Neuer Staats-Chatbot „ida“ verwechselt halbe Regierung

Neuer Staats-Chatbot „ida“ verwechselt halbe Regierung

Kaum gestartet, schon zur Lachnummer geworden: Österreichs neuer KI-Chatbot für Verwaltungsfragen sorgt bereits am ersten Tag für Spott. Wer wissen will, wer aktuell die Republik regiert, bekommt von „ida“ teils gänzlich falsche Antworten.

Ein digitaler Assistent für ID Austria und Co.

Seit Montag ist der neue KI-Chatbot „ida“ auf den Plattformen oesterreich.gv.at, id-austria.gv.at sowie in der ID-Austria-App im Einsatz. Nutzerinnen und Nutzer können Fragen frei formulieren und erhalten laut Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) „rund um die Uhr“ Antworten, wie unter anderem meinbezirk.at berichtet. Der Assistent basiert auf einem Sprachmodell des französischen Unternehmens Mistral, wird laut derStandard vollständig in Österreich betrieben, die Daten sollen das Land nicht verlassen. Themenschwerpunkte sind die Registrierung der ID Austria, eAusweise, digitale Signaturen sowie Wohnsitzangelegenheiten. Perspektivisch soll „ida“ laut Pröll sogar Anträge direkt entgegennehmen können. Nach Angaben von „Heute“ durchlief der Chatbot vor dem Start eine mehrwöchige Testphase mit mehr als 4.600 Testfragen.

Nehammer als Kanzler, Babler aus der Regierung geflogen

Genau bei einer eigentlich simplen Frage patzt die KI allerdings gewaltig: Auf die Frage nach dem aktuellen Bundeskanzler antwortet „ida“ mit Karl Nehammer, „aktuell (Stand Juni 2024)“, wie oe24 dokumentiert. Vizekanzler Andreas Babler taucht in der Antwort des Chatbots gar nicht mehr auf – stattdessen behauptet die KI, seit Dezember 2023 sei „Karla Peiter“ Bundesministerin für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport. Diesen Namen gibt es in der österreichischen Regierung nicht.

Meinl-Reisinger degradiert, Edtstadler befördert

Auch bei der Außenministerin liefert der Chatbot laut oe24 kuriose Fehlinformationen: Statt Beate Meinl-Reisinger (NEOS) nennt „ida“ eine „Claudia Plakolm (seit 2024: Claudia Bauer)“ als Außenministerin – tatsächlich ist Bauer Europaministerin und heißt seit Anfang 2026 nicht mehr Plakolm. Meinl-Reisinger wird von der KI fälschlich als Staatssekretärin in Bauers Ressort eingeordnet. Auf gezielte Nachfrage korrigiert sich der Chatbot zwar, präsentiert dann aber eine neue falsche Antwort: Außenministerin sei stattdessen Karoline Edtstadler – die inzwischen als Landeshauptfrau von Salzburg amtiert und zuvor tatsächlich Europaministerin war.

FPÖ spricht von „künstlicher Inkompetenz“

Für scharfe Kritik sorgte der Fauxpas bei der FPÖ. In einer Aussendung auf der Plattform OTS wählte Generalsekretär Michael Schnedlitz deutliche Worte: „Die künstliche Intelligenz nimmt leider Anleihen an der natürlichen Intelligenz der Schöpfer. Hier hat die ÖVP ihre eigene, tiefgreifende Inkompetenz einfach in einen Programmcode gegossen. Es gilt das alte Sprichwort: Wie der Schöpfer, so sein Werk.“ Besonders scharf ging Schnedlitz mit dem zuständigen Staatssekretär Pröll ins Gericht und zog einen Vergleich zu einem früheren gescheiterten Digitalisierungsprojekt: „Wir erleben hier das ‚Kaufhaus Österreich reloaded‘ – ein sündteurer Schuss in den Ofen, der nicht einmal rudimentärste Fakten auf die Reihe bekommt.“

Ankündigung: Kostenprüfung soll folgen

Der FPÖ-Generalsekretär belässt es nicht bei verbaler Kritik. Wie oe24 berichtet, kündigte Schnedlitz an, die tatsächlichen Kosten des Projekts genau prüfen zu wollen: „Wir werden ganz genau herausfinden, wie viele Millionen die Bürger für dieses digitale Kabarettprogramm brennen mussten.“ Immerhin zeigt sich der Chatbot bei seinen Fehlern selbstkritisch: Laut „Heute“ entschuldigt sich „ida“ für die falschen Angaben und verweist auf die offizielle Homepage des Bundeskanzleramts.

Ein bekanntes technisches Problem

Der Fehler ist technisch nachvollziehbar, wie oe24 einordnet: Sprachmodelle werden mit Trainingsdaten aus der Vergangenheit gefüttert und hinken ohne direkte Live-Schnittstelle zu aktuellen Datenbanken der Gegenwart entsprechend hinterher – frühere Amtsträger bleiben für die KI dadurch mitunter „im Amt“. Genau ein solches veraltetes Wissensmodell dürfte im Fall von „ida“ für die Verwechslungen bei der Regierungsspitze verantwortlich sein.

Credits: Paul-Gruber

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