fotokerschi / Markus Hauser
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