Causa Ruck: Wiener SPÖ-Frauen schreiben Brandbrief an Ludwig

Causa Ruck: Wiener SPÖ-Frauen schreiben Brandbrief an Ludwig

Der Skandal um den zurückgetretenen Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck bekommt eine neue innerparteiliche Dimension. Die Wiener SPÖ Frauen wenden sich mit einem deutlichen Brief an Bürgermeister Michael Ludwig – und werfen ihm vor, die frauenfeindlichen Aussagen seines Freundes bis heute nicht verurteilt zu haben.

Der Auslöser: ein heimlich mitgeschnittenes Gespräch

Ruck war Ende Juli aus der ÖVP ausgeschlossen worden, nachdem ein heimlich aufgezeichnetes Gespräch in seinem Weinkeller öffentlich wurde, in dem er sich abwertend über Frauen in der Politik äußerte. Wie der „Kurier“ berichtet, haben die Wiener SPÖ Frauen ihrem eigenen Parteichef Ludwig nun schriftlich ihren Unmut mitgeteilt.

„Empörend“: SPÖ-Frauen gehen auf Distanz zu Ludwig

Der Brief selbst liegt der Zeitung zwar nicht vor, wohl aber Informationen zu dessen Inhalt: Demnach richtet sich das Schreiben bewusst an jenen, der aus Sicht der Funktionärinnen „für die Misere verantwortlich“ sei – also an Ludwig persönlich, weil dieser Ruck bislang öffentlich verteidigt hatte. Nach Bekanntwerden der Aufnahme hatte sich Ludwig mit dem Satz „Ich kenne ihn anders“ hinter seinen langjährigen Freund gestellt. Genau das sorgt in den eigenen Reihen für Ärger. Eine hochrangige SPÖ-Politikerin bringt es laut „Kurier“ auf den Punkt: Ludwig habe es „nicht nur verabsäumt, das Richtige zu tun, sondern es mit seinen Aussagen sogar noch schlimmer gemacht“.

Pikant dabei: Auf der Tonaufnahme soll sich Ruck laut „Kurier“ auch verächtlich über SPÖ-Vizebürgermeisterin Barbara Novak geäußert haben – mit den Worten „Hearst, was soll ich mit einer Frau?“ Novak gilt als enge Vertraute Ludwigs und organisierte für ihn zwei erfolgreiche Wahlkämpfe.

Zwei rote Funktionäre saßen mit im Weinkeller

Zusätzliche Brisanz erhält die Affäre durch die Teilnehmerliste des mehrstündigen Gesprächs selbst: Neben Ruck sollen laut „Kurier“ auch zwei SPÖ-Funktionäre am Tisch gesessen haben – Marko Fischer, Wiener Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes, sowie der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy. Nevrivy gilt als politischer Wegbereiter Ludwigs: Er organisierte diesem 2018 die Mehrheiten bei der parteiinternen Kampfabstimmung um den SPÖ-Landesparteivorsitz gegen Andreas Schieder. Auf Anfrage des „Kurier“ bestätigte Nevrivy seine Teilnahme unter Verweis auf seine SWV-Funktion, zu Rucks Aussagen selbst äußerte er sich jedoch nicht. Dass sein Lachen auf der Aufnahme zu hören ist, während sich Ruck über ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer lustig macht, kommt in der Partei nicht gut an. Eine Funktionärin bezeichnet derartige „Hinterzimmerpolitik“ laut „Kurier“ als „nicht nur sexistisch, sondern aus der Zeit gefallen“.

Prominente Unterzeichnerinnen

Unterschrieben ist der Brief laut „Kurier“ vom gesamten Präsidium der Wiener SPÖ Frauen – darunter Frauenvorsitzende Marina Hanke, die frühere Frauenstadträtin Kathrin Gaál, deren Nachfolgerin Elke Hanel-Torsch, Nationalratsabgeordnete Petra Bayr sowie Bezirksvorsteherin Saya Ahmad.

Ludwigs Büro verweist auf die Zeit nach dem Urlaub

Eine inhaltliche Antwort Ludwigs steht bislang aus. Sein Büro teilte dem „Kurier“ lediglich mit, man stehe mit der Frauenorganisation „in sehr gutem Einvernehmen und in regelmäßigem Austausch“. Ein persönliches Treffen mit dem Präsidium soll demnach erst „nach der Urlaubszeit“ stattfinden. Ob diese Ankündigung den SPÖ-Frauen genügt, bleibt vorerst offen.

Credits: C.Stadler/Bwag – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=93841266 – mit KI-Erweiterung

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